Kritischer Blick: Helmut Friedel (links) prüft mit Josef Merkel und Arndt Merkle (rechts), wo die Bilder für die nächste Ausstellung „Die Brücke 1905–1914“ im Museum Frieder Burda am besten hängen.
Kritischer Blick: Helmut Friedel (links) prüft mit Josef Merkel und Arndt Merkle (rechts), wo die Bilder für die nächste Ausstellung „Die Brücke 1905–1914“ im Museum Frieder Burda am besten hängen. | Foto: Rudolphi

Museum Burda Baden-Baden

Miniaturen lotsen den Aufbau einer Ausstellung

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Helmut Friedel nimmt auf der Bank Platz und schaut ganz genau hin. Mehrmals tauschen Arndt Merkle und Josef Merkel die beiden Kunstwerke und schieben sie an der Wand hin und her. Der frühere Intendant des Museums Frieder Burda lässt die jeweiligen Eindrücke kurz auf sich wirken.

Doch ganz zufrieden ist er noch nicht. Erst als die Museumsmitarbeiter einen Zollstock auspacken und die Abstände nachmessen, gibt der Experte schließlich sein OK. Die beiden Bilder haben nun die richtigen Plätze gefunden.

Museum zeigt „Die Brücke“

„Eine Ausstellung entwickelt sich eben nicht geradlinig. Von einem Ausgangspunkt spinnen sich viele Fäden, die sich dann miteinander verweben“, erläutert Friedel die Vorgehensweise, wie er mit Magdalena Möller die neue Ausstellung „Die Brücke 1905–1914“ konzipiert hat.

Der Vorlauf dauert etwa zwei Jahre

Eine Schau benötige meistens zwei Jahre Vorlauf, weil die Leihprozesse teilweise sehr aufwendig seien. Zudem war es Friedel zufolge erforderlich, viele der etwa 50 Gemälde und 70 Grafiken, von denen zwei Drittel aus dem Brücke-Museum in Berlin stammen, für die Baden-Badener Ausstellung zu restaurieren. Zudem musste das Haus mit privaten Leihgebern verhandeln, Versicherungen für die Kunstwerke abschließen und deren Transporte organisieren.

Wechsel zu neuer Ausstellung

Die heiße Phase der Vorbereitung beginnt dann unmittelbar nach dem Ende der jüngsten Ausstellung. „In der Regel haben wir dann zwei Wochen Zeit“, berichtet Christiane Righetti, Kunsthistorikerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums Frieder Burda.

Innerhalb von drei Tagen war alles weg.

Nach der James-Turrell-Schau „The Substance of Light“ haben sich die Macher jedoch eine Woche mehr eingeräumt. Direktor Henning Schaper nennt den Grund dafür: „Der Auf- und Abbau für die Turrell-Ausstellung war das bisher Aufwendigste überhaupt.“ In kurzer Zeit mussten die Mitarbeiter eigens errichtete zusätzliche Holzwände abbauen. „Innerhalb von drei Tagen war alles weg“, sagt Righetti.

Danach rückten die Handwerker von Neuem an. Die Maler verpassten den Wänden einen zu den Werken passenden Grauton und die Schreiner bauten im Erd- und Obergeschoss wieder Räume ein. „Wir schützen damit die lichtempfindlichen Zeichnungen und Grafiken“, informiert Christiane Righetti.

Das Modell ist maßstabsgetreu

Das Konzept für die Ausstellung ist bis ins kleinste Detail durchgeplant. Arndt Merkle hat nach den Ideen der Kuratoren für jeden Saal ein maßstabsgetreues Modell gebaut, in dem die einzelnen Bilder in Miniaturform an den jeweils vorgesehenen Stellen hängen. „Die endgültige Entscheidung fällt aber erst dann, wenn ich die echten Werke sehe“, versichert Friedel. Für ihn sei es wichtig, dabei auch die Architektur des Hauses einzubeziehen.

Kunst kommt ins Haus.

Wenn dann die Transporte mit den Werken ankommen, protokollieren Kuriere das Auspacken. „Das ist der schönste Moment für die Kuratoren, denn dann kommt die Kunst ins Haus“, bekräftigt Schaper. Obwohl es noch hektisch zugehen wird, hat er keine Zweifel, am 17. November eine perfekt vorbereitete Auswahl zu präsentieren. „Eine Ausstellung zu machen, ist fast so wie ein Theater zu bespielen“, gibt der Direktor zu verstehen.