Freut sich auf weitere Porträts und Geschichten: Am 27. Februar findet der letzte Foto-Termin von Baldreit-Stipendiatin Claudia Holzinger statt.
Freut sich auf weitere Porträts und Geschichten: Am 27. Februar findet der letzte Foto-Termin von Baldreit-Stipendiatin Claudia Holzinger statt. | Foto: Alina Meier

Fotoprojekt

Claudia Holzinger porträtiert Baden-Badener und ihre Geschichten

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Damit hatte Claudia Holzinger nicht gerechnet. Für ihr Fotoprojekt „Baden-Baden wie es ist“ wollte die Baldreit-Stipendiatin an zwei Terminen im Januar Passanten porträtieren und deren Geschichten und die der Stadt erzählen.

Sie hatte darauf gehofft, dass einige Fußgänger sich zu einem Foto überreden lassen würden. Doch zum Überreden kam die Künstlerin gar nicht. Baden-Baden hat sie aufs Neue überrascht. „Die Foto-Termine waren großartig“, sagt die 34-Jährige.

Sie habe nicht erwartet, dass so viele Leute bereit sind, mitzumachen und auch von alleine auf sie zukommen. Der Aufruf in der Zeitung habe viele Menschen direkt zu ihr gebracht, manche hätten den Artikel wie einen Coupon sogar mitgebracht.

Von der Schülerin bis zum Rentner

Etwa 20 Personen haben sich an den beiden Fototerminen insgesamt ablichten lassen. Manche seien spontan stehen geblieben, wenn sie Holzingers Hinweisschild sahen. Sie kamen einfach beim Bummeln vorbei oder in der freien Zeit zwischen zwei Terminen. „Ein Mann hatte nach einem Termin in der Stadt noch Zeit bis zur Heimfahrt und sagte, er habe einfach Lust auf ein Abenteuer gehabt“, erzählt die Künstlerin lachend.

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Die unterschiedlichsten Personen seien in dieser Zeit bei ihr vorbeigekommen. Schülerinnen nach dem Unterricht, aber auch viele Rentner. Ihr Gefühl, dass viele Leute sich mittlerweile nur noch ungern fotografieren lassen, habe sich nicht bestätigt. „Vielleicht, weil es diese Freizeitebene ist, auf der man sich in diesem Moment begegnet“, mutmaßt Holzinger.

Spießiges Bild von Baden-Baden bestätigt sich nicht

„Es ist eine andere, gelöstere Ausgangssituation. Die Leute waren auf diesen Termin vorbereitet und befanden sich in diesem besonderen Modus.“ Die Menschen seien extrem offen gewesen, ein Ehepaar habe sie sogar zum Kaffee trinken zu sich nach Hause eingeladen. Das spießige Bild, das viele von Baden-Baden hätten, habe sich an diesen Terminen keinesfall bestätigt.

Die Porträtaufnahmen macht sie, während sie sich mit den Menschen unterhält. „Es geht nicht nur um die Foto- sondern auch um die Textebene. Nicht nur visuell, sondern auch narrativ. Das Erzählen passiert dann ganz natürlich. Es geht dabei sofort über Small Talk hinaus, ist sehr viel komprimierter. Diesen Zugang hat man im normalen Leben nicht. Kunst zielt ja darauf ab, Menschen zu bewegen. Und was bewegt mehr als Geschichten“, erklärt Holzinger.

Gespräche bringen natürlichere Aufnahmen

Der Akt des Fotografierens rücke in diesen Momenten meistens in den Hintergrund. Einerseits ergebe sich durch das Gespräch ein viel entspannteres, natürlicheres und vertrautes Foto. Andererseits brauche man aber auch deutlich mehr Aufnahmen, aus denen man später ein gutes Foto auswählen könne.

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Die Auswahl des „richtigen“ Motivs überlässt die Künstlerin den Personen selbst. Sie verschickt die Bilder und die Leute dürfen ihre Favoriten aussuchen.

Art der Präsentation steht noch nicht fest

Wie die Präsentation ihrer gesammelten Bilder und Geschichten am Ende aussehen soll, weiß sie immer noch nicht genau. Vielleicht eine Ausstellung, ein Booklet oder eine Lesung.

„Es kann immer noch alles passieren“, sagt Holzinger. So funktioniere aber auch ihre Arbeit an sich. Sie wolle nie ergebnisorientiert arbeiten, auch wenn das manchmal anstrengend oder schwierig sei. „Das Experiment bleibt immer mit offenem Ausgang.“

Die Menschen hier schauen ja unglaublich gut aus

Claudia Holzinger, Baldreit-Stipendiatin

Projekt entstand aus Faszination für Baden-Baden

Auch die Projektidee selbst habe sich erst aus der Faszination für die Kurstadt entwickelt. „In Baden-Baden geht es nicht darum, nicht gesehen zu werden. Die Menschen hier schauen ja unglaublich gut aus, die investieren sehr viel Zeit in ihr Aussehen. Und die Lichtentaler Allee ist ja schon auch eine Bühne“, sagt sie lachend.

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Diese Lebensart und die Geschichten dazu wollte sie festhalten. Auch für ihre Zukunft nach dem Stipendium hat sie noch keine festen Pläne. Die Zeit in Baden-Baden habe ihr ermöglicht, das eigene normale Leben mit etwas Abstand zu betrachten und habe sie schon auf viele neue Ideen gebracht.

Der dritte und letzte Foto-Termin von Claudia Holzinger findet am Donnerstag, 27. Februar, von 13 bis 16 Uhr am Bürger-Büro am Jesuitenplatz in Baden-Baden statt.