Der Glanz kommt nicht nur von außen: Nach den finanziellen Turbulenzen kurz nach der Eröffnung des Festspielhauses hat sich der erste privat finanzierte Opern- und Konzertbetrieb in Europa bewährt. | Foto: Deck

Festspielhaus Baden-Baden

Der Intendant sieht seine Mission erfüllt

Vom Sturzflug zum Höhenflug: Dass das Festspielhaus in Baden-Baden sich einmal zu einem kulturellen Leuchtturm und damit zu einem Aushängeschild nicht nur der Bäderstadt, sondern auch der Region mausern würde – darauf hätte im Sommer 1998 wohl kaum jemand einen Pfifferling gewettet. Bereits kurz nach der Eröffnung am 18. April jenes Jahres hatte das mit rund 2 500 Plätzen nach der Pariser Opèra La Bastille zweitgrößte Konzert- und Opernhaus Europas einen beispiellosen Absturz hinter sich und stand unmittelbar vor dem Aus.

Kurz nach der Eröffnung 1998 droht  der Konkurs

Die damalige Betreibergesellschaft Dekra unter dem Management von Rainer Vögele und dem früheren Bürgermeister Klaus Klein hatte das Haus mit vollem Karacho gegen die Wand gefahren. In der rekordverdächtigen Zeit von wenigen Monaten nach der glanzvollen Eröffnungs-Gala stand das Festspielhaus vor der Pleite. Der Gang zum Konkursrichter schien unvermeidbar.

 Heutiger Intendant erweist sich als Glücksgriff

Einer ließ sich von der damals schier ausweglosen Situation jedoch nicht beirren und wettete mehr als einen Pfifferling auf die Zukunft des Festspielhauses – der heutige Intendant Andreas Mölich-Zebhauser. „Ich dachte, ich kriege das hin“, sagt der 65-Jährige heute im Rückblick. „Ich hatte allerdings keine Ahnung, wie.“ Die Verpflichtung des damaligen Geschäftsführers des Ensemble Modern in Frankfurt im Sommer 1998 erwies sich als Glücksgriff.

Das Haus steht auf soliden Beinen

Innerhalb weniger Jahre schaffte er es, den Musentempel aus den roten Zahlen zu holen. 2018, zum 20-jährigen Bestehen des Festspielhauses, und ein Jahr vor seinem Schlussakkord – im Sommer 2019 übergibt Mölich-Zebhauser die Leitung an seinen Nachfolger Benedikt Stampa – schließt sich für den Intendanten der Kreis: „Heute darf ich in aller Bescheidenheit sagen, dass meine Mission in einem Jahr erfüllt sein wird. Das Haus und sein privates Finanzierungskonzept stehen auf soliden Beinen“, bekräftigt der Intendant jüngst bei der Vorstellung seines letzten Programms.

Die private Kulturstiftung ist eine wichtige Säule

Die wichtigste Säule ist die im März 2000 gegründete private Kulturstiftung Festspielhaus, die den Betrieb durch ein Förderprogramm finanziert. Das Festspielhaus war von Anfang an als privat finanzierter Kulturbetrieb geplant. Nach längeren politischen Auseinandersetzungen bewilligte das Land einen jährlichen Zuschuss von umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro (Laufzeit 25 Jahre). Die Stadt sollte mehr als 1,5 Millionen pro Jahr bezahlen.

Starke Anziehungskraft: Das Festspielhaus Baden-Baden lockt mit Weltstars und einem attraktiven Programm jährlich rund 160 000 Besucher an. 2018 feiert das zweitgrößte Opern- und Konzerthaus Europas sein 20-jähriges Bestehen. | Foto: Deck

Die Baukosten liegen bei rund 60 Millionen Euro

Die Südwestdeutsche Landesbank legte zur Finanzierung des von dem Wiener Architekten Wilhelm Holzbauer geplanten Neubaus hinter dem Alten Bahnhof im Neorenaissance-Stil einen Fonds von 60 Millionen Euro auf. Der „Spiegel“ spottete seinerzeit über eine „gigantische Schachtel in überdimensionalem Lego-Look“.

Die Stadt springt zwischenzeitlich ein

Das privatwirtschaftliche Betreibermodell scheiterte zunächst. Nach dem finanziellen Desaster und dem Ausstieg der Dekra übernahm die Stadt zwischenzeitlich zum symbolischen Preis von einer Mark das Haus. Im Jahr 2000 ging es zum gleichen Preis an die Kulturstiftung, in der sich neben zwei US-Mäzen mehrere Unternehmer aus der Region engagieren. Sie legten den Grundstein für den ersten privat finanzierten Opern- und Konzertbetrieb in Europa.

30 Stifter engagieren sich

Mittlerweile sind es 30 Stifter, die zusätzlich zum Stiftungskapital von rund 15 Millionen über 50 Millionen Euro für das künstlerische Programm gespendet haben. 2020 wird die Stadt für rund 18,4 Millionen Euro die Immobilie Festspielhaus übernehmen.

Weltstars locken rund 160.000 Besucher pro Jahr

Weltstars wie Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter, Lang Lang oder Valery Gergiev locken jährlich rund 160.000 Besucher an die Oos. Zu den Höhepunkten zählen seit 2013 die Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern. Beide Partner verlängerten kürzlich den Vertrag bis 2022. Neben dem kulturellen Reichtum bringt das Festspielhaus enorme wirtschaftliche Impulse: Einer Studie zufolge beschert es der Stadt einen Kaufkraftzufluss von 50 Millionen Euro pro Jahr.

 

 „Das Festspielhaus ist der beste Botschafter, den Baden-Baden haben kann“, bekräftigt Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Die Stadt wolle dessen 20-jähriges Bestehen feiern und lade deshalb die Bürger am Freitag, 20. April, um 16 Uhr unter dem Motto „Baden-Baden gratuliert“ in den Bénazet-Saal des Kurhauses ein. Im Mittelpunkt stehen ein Vortrag von EU-Kommissar Günther Oettinger und eine moderierte Gesprächsrunde mit wichtigen Wegbegleitern des Festspielhauses: Intendant Andreas Mölich-Zebhauser, Horst Weitzmann, Vorsitzender des Stiftungsrats der Kulturstiftung, die frühere Landtagsabgeordnete Ursula Lazarus und Alt-Oberbürgermeister Ulrich Wendt. Die Moderation übernimmt Markus Brock. Ein Septett der Philharmonie spielt auf, zudem steht Marc Marshall mehrfach auf der Bühne.
Nach dem Prolog im Kurhaus bedankt sich das Festspielhaus bei seinen Förderern und Bürgern mit einem Festprogramm von Samstag bis Montag, 21. bis 23. April.  Diese Aktion sei vor allem ein Dank an die Stadt, die das Festspielhaus auch in schwieriger Zeit nicht im Stich gelassen habe. Das gelte auch für die Stifter, die im Jahr 2000 mit der Gründung der Kulturstiftung einen großen Vertrauensbeweis gegeben hätten.
Ernst-Moritz Lipp, Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Kulturstiftung des Festspielhauses, betonte, es sei wichtig, das bisher erreichte Niveau weiter zu steigern, etwa mit neuen Akzenten bei den Herbstfestspielen und neuen Formaten. Die Kulturstiftung traue dem künftigen Intendanten Benedikt Stampa zu, das Haus weiterzuentwickeln.

Weitere Infos  gibt es unter www.festspielhaus.de.