Forstamtschef Thomas Hauck (lins) und der städtische Pressesprecher Roland Seiter stehen vor dem Waldhotel Forellenhof. Dahinter ist der Hang zu sehen, auf dem vor 20 Jahren die Bäume wie Streichhölzer von Orkan Lothar umgeknickt wurden. Inzwischen ist dort ein neuer Wald entstanden.
Forstamtschef Thomas Hauck (lins) und der städtische Pressesprecher Roland Seiter stehen vor dem Waldhotel Forellenhof. Dahinter ist der Hang zu sehen, auf dem vor 20 Jahren die Bäume wie Streichhölzer von Orkan Lothar umgeknickt wurden. Inzwischen ist dort ein neuer Wald entstanden. | Foto: Bernd Kamleitner

Natur heilte die Wunden

Das Forstamt Baden-Baden hat aus Orkan Lothar viel gelernt

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Der Unterschied ist gewaltig. Das finden Thomas Hauck, Leiter des städtischen Forstamts, und Roland Seiter von der Pressestelle der Bäderstadt. Die Männer erinnern sich noch gut an den Zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahr 1999, als Orkan Lothar mächtige Bäume wie Streichhölzer umknickte – zum Beispiel am Hang hinter dem Waldhotel Forellenhof. Das war ein Schreckensszenario für jeden Naturfreund. Mit Sicht auf eine der Schadensstellen – in der Kurve, an der Abzweigung der Landesstraße L 78 von der Beuerner Straße – stehen die beiden 20 Jahre später vor dem Hang, der inzwischen wieder zugewachsen ist. Die Natur, so scheint es, hat ihre Wunden geheilt.

Der Wald hat sich tatsächlich regeneriert. Seiter hat Bilder mitgebracht, wie es vor 20 Jahren aussah – nur die Douglasien auf dem Bergrücken trotzten dem Orkan. Sie dürften heute zwischen 60 und 80 Jahr alt sein, schätzt Hauck. Am Hang darunter ist ein neuer Mischwald entstanden, mit einem deutlich höheren Anteil an Laubbäumen. Die Hölzer sind inzwischen an die 20 Meter hoch.

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Sturmholz in Massen gab es durch Orkan "Lothar" auch in diesem Waldstück hinter der Fischkultur beim Waldhotel Forellenhof.
Sturmholz in Massen gab es durch Orkan „Lothar“ auch in diesem Waldstück hinter der Fischkultur beim Waldhotel Forellenhof. | Foto: Pressestelle Stadt Baden-Baden

Es war nicht die größte Fläche im Stadtwald, die Orkan Lothar damals niedermachte, aber es ist eine prominente, weil gut einsehbare. Der Orkan am 26. Dezember 1999 muss ein gewaltiger Schaden für das Waldökosystem gewesen sein, glaubt der Laie. Eigentlich nicht, findet Experte Hauck: „Im Leben eines Waldökosystems war Lothar nur ein Sekundenbruchteil!“

Gewaltig war aber der wirtschaftliche Schaden für den Waldbesitzer, der Stadt Baden-Baden. Er wird inzwischen auf rund zehn Millionen Euro beziffert, weil unter anderem Gewinn aus fehlender Holznutzung zu Buche schlägt. Die Unmengen an Sturmholz vor 20 Jahren hatten zudem den Holzpreis tief in den Keller fallen lassen.

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Sturmholzmenge entsprach  dem Holzeinschlag von 25 Jahren

Auf rund 2 000 Hektar – von insgesamt 7 500 Hektar Stadtwald – hinterließ „Lothar“ damals eine Schneise der Verwüstung. Etwa 900 000 Festmeter Sturmholz lagen im Stadtwald danieder. Zu der Zeit erntete das Forstamt jährlich etwa 50 000 Festmeter, heute sind es an die 36 000. Das Lothar-Sturmholz entspricht also der Menge, die bei der derzeitigen Menge in einem Zeitraum von 25 Jahren im Stadtwald geerntet wird.

So sah es vor 20 Jahren nach "Lothar" im Bereich Binsenwasen aus.
So sah es vor 20 Jahren nach „Lothar“ im Bereich Binsenwasen aus. | Foto: Pressestelle Stadt Baden-Baden

Hat der Forst aus dem Orkan gelernt? „Sehr viel“, entgegnet Hauk. So sei der Umbau hin zu Mischwäldern deutlich verstärkt worden und ein großer Schritt hin zu einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung gemacht worden.

Das Forstamt setzt dabei auf die Naturverjüngung der an den jeweiligen Standort angepassten Baumarten. Baumpflanzung soll dagegen gegen Null reduziert werden. Die Ausnahme sind Flächen, auf denen ein Baumartenwechsel notwendig ist und keine geeigneten Samenbäume vorhanden sind.

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Anteil der Fichte ist deutlich zurückgegangen

Seit Lothar ist der Anteil der Laubbäume im Stadtwald von 39 auf 52 Prozent im Jahr 2017 angestiegen. Das belegt die Stichprobeninventor, erklärt Hauck. Der Anteil der Fichte ist in diesem Zeitraum von 26 auf 19 Prozent gesunken. Für die Fortwirtschaft, die in Zeiträumen von 100 Jahren denke, sei das ein „gewaltiger Schritt“.

Klimawandel ist eine große Herausforderung

Positive Auswirkungen hatte der Orkan laut Hauck auf neue Aussichten, die die Menschen genießen, und auf lichtliebende Arten wie dem Auerhuhn. Doch vielerorts sei dieser Vorteil wieder zugewachsen. Die größte Herausforderung für die Zukunft sei der Klimawandel mit Folgen wie häufigeren Sturmereignissen und längeren Trockenperioden.