EIN LUFTIGES ERLEBNIS ist die Fahrt im Peugeot 202 Découvrable, wenn das große Verdeck eingerollt ist. Gert Schoenenberg zeigt sein Auto auch auf dem Oldtimer-Meeting. | Foto: Bühler

Oldtimer in Baden-Baden

Deal mit französischem Scheck

Es ist schon erstaunlich, wie der betagte Peugeot 202 den Hügel in der Vorbergzone bei Eisental mit seinen 30 PS zügig hinaufschnurrt. Gert Schoenenberg dreht behutsam an einem kleinen Knopf. „Damit kann man den Zündzeitpunkt für einen optimalen Motorlauf einstellen, fachsimpelt der gelernte Automechaniker. In der geräumigen Werkstatt-Garage an der Bühler Seite in Altschweier zeigt er stolz auf ein Werbeplakat von damals: „Le petite voiture de demain“ Mit dem Slogan „Das kleine Auto von morgen“ warb damals der französische Hersteller für den 202 Découvrable, bei dem man das große Verdeck für eine luftige Ausfahrt tief nach hinten aufrollen kann. Mit seiner weichen Federung gewann der robuste 202 schnell eine treue französische Kundschaft.

Oldtimer-Virus eingefangen

Den Oldtimer-Virus hat er sich beim ersten Oldtimer-Meeting eingefangen, das die SWF-Moderatorin Siggi Harreis und Jean-Marc Culas am 27. Juni 1976 organisiert haben. Und wo findet man ein so seltenes Fahrzeug Baujahr 1938? „Das war nicht so einfach, denn ein Franzose sieht so etwas wie ein französisches Kulturgut an und würde es eigentlich keinem Deutschen verkaufen. Ich hatte Glück, denn ich wurde 1969 abgeworben und bin in die Werkstatt der französischen Gendarmerie auf dem Flugplatz in Baden-Oos gewechselt. Dort habe ich zusammen mit französischen Kollege die französischen Einsatzfahrzeuge gewartet. Ein ehemaliger Kollege hat mir den 202 quasi vermittelt“, sagt er lächelnd.

Im Rhonetal fündig geworden

Dann ging es zusammen mit Jacques das Rhonetal hinunter nach Valence. „Dort stand er klassisch in einer alten Scheune und sah für sein Alter verhältnismäßig gut aus“, freut sich Gert Schoenenberg noch immer über diesen Augenblick. Jacques führte darauf die Verkaufsverhandlungen und bezahlte anschließend mit einem französischen Scheck. „Alles war abgestimmt und ich habe ihm nachher das Geld überwiesen“, beschreibt er spitzbübisch den Deal.

Auto zuerst total zerlegt

Dann ging es ans Schrauben. Gert Schoenenberg zerlegte den 202, überholte Motor, Getriebe und Elektrik, baute das Auto dann wieder auf. Ihm kommen dabei die beruflichen Erfahrungen mit französischen Autos zugute. „Die Sitze und das Interieur waren hinüber und das Verdeck fehlte. Das konnte ein Unternehmen im Elsass machen. Die Sattlerarbeiten übernahm ein Bekannter. Das Leder ist noch original“, betont er.
Der Peugeot 202 besitzt einige Besonderheiten wie die geöffneten Pilotfelgen, die es als Sonderzubehör gab. Für einen Wechsel der Hinterräder schraubt man einen Teil des Kotflügels ab.

Großes Gefühl nach Restaurierung

„Die alten Autos sind relativ einfach zu reparieren, wenn man weiß, wie es geht. Ich stelle mich gern so einer langwierigen Aufgabe. Es ist einfach schön, wenn man den Oldtimer sieht, wenn er fertig ist und den Zustand kennt, wie er einmal aussah. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich“, schwärmt er. Der 75-Jährige hat in seinem Leben bereits einige Oldtimer wieder hergefitzt. „Ein Tankwart würde den Stutzen nicht finden“, bemerkt Gert Schoenenberg und zieht eine Zierkappe aus der Mitte des Reserverades am Heck des Autos heraus. Dann erst kann man den Tankdeckel sehen. Beim Foto-Shooting hält ein Rennradfahrer und fragt nach dem Baujahr. „1938“, antwortet Gert Schoenenberg. „Gratuliere, das ist ein guter Jahrgang. In diesem Jahr bin auch ich geboren. Aber wahrscheinlich wird der Oldtimer länger leben als ich“, scherzt er. Bei der sachverständigen Pflege von Gert Schoenenberg wird das sicherlich der Fall sein.