Noch ein gewohntes Bild: Die Pferdekutsche wartet vor den Kurhaus-Kolonnaden in Baden-Baden auf die nächsten Gäste. Doch dem Betrieb droht wegen der Corona-Krise das Aus.
Noch ein gewohntes Bild: Die Pferdekutsche wartet vor den Kurhaus-Kolonnaden in Baden-Baden auf die nächsten Gäste. Doch dem Betrieb droht wegen der Corona-Krise das Aus. | Foto: Bernd Kamleitner

Kaum Touristen, kaum Einnahmen

Den Kutschfahrten in Baden-Baden droht wegen Corona das Aus

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Vor allem zahlungskräftige Araber und Russen nutzten in der Vergangenheit das Angebot. Doch mit der Corona-Krise sind Sabrina Möller die Einnahmen für den Betrieb ihrer Pferdekutschen weggebrochen. Jetzt droht das Aus. Möller hofft, das noch abwenden zu können.

Die Pferdekutschen – sie gehören zu Baden-Baden wie das Kurhaus. Doch dem Betrieb, der die Kutschfahrten anbietet, steht wegen der Corona-Krise und den ausgebliebenen und noch ausbleibenden Touristen derzeit das Wasser bis zum Hals.

„Wenn wir keine Lösung findet, droht schon bald das Aus“, erklärt Sabrina Möller. Noch hofft sie aber, ein solches Schicksal abwenden zu können. Der 15. März ist ihr noch gut in Erinnerung: „Da hatten wir unsere letzte Fahrt“.

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Keine Einnahmen, aber laufende Kosten

Dann folgte die Zwangspause für sie, ihre Mitarbeiter sowie die drei Kutschen und für die neun Schlesier, Warmblutpferde aus Polen. Seit dem 18. Mai darf das Unternehmen seine Kutschfahrten zwar wieder anbieten.

Wir wollen es ja auch tiergerecht machen.

Sabrina Möller

Doch die Resonanz ist längst nicht so wie in der Vergangenheit gewohnt. Über Pfingsten war nur eine Kutsche am Start. „Normal sind es drei“, berichtet Möller von besseren Zeiten. Die Einnahmen sind weggebrochen, doch die Ausgaben sind geblieben. „Wir wollen es ja auch tiergerecht machen“, betont Möller.

So haben sie viele Gäste in Erinnerung: Sabrina Möller hält bei einer Kutschfahrt durch die Lichtentaler Allee die Zügel fest in der Hand.
So haben sie viele Gäste in Erinnerung: Sabrina Möller hält bei einer Kutschfahrt durch die Lichtentaler Allee die Zügel fest in der Hand. | Foto: Jehle

Neue Kredite kommen nicht in Frage

Zwar verweist sie auf die Unterstützung der Stadt, auf Stundungen und auf Soforthilfe, doch das reiche nicht. Weitere Kreditaufnahmen kommen für die Unternehmerin, die den Betrieb vor fünf Jahren von ihrem Vorgänger übernommen hat, allerdings nicht in die Frage.

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In der Vergangenheit habe sie schon kräftig investieren müssen und zurückzuzahlen seien die Darlehen ja auch.

Bis vor der Krise fand sich der Betrieb gut aufgestellt

Dabei fand Sabrina Möller ihren Betrieb bis zur Corona-Krise durchaus gut aufgestellt. Auch die Pferde hätten prima gepasst „Das meiste war gut auf der Reihe“, berichtet Möller.

Die in den vergangenen Wochen entgangenen Einnahmen seien aber nicht zu kompensieren, zumal zahlungskräftiges Klientel aus Arabern und Russen in den Sommermonaten nicht oder kaum an der Oos zu erwarten sei.

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Vor allem Araber und Russen nutzten das Angebot

Zwar rechne sie mit mehr Kundschaft aus dem Inland, doch die werde das nicht ausgleichen können.
„Ich versuche, in alle mögliche Richtungen zu denken“, kämpft Möller gegen das drohende Aus des traditionsreichen Angebots.

Denkbar sei es, die Tage für Kutschfahrten in der Woche zu reduzieren. Ein Verkauf von Pferden ist eine weitere Variante, doch die werde man nicht so einfach los wie ein Auto. Zudem bestehe eine enge Bindung zu den Tieren. „Die sind wie Familienmitglieder.“ Nur noch sechs statt neun Pferde, das wäre – verständlicherweise – alles andere als eine leichte Entscheidung.