Mit neuen Formaten und neuen Köpfen strebt der Südwestrundfunk in die Zukunft. | Foto: dpa

Kooperation mit Youtube-Star

Der SWR setzt für die Zukunft auf Leeroy und ein Labor

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Mit neuen Formaten und neuen Köpfen möchte Intendant Kai Gniffke den SWR in die Zukunft bringen. Der 59-Jährige spricht über das Sparen, das Innovations-Labor in Baden-Baden und die Zusammenarbeit mit einem Youtube-Star.

Noch sind die Gesichter der neuen Führungsriege des SWR der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. So war es ein vorerst ungewohntes Bild, als Intendant Kai Gniffke mit den neuen Programmdirektoren Clemens Bratzler und Anke Mai die Ziele für das Jahr vorstellte. Doch auch die Töne sind neu, waren so im Stuttgarter Funkhaus vorher nicht zu hören. Da gehen Dinger „richtig steil“, sollen Formate „fluffig“ sein. Der SWR möchte sich mit seinem Intendanten neu erfinden.

„Kein neues Sparprogramm auflegen“

Seit dem Amtsantritt des 59-Jährigen im Herbst hat die zweitgrößte Landesrundfunk-Anstalt vor allem darüber nachgedacht, wo sie steht und wo sie hin möchte. „Wir werden kein neues Sparprogramm auflegen, aber wir müssen Kräfte bündeln“, verkündete Gniffke.

Ein Schritt dahin war bereits vorab bekannt geworden: Am Standort Baden-Baden sollen die Hörfunk-Nachrichten künftig zentral produziert werden. Von den beiden anderen Standorten Mainz und Stuttgart soll es nur noch Zulieferungen geben. „Wir müssen das machen“, betonte Gniffke, und kündigte weitere Bündelungen an. „Mit den Nachrichten fangen wir an.“

Standort-Frage bleibt ein Thema

Im Gegenzug gibt Baden-Baden die Arbeit an der App nach Mainz und Stuttgart. Auch 20 Jahre nach der Fusion zum SWR ist es Mitarbeitern, Rundfunkräten und Politik wichtig, dass
die Standorte möglichst gleichmäßig bedient werden. „Wir gehen aber nicht mit dem Rechenschieber hin“, sagte Gniffke. Das Problem kennt er vom NDR: Dort hatte Gniffke gar mit vier und nicht mit zwei Bundesländern zu tun.

Stellten das Programm für 2020 vor: Landessender-Direktorin Stefanie Schneider (v.l.), Intendant Kai Gniffke, Alev Seker (Moderatorin) und die Programmdirektoren Clemens Bratzler und Anke Mai. | Foto: dpa

Beim SWR angekommen, hatte er angesichts Budget und Zielgruppen in seiner Rede vor Rundfunkräten betont: „Es gibt genügend Gründe, alarmiert zu sein. Der SWR muss sich verändern.“
Maßgeblich dazu beitragen soll auch ein in Baden-Baden neu zu schaffendes Innovationslabor.

Im Sommer soll Innovationslabor starten

20 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen des SWR tüfteln seit dieser Woche an dem, was Gniffke „Hexenküche“ nennt. Aus den Zutaten sollen neue Formate entstehen, die es mit bekannten Streamingdiensten wie Netflix aufnehmen können. „Der Prozess in Baden-Baden steht genau für das, was wir tun müssen.“

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Als einziger der Intendanten bloggt Gniffke. In seinem Blog erklärt er die Idee hinter dem Labor: „Innovation geht nicht ohne Scheitern.“ Wenn es nur eine von zehn Ideen schaffe, sei das „absolut okay“. Der Start, so Gniffke dann persönlich im Stuttgarter Funkhaus, sei für Sommer geplant. „Dann geht’s los.“ Bis dahin arbeiten die 20 Teilnehmer aus, wie „coole Ideen“ im Labor landen.

Neue SWR-Reihe für einen Star-Youtuber

Eine coole Idee hat der Sender schon vorab: Der SWR kooperiert mit dem Youtuber Leeroy Matata. Der 23-Jährige hat mit seinem Kanal über eine halbe Million Abonnenten, bei seinen besten Videos über eine Million Aufrufe. Für den SWR soll er die Verbindung zu den jungen Menschen sein.

SWR-Intendant Kai Gniffke setzt auf neue Formate und neue Köpfe bei der zweitgrößten ARD-Rundfunkanstalt. | Foto: dpa

Für die Reihe „Der Moment“ wird Matata eine halbe Stunde lang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft sprechen.

Neues Format, neue Köpfe: Der Youtuber Leeroy Matata interviewt in der Reihe „Der Moment“ für den SWR Menschen verschiedener Herkunft. | Foto: dpa

Landessender-Direktorin Stefanie Schneider erklärte zur Kooperation: „Leeroy ist schon sehr erfolgreich bei jungen Menschen – und er hat richtig viel Lust auf regionale Themen.“

Ein Oscar wäre ganz nach dem Geschmack

Die sollen auch bei anderen Formaten im Fokus stehen. Der SWR wagt sich mit „How to make Swabia great again oder Spätzle arrabiata“ an eine erst einmal sechsteilige Serie, eine Mischung aus Humor und Kriminalität.

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Sie soll nach Willen der SWR-Führung in die Regionen des Stuttgarter Tatorts vorstoßen. Dieser wurde zum dritten Mal in Folge für einen Grimme-Preis nominiert. Derweil ist „Eine Klinik im Untergrund“, eine Co-Produktion des SWR, sogar für den Oscar nominiert. Entscheidung an diesem Sonntag. Sie hoffen in Stuttgart auf den internationalen Coup – er wäre ganz nach dem Geschmack des neuen Führungsteams.