UND WIE DAS DAMPFT: Ungebrochen ist der Trend, dass auch Winzer und Winzergenossenschaften das aromatische Getränk anbieten. Inzwischen haben auch alle großen Discounter und viele Online-Weinhändler Winzerglühweine im Angebot. | Foto: dpa

Glühwein-Hochsaison

Die Deutschen lassen es wieder glühen

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Jetzt sind sie wieder ganz heiß aufs Heißgetränk: Deutschland ist die Glühwein-Nation – weltweit. Rund 65 Millionen Liter Glühwein werden pro Jahr über den Handel verkauft, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (Bodenheim). „Hinzu kommt noch der Glühwein, der auf den rund 2 500 Weihnachtsmärkten in Deutschland konsumiert wird.“

Etliche regionale Winzergenossenschaften haben erkannt, dass ihre Stammkunden oft auch glühende Anhänger des weinhaltigen Wintergetränks sind. Branchen-Größen wie Gerstacker in Nürnberg sind ohnehin seit Jahrzehnten gut im Glühwein-Geschäft. Dort kommt noch der Export hinzu, der laut Geschäftsführerin Stefanie Gerstacker mittlerweile 30 Prozent Anteil am Umsatz hat. Neben europäischen Ländern gibt es vor allem in den USA und in Asien glühende Anhänger des aromatischen Getränks.

Glühwein auch aus der Bügelflasche

Doch auch Klassiker müssen ab und zu aufgepeppt werden: „Glühweine in der Bügelflasche liegen momentan im Trend“, heißt es bei Gerstacker. Und der „Glüh-Elch-Glühwein“ in der Bordeaux-Flasche soll vor allem eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Außerdem hat der Getränke-Riese, der 50 Prozent seines Umsatzes mit Wintergetränken macht, sein Bio-Angebot ausgebaut.

„Ökologisch arbeitende Winzer haben den Glühweintrend ebenfalls erkannt und bieten Glühweine in Bio-Qualität an“, sagt Weininstitut-Pressesprecher Büscher. Generell offerieren Winzer und Winzergenossenschaften laut Büscher zunehmend regionalen Glühwein. Der ermögliche ihnen neue Absatzchancen. Der Handel zieht offenbar mit. „Inzwischen haben auch schon alle großen Discounter und viele Online-Weinhändler Winzerglühweine im Angebot.“

Der Begriff „Winzerglühwein“ ist geschützt

Den Begriff „Winzerglühwein“ darf übrigens nur verwendet werden, wenn ein Erzeuger seinen Glühwein aus eigenen Weinen selbst zubereitet. „Wird er als ,Deutscher Glühwein’ bezeichnet, stammt er immer zu 100 Prozent aus heimischen Grundweinen“, erklärt der Experte. Für regionale Qualität sei der Verbraucher bereit, mehr zu bezahlen.

Aus der Pfalz sind dem Deutschen Weininstitut 21 Winzer und Winzergenossenschaften bekannt, die Glühwein anbieten, und aus Baden zehn – vor zwei Jahren waren es dort nur vier.

Gengenbach-Offenburg unter den Vorreitern

Ziemlich lange schon, seit über 15 Jahren, lässt es die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg eG zur Winterzeit glühen. Anlass war der Adventsmarkt in Gengenbach, erinnert Geschäftsführer Christian Gehring. Man habe gewollt, dass dort an den Ständen regionaler Glühwein ausgeschenkt wird. Die Qualität kommt an. „Wir verarbeiten ausschließlich eigene Ware und verschneiden keine Restposten“, betont Gehring. Vertrieben wird der „Adventskalender Glühwein“ auf Weihnachtsmärkten und im Lebensmitteleinzelhandel. Seit dem vergangenen Jahr bieten die Gengenbacher auch einen weißen Glühwein an, der aber mit zehn Prozent Umsatzanteil noch ein Nischendasein fristet. Doch der Trend zum heißen Weißen ist da. Weininstitut-Sprecher Büscher: „In den vergangenen Jahren sind weiße Glühweine stärker im Kommen.“

Glühender Anhänger des Glühweins ist auch die Baden-Badener Winzergenossenschaft. „Wir sind mit Absatz und Umsatz sehr zufrieden“, sagt der Geschäftsführende Vorstand Thomas Goth. Der Verbraucher wolle „wertige Glühweine“ haben. „Es ist ein Markt dafür da.“ Die Winzergenossenschaft bietet ihr Heißgetränk in ihrer Vinothek und auf dem Baden-Badener Christkindelsmarkt an.

„Hexenglut“ heißt ein weiterer regionaler Glühwein – passend zum Winzerkeller Hex vom Dasenstein. Ursprünglich braute man diesen nach eigenem Rezept „aus bestem Spätburgunder Rotwein“ für einen einzelnen Kunden. „Der Glühwein wurde durch diesen Kunden jedoch so bekannt und beliebt in unserer Gegend, dass wir nun seit zwei Jahren auch offiziell unseren Glühwein ,Hexenglut’ im Programm haben“, sagt Marco Köninger. Auch er ist zufrieden mit der Rentabilität des Heißgetränks.

Glühwein-Stände sind begehrt

So wie es auch fast alle Glühwein-Wirte auf den Weihnachtsmärkten sind. Sie bringen nicht nur bei klirrender Kälte den dampfenden Glühwein an Frau und Mann. Es gilt als sicher, dass sie deutlich mehr Umsatz schreiben, als die anderen Verkäufer auf den Christkindlesmärkten – auch wenn sich die Glühwein-Fraktion ein Schweigegelübde auferlegt hat. Allerdings müssen sie im Regelfall mehr Standmiete bezahlen. Sei’s drum: Wenn es die Kundschaft glühend mag, sind auch die Marktbeschicker ganz heiß auf die limitierten Standplätze für Heißgetränke. Das Angebot der Städte ist immer kleiner als die Nachfrage.