Ein sagenhafter Ausblick vom Merkur auf Baden-Baden lockt auch an heißen Tagen viele Besucher auf die Kuppe. Die Bergbahn, die direkt von hier startet, ist an diesem Tag gut gefüllt. | Foto: Stefanie Ender

Stefanies Streifzüge

Schweißtreibender Gipfelsturm zwischen Gernsbach und Baden-Baden

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Die gebürtige Oberlausitzerin Stefanie Ender kennt Göttingen, Dresden und Mailand. Dort hat sie studiert. Sie kennt Hamburg, wo sie zuletzt gearbeitet hat. Seit 1. August ist die junge Frau nun Volontärin der BNN. Damit sie auch Baden kennenlernt, haben wir sie auf eine Sommertour geschickt. Vom Kloster Waghäusel zum Karlsruher Grat. Sechste Etappe: Von Gernsbach nach Baden-Baden.

Etwa 500 Höhenmeter trennen den kleinen Murgtalort Gernsbach vom mondänen Kurort Baden-Baden. Die Rede ist von Merkur, dem Berg, der nach einem Relief des römischen Gottes Mercurius benannt ist und heute vielen Kurortgästen aus Baden-Baden als Sonnenterrasse dient. Mit geschnürten Wanderschuhen möchte ich genau diesen Gipfel erklimmen.

So starte ich an einem sehr sonnigen Tag in Gernsbach meine bisher sportlichste Tour. Hier an der Murg weht ein angenehmes Lüftchen. Ein kleines Mädchen bleibt vor mir stehen, fragt mich, warum ich hier filme und in ein Mikrofon spreche. Sie bietet mir ihr Eis an. „Verlockend“, denke ich schmunzelnd, mache mich aber ohne Gefrorenes auf den Weg zum Merkur.

In meinem Rucksack befindet sich ein Liter Wasser, zwei Pfirsiche und ein Pausenbrot. Auf einem asphaltierten Weg laufe ich durch Staufenberg bis zum Fuß des Berges. Üppig gestalten sich die Möglichkeiten, aus denen Wanderer hier wählen können. Wolfsschlucht, Weiser Stein oder Ebersteinburg, heißen einige der Pfade, die nach Baden-Baden führen. Ich entscheide mich für den Zick-Zack-Weg.

Steil steigt hier die Strecke an. Sofort laufen auch die Schweißperlen. Kein Wunder bei 30 Grad Celsius im Schatten. Nach gut einer halben Stunde sind die Wasserreserven aufgebraucht und ich fühle meine Zunge am Boden hängen. „Hier ist niemand so verrückt wie ich und wandert in der Hitze“, denke ich noch niedergeschlagen, als ein polnisches Paar auftaucht.

Stefanies Streifzüge
Viele Wege führen nach Baden-Baden. Wanderer haben aus Richtung Gernsbach die Qual der Wahl. Foto: Stefanie Ender | Foto: Stefanie Ender

„Angenehmes Wanderwetter heute, oder?“, grüßt mich die sehr trainierte junge Frau, deren Mann nicht einmal zu schwitzen scheint. Energiegeladen spazieren beide an mir vorbei. Vom Eifer dieser Wanderer angespornt, schleppe ich mich weiter durch die schattige Steigung mitten durch den Wald. Weitere Wandersleute sind hier an diesem Tag nicht unterwegs.

Nach etwa zwei Stunden ist der Gipfel in Sicht. Erleichtert lasse ich mich im Merkurstübel, dem Bergrestaurant nieder und bestelle ein kaltes Wasser. Im Schatten sitzend, kehren die Körpergeister langsam zurück.

Alle Tische der Bergschänke sind belegt. Ständig spuckt die Bergbahn, deren Station direkt neben dem Restaurant liegt, neue Besucher aus. Wie viele der Gäste wohl zum Wandern hierher gekommen sind? Viele Frauen tragen Riemchensandalen. Die sind wohl eher ungeeignet für einen Abstieg über Wurzeln und Steine, überlege ich und frage die französisch sprechende Frau am Nachbartisch, warum sie hier ist. „Bain de soleil“, zu deutsch: Sonnenbad, antwortet sie lächelnd.

Stefanies Streifzüge
Die Aussicht auf die umliegenden Täler ist schon während des Merkuraufstiegs atemberaubend. Foto: Stefanie Ender | Foto: Stefanie Ender

Tatsächlich liegen viele Besucher auf einer der Holzliegen, die hier auf der Bergkuppe zum Bräunen einladen. Ich fühle mich wie in einem Paradies mit sagenhaftem Ausblick auf das im Tal gelegene Baden-Baden. Nach einer großen Portion Spätzle lasse ich mich von der Bergbahn, die seit über 100 Jahren die Fußmüden transportiert, ins Tal fahren.

Von den Strapazen einer Wanderung gezeichnet, flaniere ich durch den mondänen Kurort. Elegant gekleidete Menschen bummeln hier entlang schicker Schaufenster mit exquisitem Inhalt. In verschwitzten Sportklamotten komme ich mir hier fehl am Platz vor. Im Bus nach Hause beschließe ich: „Ich komme wieder. Nächstes Mal frisch geduscht.“