Hoch oben im Kirchturm arbeiten der Glockeninspektor der Erzdiözese, Johannes Wittekind, und der Universitäts-Professor Andreas Rupp.
Hoch oben im Kirchturm arbeiten der Glockeninspektor der Erzdiözese, Johannes Wittekind, und der Universitäts-Professor Andreas Rupp. | Foto: Mahler

Neun Glocken

Die Glocken der Stiftskirche Baden-Baden bleiben ab Januar stumm

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Der Klang einer Kirchenglocke ist einzigartig und nicht reproduzierbar. Zugleich erzählen diese tonnenschweren Kolosse die Geschichte einer Kirche. Im Laufe der Zeit nutzen sie sich aber immer weiter ab, können im schlimmsten Fall sogar kaputt gehen. So weit ist es beim Geläut der Baden-Badener Stiftskirche noch nicht. Trotzdem sollen im Zuge der Renovierungsarbeiten die neun Glocken saniert werden. Hoch oben im Turm messen Experten bereits die Schwingungen.

„Dadurch wollen wir herausfinden, was wir optimieren können. In erster Linie geht es darum, die Bausubstanz zu schonen. Der Turm wird beim Ausschwingen der Glocken extrem belastet und kann dadurch beschädigt werden“, sagt der Glockeninspekteur der Erzdiözese Freiburg, Johannes Wittekind. Weiter will er künftig die Glocken schonen, die durch die Klöppel ständig unter starker Beanspruchung stehen. Unterstützung erhält er durch den Bauamtsrat der Erzdiözese, Bernhard Nicola, die Firma Schneider aus Schonach, sowie den Professor der Universität Kempten, Andreas Rupp. Dieser ist maßgeblich am Projekt „pro Bell“ beteiligt, das den nachhaltigen Schutz von Glocken zur Aufgabe hat. Hierzu forscht Rupp bereits seit 2005. Nun ist die Stiftskirche an der Reihe.

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Wie die Renovierung abläuft

Wittekind schildert den Ablauf der Renovierung: „Die Arbeiten umfassen mehrere Aspekte. Zum einen werden wir die Klöppel und Joche – die Aufhängebalken der Glocken – erneuern. Zum anderen wollen wir den Ausschwung-Winkel reduzieren – und damit die Belastung für die neun Glocken verringern.“ Wenn dadurch noch der Klang optimiert werde, sei der optimale Mittelweg erreicht. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. Zu jeder Turm-Sanierung gehört auch das Geläut dazu. Mit der Renovierung stellen wir die Betriebssicherheit der Glocken in den nächsten 30 bis 50 Jahren sicher“, erläutert der Inspekteur, der auch einen Einblick in deren Geschichte gibt.

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Größte Geläut der Erzdiözese Freiburg

Als Kathedrale für den französischen Militärbischof bekam die Stiftskirche 1948 neue Glocken. Diese wiegen insgesamt 13 Tonnen und gelten als Meisterstücke des Glockengießers Albert Junkers. Im gesamten Gebiet der Erzdiözese Freiburg ist es das größte Geläut Junkers. Für den Bau verwendete er Briloner Sonderbronze, da das Geld in den Nachkriegsjahren knapp war. Das Material stammte von alten U-Booten der Kriegsmarine und wurde von den Stadtwerken für 240.000 Reichsmark beschafft.

„Das Geläut stammt aus einem einzigen Guss und hat einen sehr hohen Wert. Die schwerste Glocke wiegt über vier Tonnen“, meint Wittekind. seine Arbeit zähle zur Turmsanierung, der ersten Bauphase der Kirchen-Renovierung. Die Gesamtkosten dieses Abschnitts belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Euro. Ab Januar werden Gerüste aufgestellt, um unter anderem den Turmhelm zu reparieren oder Putzschäden zu beseitigen. Zeitgleich werden alle neun Glocken abgehängt. Der Bauamtsrat Nicola geht davon aus, dass diese dann für etwa ein Jahr nicht mehr läuten werden. „Wir wollen auch sichergehen, dass die Arbeiter auf den Gerüsten ungestört vorankommen. An Silvester werden die Glocken aber nochmal erklingen“, verdeutlicht er, der auch einen Ausblick auf die zweite Bauphase gibt. Diese startet zeitlich versetzt zur Turmsanierung und kostet fast 5,5 Millionen Euro.

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