Vitaminspritze für Mammutbäume: In Baden-Baden werden die Baumriesen mit einem Spezialverfahren vitalisiert.
Vitaminspritze für Mammutbäume: In Baden-Baden werden die Baumriesen mit einem Spezialverfahren vitalisiert. | Foto: Bernd Kamleitner

Kur für die Riesen

Die Mammutbäume in Baden-Baden leiden unter dem Klimawandel

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Auch ein Baumriese muss mal zum Doktor. Oder besser gesagt: Der Baumdoktor muss zum Baumriesen. Damit aber für den Baumdoktor weniger Einsätze bei den unter dem Klimawandel und der zunehmenden Trockenheit leidenden Mammutbäumen in Baden-Baden anfallen, gibt es für die hölzernen Giganten an der Oos eine besondere Therapie: mit dem Bioturbator. Dahinter verbirgt sich eine Sanierung und Düngung der Baumwurzeln mit dem Ziel, den Baum zu vitalisieren.

Aufmerksamen und naturverbundenen Zeitgenossen dürften die Mitarbeiter der Fachfirma aus dem Schwarzwald bereits aufgefallen sein. Rund um 37 der Mammutbäume am Michaelsberg und weiteren in den Kuranlagen bearbeiten sie den Boden mit einem Gerät, das auf den ersten Blick Assoziationen mit einem Presslufthammer weckt.

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1.000 Liter Wassergemisch pro Baum

Tatsächlich ist es eine speziell entwickelte Lanze, mit der das Baumumfeld mit Düngemitteln und Bodenhilfsstoffen verbessert wird, indem flüssiger und granulierte Dünger sowie Bodenstrukturmaterial eingebracht werden. Pro Baum fließen 1.000 Liter eines Wassergemischs über 20 Einstiche in den Untergrund.

Es enthält hochwertige Huminstoffe in Form einer Kaliumhumatsuspension aus dem Braunkohleabbau und aktive Mikroorganismen, die das biologische Leben im Boden fördern und die Huminstoffe so aufbereiten, dass sie von den Wurzeln aufgenommen werden können.

Zudem werden pro Baum oberirdisch 20 Kilogramm einer mit aktiven Mikroorganismen getränkten Substrat-Kohle verstreut. Das fördert das biologische Bodenleben in den oberen Schichten und zersetzt Humus und Kompostanteile wie Grasschnitt, Laub und Nadeln, erläutert Markus Brunsing vom Fachgebiet Park und Garten der Stadt.

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Die Kosten für das Spezialverfahren von rund 300 Euro pro Baum sind für ihn gut angelegtes Geld: „Wir betreiben in Zeiten des Klimawandels viel Aufwand, um den Baumgiganten eine Zukunft zu geben.“ Das dürfe keine Einmalaktion bleiben. Die Behandlung soll alle zwei bis drei Jahre wiederholt werde.

Park und Garten betreut 136 Mammutbäume in Baden-Baden

Am Michaelsberg stehen 48 der 136 Mammutbäume in Stadtgebiet, die von Brunsing und seinem Team betreut werden. Für sie wurde bereits ein Fließwassernetz installiert. Eine Art Gartenregner versprüht Wasser, das langsam in den Boden eindringt und den Mammutbäumen in trockenen Zeiten Kühlung verschafft. Das reiche aber nicht aus, um das Überleben der Riesen zu sichern.

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Die ältesten der Giganten sind 150 Jahre alt

Die ältesten Exemplare von Sequoiadendron giganteum stehen an der Stourdza-Kapelle. Sie sind rund 150 Jahre alt und Genossen mit einem Umfang von bis zu neun Metern.

Der Berg-Mammutbaum, auch Riesen-Mammutbaum genannt, stammt aus der Sierra Nevada in den USA. An Naturstandorten kann er in gemäßigtem Klima und mit genügend Feuchtigkeit auf Standorten zwischen 1.300 und 2.500 Metern über 1.000 Jahre alt werden.

Wie die Mammutbäume nach Baden-Baden kamen: Die ersten Mammutbäume kamen Mitte des 19. Jahrhunderts nach Württemberg, heißt es in einer Mitteilung des städtischen Fachgebiets Park und Garten. Demnach kaufte die königliche Forstdirektion in Stuttgart im Jahr 1864 auf Befehl von König Wilhelm I. Samen des Mammutbaums aus Kalifornien. Nur ein Lot – das entspricht etwa 16 Gramm – der sehr kleinen, leichten aber teuren Samen sollte der König haben, aber aus Versehen und Ärger des sparsamen Monarchen wurde ein halbes Kilo bestellt.  Der zu viel bestellte Samen wurde im Kalthaus der Stuttgarter Wilhelma ausgesät – und keimte dort vorzüglich. Zwei Jahre später hatten sich an die 8.000 Sämlinge entwickelt, die daraufhin im ganzen Land verteilt wurden. Von dort gelangten auch kleine Mammutbäume ins benachbarte Großherzogtum Baden und nach Baden-Baden.