Oberbürgermeisterin Margret Mergen (links) und die Internetredakteurin der Stadt Baden-Baden, Hanna Matwich, stehen vor einer an eine Wand projizierte Ansicht der Homepage der Bäderstadt mit Online-Diensten und e-Formularen.
Oberbürgermeisterin Margret Mergen (links) und die Internetredakteurin der Stadt Baden-Baden, Hanna Matwich, stehen vor einer an eine Wand projizierte Ansicht der Homepage der Bäderstadt mit Online-Diensten und e-Formularen. | Foto: Bernd Kamleitner

Viele neue Anwendungen

Die neue Herausforderung der Stadt Baden-Baden heißt Digitalisierung

Anzeige

Die Digitalisierung ist auch bei der Stadtverwaltung in Baden-Baden nicht mehr aufzuhalten. Dabei gibt es Projekte mit Pilotcharakter: So arbeitet die Stadtverwaltung etwa im Verbund mit Ettlingen und Bretten an einer zentralen Onlineplattform, die das bestehende ehrenamtliche Engagement abbilden soll.

Funktionen wie eine Ehrenamtsbörse sollen die Plattform ergänzen. Das Ziel ist klar umrissen: Mit der digitalen Lösung soll das bürgerschaftliche Engagement und die Gemeinschaft vor Ort gestärkt werden.

Auch interessant: Post will Paket-Empfang mit Digitalisierung erleichtern

Baden-Baden ist eine Future Community

Weil Kommunen zahlreiche Stellschrauben haben, um die Digitalisierung vor Ort greifbar und erlebbar zu machen, fördert das Land Baden-Württemberg solche Initiativen. Über den Förderwettbewerb „Gemeinden, Städte und Landkreise 4.0 – Future Communities“ fließen 110.000 Euro an das Städte-Trio, um die Plattform zu entwickeln und an den Start zu bringen.

Einzelne Vereine tun sich diesbezüglich dagegen eher schwer, ihren Einsatz nach außen und untereinander zu kommunizieren, auch weil strengere Datenschutzauflagen gelten, betont Matthias Götz vom Fachgebiet Informationstechnik der Stadtverwaltung.

Klein, aber oho: Matthias Götz vom Fachgebiet Informationstechnik der Stadtverwaltung Baden-Baden zeigt einen Ultraschallsensor (links) und empfindliche Messsensoren.
Klein, aber oho: Matthias Götz vom Fachgebiet Informationstechnik der Stadtverwaltung Baden-Baden zeigt einen Ultraschallsensor (links) und empfindliche Messsensoren. | Foto: Bernd Kamleitner

Neueste Technik könnte bald bei der Unterhaltung der 31 Unterflurmüllbehälter im Stadtgebiet zum Einsatz kommen. Sie ragen, wie der Name schon sagt, in den Untergrund, können daher nur dort eingebaut werden, wo keine Leitungen im Boden verlegt sind. Sie zu leeren, bedeutet jedoch Aufwand: Zwei Mann sind erforderlich und Spezialgerät – der Saugwagen, muss vorfahren, um den im Behälter angesammelten Müll aufzunehmen.

Ultraschallsensor für Müllschlucker

Mit einem an der Unterseite des Abfallschluckers angebrachten Ultraschallsensor kann die Füllmenge des 600-Liter-Behälters jederzeit abgerufen werden. Eine Leerung kann genau dann erfolgen, wenn sie erforderlich ist. „Wir werden mal mit einem beginnen“, kündigt Götz den Testlauf an.

Sensoren kontrollieren Infrastruktur

Teile der kommunalen Infrastruktur komfortabel kontrollieren und steuern, das ist eine weitere Anwendung, die die Stadtverwaltung mit den Stadtwerken ausprobiert. Grundlage dafür biete die LoRaWAN-Technologie (Long Range Wide Area Network). Die Technik übermittelt Daten drahtlos mit sehr großer Reichweite bei geringem Energieverbrauch, heißt es.

Mit Batterien bestückte Sensoren an den zu überwachenden Einrichtungen senden die Daten an einen Netzwerkserver im Rechenzentrum. Nach dem Vorbild von Herrenberg will Baden-Baden im Verbund mit Rastatt und Ettlingen ebenfalls Erfahrungen mit dieser Technik sammeln. Feuchtigkeitssensoren können so etwa die Bodentemperatur und dessen Feuchtigkeit messen.

Beregnungsanlage schaltet nach Bedarf ein

Beregnungsanlagen in den städtischen Parks, so die Vision, schalten sich automatisch ein, wenn die Trockenheit einen bestimmten Wert erreicht. Sinkt die Bodentemperatur unter null Grad, wird der Winterdienst alarmiert. Bei einer Umsetzung der angedachten Kooperation mit der Stadt Bühl wäre das eine Option für den Winterdienst von morgen etwa auf der Schwarzwaldhochstraße.

Der „Lora“-Ausbau soll als offenes Netzwerk erfolgen. Das heißt: Bürger können eigene Sensoren anbringen. Auch für Verkehrszählungen wäre künftig der Aufwand geringer: „Die Sensoren können an Ampel- oder Lichtmasten installiert werden und das Verkehrsaufkommen erfassen.“, nennt Götz einen weiteren Vorteil.

Auch interessant: Caracalla-Bad-Betreiber hat Chance für Lizenzvergabe in Fernost

Flusspegel werden schon seit Jahren überwacht

Eine aktuelle Datenübertragung ist dagegen bei der Erfassung von Flusspegelständen über die Hochwasservorhersagezentrale längst Standard. „Jetzt geht alles noch intelligenter“, freut sich Oberbürgermeisterin Margret Mergen über neue Anwendungen.

Online-Dienste ersetzen Gang ins Rathaus

Einige Online-Dienste können schon jetzt den Gang ins Rathaus überflüssig machen, etwa die Vormerkung eines Kita-Platzes. Wer von einem neuen Auto träumt, kann sich zum Beispiel sein Wunschkennzeichen online reservieren lassen – sofern es noch verfügbar ist. Rund 1.000 Kombinationen sind schon reserviert.

Neue Möglichkeiten mit neuem Ausweis

Was viele Inhaber eines neuen Personalausweises nicht wissen: Mit dem Chip auf dem Ausweis kann ganz bequem von daheim aus ein Fahrzeug abgemeldet werden. Das funktioniert bereits seit dem Jahr 2016. Voraussetzung: Es ist nach dem 1. Januar 2015 zugelassen worden.

Bitte rubbeln: Bei der Online-Abmeldung des Wagens muss ein Code freigerubbelt werden.
Bitte rubbeln: Bei der Online-Abmeldung des Wagens muss ein Code freigerubbelt werden. | Foto: Bernd Kamleitner

TÜV-Plakette und Zulassungsbescheinigung sind dann mit einem verdeckten Sicherheitscode versehen, der nach der Sicherheitsauthentifizierung mit dem Perso freigerubbelt werden muss – aber nur, wenn die Abmeldung ansteht, betont Maximilian Lipp vom Fachbereich Ordnung und Sicherheit der Stadtverwaltung.

Auch interessant: Umweltministerin will die Digitalisierung grün machen

Seit wenigen Tagen möglich: Die Online-Zulassung des Autos

Die Online-Zulassung ist bei der Stadtverwaltung erst seit wenigen Tagen möglich. Sofern der Wagen noch TÜV hat, alle Kfz-Steuern bezahlt sind und eine elektronische Versicherungsbestätigung vorliegt, bekommt der Zulassende alle erforderlichen Unterlagen zugeschickt. Er kann sich sein Kennzeichen ebenfalls online besorgen, am Wagen anbringen und losfahren – ohne eine Minute auf der Zulassungsstelle verbringen zu müssen.

Online einen Blick ins Fundbüro werfen

Wer ein Knöllchen bekommen hat, kann die Online-Anhörung nutzen – und sein Bußgeld online zahlen. Wer zudem etwa seinen Schlüssel oder einen anderen Gegenstand verloren hat, kann online nachschauen, ob das Teil inzwischen im Fundbüro abgegeben wurde.