Ein Glanzlicht des Baden-Badener Kulturkalenders: Das jährliche Konzert der Philharmonie in der Gönneranlage.
Ein Glanzlicht des Baden-Badener Kulturkalenders: Das jährliche Konzert der Philharmonie in der Gönneranlage. | Foto: Jörg Bongartz

Pavel Baleff geht

Die Philharmonie Baden-Baden sucht einen neuen Chefdirigenten

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Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bemühte zum Auftakt des Pressetermins ein altes Sprichwort: „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt der anberaumten Journalistenrunde mit der Rathauschefin und dem Chefdirigenten der Philharmonie Baden-Baden, Pavel Baleff, war klar, dass der renommierte Dirigent Baden-Baden verlassen wird.

Auf die Schnelle wird das nicht passieren, aber das Ende des Engagements des 48-Jährigen an der Oos ist besiegelt: Mitte des Jahres 2022 wird der gebürtige Bulgare seinen Vertrag in Baden-Baden auslaufen lassen und eine neue Aufgabe übernehmen. Welche, das lässt er offen. Unterschrieben, sagt er, sei noch nichts.

Dirigent aus Leidenschaft: Pavel Baleff auf der Pressekonferenz in Baden-Baden, in der er seinen Abschied zur Mitte des Jahres 2022 ankündigte.
Dirigent aus Leidenschaft: Pavel Baleff auf der Pressekonferenz in Baden-Baden, in der er seinen Abschied zur Mitte des Jahres 2022 ankündigte. | Foto: Bernd Kamleitner

Eine schöne Zeit hatte Baleff an der Oos auf jeden Fall. „Eine unglaublich schöne Zeit“, betont der Künstler. In seiner Wahlheimat fühlt er sich wohl: „Ich bin ein großes Stück Baden-Badener geworden!“ In den verbleibenden zweieinhalb Jahren hat er mit dem Orchester noch einiges vor.

Ich mache doch nur meine Arbeit

Komplimente und lang anhaltenden Applaus bei Auftritten nimmt er gerne zur Kenntnis, aber er hat dazu seine eigene (bescheidene) Meinung: „Ich mache doch nur meine Arbeit!“. Seit dem Jahr 2007 macht er die mit den inzwischen 38 Musikerinnen und Musikern der Philharmonie mit großer Leidenschaft und genießt in seiner Freizeit gerne mit Freunden ein Gläschen Riesling im Rebland.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen würdigte die Arbeit von Pavel Baleff vor Journalisten in den höchsten Tönen.
Oberbürgermeisterin Margret Mergen würdigte die Arbeit von Pavel Baleff vor Journalisten in den höchsten Tönen. | Foto: Bernd Kamleitner

„Das will ich nicht vermissen“, berichtet der Künstler und betont: „Ich weiß die schönen Seiten von Baden-Baden sehr zu schätzen.“ Er sei immer gerne für das Publikum in der Stadt da und habe „wunderbare Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen.“

Am Ort seines Vorstellungsgesprächs verkündet er den Abschied

An sein Vorstellungsgespräch im Jahr 2006 in Baden-Baden kann er sich ganz genau erinnern: Es war im Saal Moncalieri im Rathaus – demselben Saal, in dem er mit der OB 13 Jahre später an einem tristen Novembertag seinen bevorstehenden Abschied verkündet. Das Wetter um die Mittagszeit hat schon was von ganz großer Symbolik: Der Himmel lässt draußen Regen regelrecht niederprasseln – wie die dicksten Tränen.

Höhere Eingruppierung für Musiker durchgesetzt

Sein größtes anfängliches Ziel hat Baleff auch erreicht: Nein, es sind nicht Gastdirigate in großen Häusern wie in Wien, Zürich, Dresden oder Leipzig oder die Tourneen mit Klassikstars, sondern es geht um die zwei Stufen höhere tarifliche Eingruppierung seiner Orchestermusiker. Die, so sagt Baleff, sei von existenzieller Bedeutung.

Gemeinderat muss noch zustimmen

Zuletzt hatten Sponsoren diese zusätzlichen Kosten übernommen, künftig sollen sie aus dem Etat der Stadt bestritten werden – sofern der Gemeinderat bei der Verabschiedung des Haushalts Mitte Dezember dem zustimmt. Auch das Regierungspräsidium Karlsruhe muss noch das Okay geben.

OB: Philharmonie repräsentiert „Made in Baden-Baden“

Die Oberbürgermeisterin sieht das Geld bei der Philharmonie sehr gut angelegt. Baden-Baden, betont die CDU-Politikern, sei Kulturstadt, und deren wichtigster Botschafter sei nun mal die Philharmonie mit Pavel Baleff. Zwar habe die Bäderstadt viele renommierte Kultureinrichtungen wie das Festspielhaus oder das Museum Frieder Burda, aber „ein Museum kann man nicht nach außen geben“, erklärt Mergen. Wenn die Philharmonie national und international unterwegs sei, repräsentiere sie „Made in Baden-Baden“. Auch in Baden-Baden ist das Wirken von Baleff nicht unbemerkt geblieben.

Zahl der Abonnenten um über 70 Prozent gesteigert

Die Zahl der Abonnenten wurde um über 70 Prozent gesteigert. Zahlreiche Formate wurden entwickelt: Gummibärchenkonzerte für die Kleinen etwa, die Philharmonische Nacht, Benefizkonzerte und vieles mehr. Unter Baleffs Ägide wurden zudem die Einnahmen durch Eigenveranstaltungen, Sponsoring und repräsentative Gastspiele „erheblich gesteigert“, heißt es.

Gastdirigate nach Abschied wurden sind vereinbart

Und selbst nach seinem Abschied wird Baleff Baden-Baden verbunden bleiben: Bis ins Jahr 2027 wurden jeweils fünf jährliche Gastdirigate an der Oos vereinbart, gab Mergen bekannt.