Schwebend in sieben Metern Höhe: Der neue Adlerhorst am Wildnispfad hängt an einer Weißtanne inmitten eines alten Buchendoms. | Foto: Rudolphi

Attraktion bei Baden-Baden

32 Edelstahlschrauben halten den neuen Adlerhorst am Wildnispfad

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32 Schrauben aus Edelstahl, verteilt auf zwei Ebenen, halten den neuen Adlerhorst am Stamm einer Weißtanne. Rund fünf Tonnen wiegt die Plattform aus einer Holzkonstruktion, die in etwa sieben Meter Höhe über der Erde an dem riesigen Baum zu schweben scheint.

Die Konstruktion trägt eine Last bis 21 Tonnen

Die Statik ist so ausgelegt, dass die neue Attraktion am Wildnispfad  bei Baden-Baden im Nationalpark Schwarzwald eine Last von etwa 400 Kilo pro Quadratmeter aushält. „Im Extremfall entspricht das einer Verkehrslast von 21 Tonnen, das ist das Gewicht von zehn Porsche Cayenne“, erläutert Klaus Günter vom Architekturbüro Partner und Partner bei der Eröffnung des Adlerhorsts.


Spektakuläre Konstruktion: Ein Steg aus Holz führt hinauf zur Plattform.
| Foto: Rudolphi

Die Technik ist bislang einzigartig

Gut ein Jahr haben die Bauarbeiten gedauert. Die größte Herausforderung war es, eine statisch stabile Lösung zu finden, um die Kanzel am Stamm der Weißtanne zu befestigen. Martin Zeller von der Technischen Überprüfungsgesellschaft in Eichstetten hat sich nach eingehender Untersuchung für das Verfahren mit den Baumschrauben entschieden. „An einem Solitär-Baum ist das bislang einzigartig“, bekräftigt der Tree Ingeneer. „21 Tonnen sind die höchste Last, die jemals an einem einzigen Baum aufgebracht wurden.“

Zimmerleute fügen „Implantat“ in den Stamm ein

Nach Auskunft des Experten schont die verwendete Technik den Baum am meisten. Zeller vergleicht sie mit minimal-invasiven Eingriffen in der Humanmedizin. Das heißt, die Zimmerleute haben die Edelstahlschrauben mit einem Durchmesser von 20 Millimetern wie ein Implantat in den Baum eingefügt und die Wunde im Stamm desinfiziert und anschließend mit Baumharz verschlossen, um zu verhindern, dass Pilze und Keime eindringen und den Baum schädigen.

Die Tanne umwächst die Schrauben

„Im Lauf der Zeit adaptiert die Tanne die Schrauben wie eigene Äst und umwächst sie“, erläuert Zeller. Er rechnet damit, dass die Konstruktion mindestens 20 Jahre halten wird. Der komplizierte Neubau fordert seinen Preis: Nach Auskunft von Wolfgang Schlund, dem Leiter des Nationalparks kostet er knapp unter 300 000 Euro.

Einzigartige Technik: Tree Ingeneer Martin Zeller erläutert die Befestigung der Kanzel mit Edelstahlschrauben. | Foto: Rudolphi

Die Plattform bietet etwa 20 Sitzplätze

Rechtzeitig zum Start der Sommerferien dürfen Besucher auf dem Wildnispfad jetzt ein neues Nestgefühl erleben: Ein Steg, der mit Schraubfundamenten und nicht mit Beton im Waldboden befestigt ist, führt barrierefrei zu der Plattform, die einen Durchmesser von rund sechs Metern hat. Die Rundbank in der Kanzel bietet etwa 20 Sitzplätze. Zum Gefühl, sich in einem Nest zu befinden, trägt auch das Außendesign bei, dessen Konstruktion mit Holzlatten an einen Adlerhorst erinnert.

Die Besucher sind mit Adlern auf Augenhöhe

„Besucher sind künftig mit Adlern auf Augenhöhe“, betont Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Sie freue sich, dass der Adlerhorst 2.0 den heimischen Wald bereichere. Sie ist überzeugt, dass die Plattform ein weiterer Anziehungspunkt wird. Der Nationalpark möchte dort auch Schulklassen waldpädagogische Programme anbieten.

Den Wipfeln nah: Auf einer Rundbank im Adlerhorst finden 20 Besucher Platz. | Foto: Rudolphi

Der Adlerhorst lässt den Wald neu erleben

„Eine Spur wilder ist eine Spur attraktiver“, meint Klaus Michael Rückert, Landrat in Freudenstadt und Vorsitzender des Nationalparkrats, in Anspielung auf das Nationalpark-Motto. Der Adlerhorst lade dazu ein, den Wald zu erleben und zu erfahren.

Weitere Informationen zum Nationalpark gibt es unter www.schwarzwald-nationalpark.de.