Die Sanierung geht weiter: Die Arbeiten am Neuen Schloss in Baden-Baden sind wieder angelaufen. Vordringlich geht es darum, die Schäden, die während des langen Stillstands entstanden sind, zu beheben und die Substanz des Kultur-Denkmals zu erhalten. | Foto: Kamleitner

Investorin hält an Hotel fest

Die Sanierung des Neuen Schlosses in Baden-Baden läuft wieder an

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Die Sanierungsarbeiten im Neuen Schloss Baden-Baden sind nach Jahren des Stillstands wieder angelaufen. Der Architekt Bernhard Kogel, der wieder zum Berater-Team von Schlossherrin Fawzia Al-Hassawi gehört, koordiniert die einzelnen Schritte. Es geht vordringlich darum, die Bausubstanz des historischen Gebäudes zu erhalten. Das Ziel, den einstigen Sitz der Markgrafen von Baden in ein  Luxus-Hotel umzuwandeln, liegt nach wie vor in weiter Ferne.

Die Lage im Rathaus hat sich deutlich beruhigt, die Stimmung gegenüber Fawzia Al-Hassawi ist nicht mehr so gereizt wie noch Anfang des Jahres. Damals hatte Bürgermeister Alexander Uhlig der Eigentümerin des Neuen Schlosses damit gedroht, die „nächste Eskalationsstufe“ zu zünden, sollte auf dem Schlossberg weiter nichts vorangehen.

Es stand sogar im Raum, den Bebauungsplan für das Areal rund um das Neue Schloss aufzuheben – mit der Konsequenz, dass sich die Pläne für ein Luxus-Hotel dann wohl endgültig erledigt hätten. Diesen Schritt wollte der Gemeinderat allerdings nicht mitgehen. Die Stadträte sprachen sich dafür aus, zunächst noch abzuwarten, weil die Schlossherrin zwischenzeitlich signalisiert hatte, doch an ihrem Projekt für ein Luxus-Hotel festhalten zu wollen.

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Bürgermeister Alexander Uhlig schlägt versöhnlichere Töne an

Mittlerweile ist auch Uhlig bemüht zu deeskalieren und schlägt versöhnlichere Töne an. Das ist vor allem einem Mann zu verdanken: Bernhard Kogel. Der Architekt, der bereits vor einigen Jahren für die Schloss-Investorin gearbeitet hatte und dann aus dem Team ausgeschieden war, ist seit Dezember als Berater wieder an Bord. „Die Kommunikation mit ihm ist hervorragend“, versichert Uhlig. Und um das zu bekräftigen, schiebt er hinterher: „wirklich hervorragend“. Mit dem erfahrenen Architekten seien nicht nur die Gespräche, sondern auch die Arbeiten am Schloss wieder in Gang gekommen.

Das liegt vor allem daran, dass Kogel positive Nachrichten im Gepäck hatte: In der Bauausschuss-Sitzung Mitte Februar übermittelte er eine Botschaft seiner Auftraggeberin: Fawzia Al-Hassawi wolle einen neuen Bauantrag stellen, um das Schloss in ein Luxus-Hotel umzuwandeln. Zum Hintergrund: Der bisherige Antrag ist nach etlichen Jahren erloschen und nicht mehr gültig.

Ein neuer Bauantrag für ein Luxus-Hotel ist noch nicht in Sicht

Ein erneutes Verfahren für eine Baugenehmigung ist vorerst aber nicht in Sicht, zumal sich die Prioritäten verschoben haben. „Mir geht es zunächst vor allem darum, das Schloss als Kultur-Denkmal zu erhalten“, gibt Uhlig die Marschrichtung vor. Was die Erhaltung betrifft, liegt nach wie vor einiges im Argen. Zwar hat die Schlossherrin nach dem Kauf der Immobilie im Jahr 2003 viele Millionen in die Hand genommen, um das marode Dach zu erneuern und die Substanz des historischen Gebäudes, das einst den Markgrafen von Baden gehörte, zu sichern.

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Doch in den zurückliegenden fünf Jahren ist in dem Gemäuer nicht mehr viel passiert. Die ersten Sanierungsschritte haben Kogel zufolge zwar dazu beigetragen, das Schloss vor dem Verfall zu retten. Der zwischenzeitlich lange Leer- und Stillstand habe die Bausubstanz aber weiter geschädigt.

Großer Erdhaufen: Das Material im Schloss-Hof ist der Aushub für einen neu angelegten Verbindungsgang. | Foto: Rudolphi

Das historische Gebäude hat mehr als 400 Räume

„Ziel ist es jetzt, das Gebäude vor weiteren Schäden zu bewahren“, erläutert Uhlig im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Baudezernent hat sich vor einigen Wochen selbst einen Eindruck vom Zustand der Immobilie mit mehr als 400 Räumen in elf Gebäuden und gewaltigen Dimensionen verschafft: Der umbaute Raum hat ein Volumen von rund 95.000 Kubikmetern.

Uhlig zufolge hat die Investorin ihren Willen bekräftigt, die Schäden zu beheben, und Fachfirmen mit den Arbeiten beauftragt – alles in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. „Unter der Leitung von Herrn Kogel läuft das sehr gut. Das ist Seriosität pur“, lobt der Bürgermeister das Engagement des Experten. „Ich hoffe, dass er lange an Bord bleiben wird.“

Ein Wassereintritt hat Feuchtigkeitsschäden hinterlassen

Nach Auskunft des Bürgermeisters war am Hauptgebäude an mehreren Stellen Wasser eingedrungen und hat Feuchtigkeits-Schäden am Mauerwerk hinterlassen. Inzwischen sei alles abgedichtet. Eine baufällige Stützmauer sei inzwischen ebenfalls gesichert. Weiter sei geplant, den großen Erdhaufen im Schloss-Hof abzutragen und abzutransportieren.

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Das Material stammt aus einem Graben für einen Verbindungsgang, den die Bauherrin zwischen zwei Gebäudeteilen anlegen ließ. Als nächstes größeres Vorhaben stehen Arbeiten am Putz der Hauptfassade an. „Über die akuten Dinge sind wir mittlerweile hinaus. Jetzt geht es eher um restauratorische Aufgaben“, betont Uhlig.

Einsturzgefahr: Eine marode Stützmauer benötigt Halt durch eine Holzkonstruktion. | Foto: Rudolphi

Architekt Bernhard Kogel ist der Verbindungsmann zur Investorin

Das konkrete Hotel-Projekt steht nach Angaben des Bürgermeisters nicht auf der aktuellen Agenda. Dafür müsse die Investorin einen neuen Bauantrag stellen. Dann kämen auch die von der Stadt geforderten Auflagen wie etwa ein Finanzplan wieder auf den Tisch. Im Moment gebe es keinen konkreten Zeitplan, wann der Hotel-Plan wieder Fahrt aufnehmen könnte. Uhlig räumt ein, derzeit keinen direkten Kontakt zur Schlossherrin zu haben. „Den brauche ich im jetzigen Stadium auch nicht.“ Für die laufende Sanierung der Bausubstanz reiche der Draht zu Architekt Kogel als Verbindungsmann.