Steinmetz Pilich restauriert die Fassade der Stiftskirche mit einem Sandstrahlgerät.
Vorsicht und Feingefühl geboten: Mit seinem Sandstrahlgerät restauriert Steinmetz Siegfried Pilich die Fassade der Stiftskirche. Das Gerät ist mit feinem Granatsand gefüllt, um die Figuren des historischen Gebäudes nicht zu beschädigen. | Foto: Julian Meier

Steinmetz bietet Einblick

Die Stiftskirche erhellt bald wieder Baden-Baden

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Die Stiftskirche in Baden-Baden wird von Grund auf restauriert. Aufgeteilt in zwei Bauphasen wird der Turm saniert und das Kirchenschiff im Innenraum renoviert. Die Gesamtkosten der Turmsanierung belaufen sich auf 1,4 Millionen Euro. Siegfried Pilich ist der zuständige Steinmetz und gewährt einen Einblick in seine Arbeit an der Fassade des historischen Gebäudes.

Das Gemäuer der Stiftskirche hat im Laufe der Jahre an seiner rosafarbene Strahlkraft verloren. Dicht bewachsenes grünes Moos und bunte Flechten zieren die Fugen des Sandsteins. Steinmetz Siegfried Pilich schaltet gerade seinen Hochdruckreiniger ein. Ein dumpfes Brummen hallt in den Abgrund. Das Gerüst vibriert, macht jedoch einen stabilen Eindruck. In Höhen von bis zu 40 Metern befreit er mit Heißdampf den Sandstein von den groben schwarzen Verkrustungen.

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Spezialisiert auf die Restaurierung historischer Gebäude

Der aus Göppingen stammende Handwerker gibt Einblicke in seinen Beruf und in die Arbeiten an der Stiftskirche. Pilich steht kurz vor der Rente und werkelt seit nunmehr zwei Wochen am Marktplatz. 20 Jahre arbeitet er bereits in dem Beruf und hat sich auf die Restaurierung historischer Gebäude spezialisiert. Er ist Geschäftsführer seines Unternehmens Landwehr-Pilich. Der selbstständige Steinmetz hat bereits an den Sanierungsarbeiten des Schlosses in Karlsruhe mitgewirkt.

Sein Wunschberuf war eigentlich Heilerziehungspfleger

Durch eine Zeitungsannonce ist Pilich auf den von ihm bezeichneten Modeberuf aufmerksam geworden. Vorher war er Finanzbeamter und wollte eigentlich Heilerziehungspfleger werden, berichtet der 60-Jährige und lacht amüsiert.

Damals hatte er eine andere Vorstellung von dem Tätigkeitsfeld eines Steinmetz’, erzählt er. Pilich ging davon aus, Skulpturen und Figuren aus Stein zu meißeln. Im klassischen Sinne umfasst die Arbeit eines Steinmetz’ jedoch Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten, aber auch die Anfertigung von Boden- und Fassadenplatten, Treppen und Grabsteinen.

Steinmetz zu sein, ist ein harter Job.

Siegfried Pilich, Steinmetz

Auch an der Innengestaltung kann ein Steinmetz mitwirken. So werden beispielsweise Arbeitsplatten aus Granit, die oft in modernen Küchen zu finden sind, von Handwerkern wie Pilich angefertigt. Alles in allem bezeichnet er seinen Beruf als einen harten Job.

Das ist verständlich, denn nicht jeder traut sich, in solch schwindelerregenden Höhen wie Pilich zu arbeiten.

Der Steinmetz beweist Fingerspitzengefühl

Nach der Hochdruckreinigung setzt Pilich ein weiteres Gerät an. Vorsichtig reinigt er den Sandstein mit seinem Mikrostrahlgerät und beweist Fingerspitzengefühl.

Um den benachbarten grauen Sockel der Marien-Skulptur nicht zu beschädigen, hat der Steinmetz das Gerät mit Granitsand gefüllt. Die feine Körnung des Sandes soll verhindern, dass die detailreichen Verzierungen der Figuren durch die Reinigung in Mitleidenschaft gezogen werden. Das blaue Netz des Gerüstes fängt den entstehenden Feinstaub ab.

In Sekundenschnelle hat sich eine graue Schicht aus Staub an Pilichs weißer Atemschutzmaske angesammelt.

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Pilichs Sohn ist in seine Fußstapfen getreten

Nach beendeter Arbeit schlängelt sich der Handwerker die schmalen Treppenstufen des Gerüsts hinunter. Unten angekommen, zündet Pilich sich erst einmal eine Zigarette an und erzählt, dass er seinen Sohn ebenfalls für den Beruf des Steinmetz begeistern konnte.

Die Arbeiten an der Stiftskirche sind in zwei Bauphasen aufgeteilt. Die Gesamtkosten der ersten Bauphase belaufen sich auf 1,4 Millionen Euro und sollen nach Angaben der Katholischen Kirchengemeinde Ende 2020 fertiggestellt sein.