Zwei Doppelhäuser in der Baden-Badener Cité erhielten die Hugo-Häring-Auszeichnung. Sie entstanden nach Plänen von khp Architekten. | Foto: Ulrich Coenen

In Baden-Badens Cité

Ein schöner Hauch von Le Corbusier

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Einfamilienhäuser sind nur allzu oft banal. Auf dieses grundsätzliche Problem hat die Stuttgarter Architekturkritikerin Ursula Baus beim Neujahrsempfang des Bundes Deutscher Architekten (BDA) 2011 in Baden-Baden hingewiesen. Die Einfamilienhäuser in den Vorstädten bezeichnete sie als „Wüstenrot-Warzen“. Wenn man dort ein schönes Haus finde, sei das Zufall.

Hugo-Häring-Auszeichnung

Im Baden-Badener Stadtteil Cité sind in den vergangenen Jahren viele Dutzend Einfamilienhäuser in Einzel- und Doppelbauweise entstanden und auch dort ist das Ergebnis aus gestalterischer Sicht nur allzu oft unbefriedigend. Der BDA hat jetzt an ein Doppelhaus-Ensemble im Heinrich-Hübsch-Weg die Hugo-Häring-Auszeichnung, den wichtigsten Architekturpreis in Baden-Württemberg, vergeben. Es wurde von khp Architekten (Urban Knapp, Marcus Haedecke) für die Bauherrengemeinschaft Hubertusstraße geplant.

Kubische Doppelhäuser

Die beiden kubischen Doppelhäuser, die einen Innenhof flankieren, sind in Hanglage entstanden. An der Talseite sind sie dreigeschossig, an der Bergseite zweigeschossig. Die Häuser spielen geschickt mit Elementen der Formensprache des großen schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier. Sie sind in Richtung Tal aufgeständert und besitzen Dachterrassen. Gleichzeitig durchdringen die zentralen Treppenhäuser die beiden Kuben und überragen die Dachlandschaft wie kleine Türme. Sichtbar sind diese Treppenhäuser, die farblich abgesetzt sind, nur im zurückspringenden Sockelgeschoss und in Form der Dachaufbauten, die mit Pultdächern gedeckt sind.

In den Hang eingefügt: An der Gartenseite sind die Doppelhäuser nur zweigeschossig. | Foto: Ulrich Coenen

Lochfassade wird variiert

Spielerisch beschäftigen sich khp Architekten mit dem Thema Lochfasssade. Dies haben sie auch beim fast gleichzeitig entstandenen Hotel Roomers getan, das ebenfalls die Hugo-Häring-Auszeichnung erhalten hat (wir berichteten). Im Fall der Doppelhäuser variieren die Architekten die Lochfassade aber auf eine völlig andere Weise, die der klassischen Formenlehre widerspricht. Die Doppelhäuser gruppieren sich nicht axialsymmetrisch um den Innenhof. Beide Gebäudehälften sind weder gleich groß, noch sind sie analog gegliedert. In die mit Besenstrichputz verputzten Fassaden der beiden oberen Geschosse sind hoch- und querrechteckige Fenster und Eckfenstern eingeschnitten, die nicht axial angeordnet sind und keine Rhythmisierung im üblichen Sinne erkennen lassen.

Plastisch durchgeformt

Die einem kleinen Garten zugewandten Bergseite ist plastisch stärker durchgeformt. Die Obergeschosse kragen über dem weitgehend verglasten Hauptgeschoss vor.

Die Grundrissstruktur der vier Doppelhäuser ist nicht identisch, aber ähnlich. Im Sockelgeschoss, in dem sich der Haupteingang befindet, gibt es  jeweils einen überdachten Stellplatz, einen Außenlagerraum und einen Kellerraum. Das  Gartengeschoss mit Wohnzimmer und Küche, die ineinander fließen, ist die Beletage, in der das Leben der Familie stattfindet. Im Obergeschoss befinden sich die Schlafzimmer.

Lob des Preisgerichts

Das Preisgericht des BDA sieht in dieser Architektur eine Neuinterpretation der Bauaufgabe Doppelhaus. „Durch Einschnitte und Rücksprünge wird auf die Topografie und Hanglage reagiert und eine Beziehung zwischen den Innen- und Außenräumen hergestellt, wobei die klare und einfache Primärstruktur und Kubatur sich beruhigend auf das gesamte heterogene Neubaugebiet auswirkt“, heißt es in der Urteilsbegründung.