Häufig am Limit: Feuerwehr und Rettungsdienst arbeiten meist an der Belastungsgrenze. Bei Einsätzen wird das Klima zunehmend rauer, Angriffe auf Helfer gab es bislang jedoch nicht. | Foto: Margull

Rettungskräfte in Baden-Baden

Feuerwehr und Rotes Kreuz bleiben von Angriffen verschont

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Gewalttätige Attacken und Übergriffe auf Rettungskräfte – was in der Silvesternacht in Berlin und anderen Städten passiert ist, sehen  Feuerwehr und Rotes Kreuz in Baden-Baden mit großer Sorge. Seit dem Jahreswechsel ist dieses Thema in den Schlagzeilen. Bundes-Justizminister Heiko Maas verlangt inzwischen, Angreifer von Rettungskräften härter zu bestrafen.

Mir ist kein Fall bekannt

Bei den Helfern in der Bäderstadt hat das Vorgehen der Randalierer Diskussionen ausgelöst, sie betonen jedoch, dass sie bislang bei Einsätzen auch außerhalb der Silvesternacht von Übergriffen verschont geblieben seien. „Mir ist kein Fall bekannt“, sagt Feuerwehr-Kommandant Martin Buschert auf BNN-Nachfrage. Im „öffentlichen Raum“ habe es bisher keine Attacken auf Feuerwehrleute gegeben.

Das Klima bei Einsätzen wird zunehmend rauer

Allerdings werde das „Klima“ bei Einsätzen mittlerweile häufig etwas rauer. Die Wehrleute müssten hin und wieder einen barschen Ton anschlagen, um Schaulustige aufzufordern, die Rettungsarbeit nicht zu behindern. Auch Pöbeleien seien gelegentlich an der Tagesordnung, vor allem wenn die Feuerwehr zur medizinischen Erstversorgung ausrücke. Da komme es schon mal vor, dass ein Betrunkener randaliere. „Es gibt eben ein bestimmtes Klientel, das schwierig ist“, meint Buschert.

Das Verhalten der Unfallbeteiligten verändert sich

Bernd Ziegler bestätigt diese Erfahrungen. „Handgreiflichkeiten gab es bis jetzt zum Glück nicht“, sagt der Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband Bühl-Achern, der die Rettungswache in Baden-Baden betreibt. Aber das Verhalten etwa von Unfallbeteiligten habe sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert. „Früher waren die Menschen froh, dass Hilfe kam. Heute setzen sie das einfach voraus“, erläutert Ziegler.

Autofahrer bilden häufig keine Rettungsgasse

Vor allem das Benehmen Unbeteiligter lasse immer mehr zu wünschen übrig. Es sei inzwischen beinahe normal, dass Gaffer bei Unfällen fast hemmungslos filmten oder fotografierten. „Wenn wir sie darauf ansprechen, das zu lassen, sagen sie, sie hätten ein Recht dazu“, berichtet der Rettungsdienstleiter. Bei Fahrten zu einer Unfallstelle beobachte er verstärkt, dass immer weniger Autofahrer bereit seien, anzuhalten oder eine Gasse für das Rettungsfahrzeug zu bilden.

Rettungskräfte wünschen sich mehr Wertschätzung

„Zudem hatten wir früher an der Unfallstelle ein anderes Sicherheitsgefühl“, bekräftigt Ziegler. Heute sei das selbst mit einer Polizeistreife nicht immer gewährleistet. Nach Zieglers Ansicht ist es zwar erforderlich, Angreifer von Rettungskräften härter zu bestrafen. Auf lange Sicht sei es jedoch wichtiger, wenn vor allem die Politik die Arbeit der Helfer mehr würdigte. „Wir arbeiten oft unter schlechten Bedingungen und leiden darunter, dass dafür die Wertschätzung fehlt.“

Härtere Strafen stoßen auf Zustimmung

Tino Herrmann, Bereitschaftsleiter beim Kreisverband Baden-Baden des Deutschen Roten Kreuzes, plädiert ebenfalls für ein härteres Vorgehen gegen Randalierer. „Die Leute, die das zu verantworten haben, müssen sich vor Augen führen, dass sie auf unsere Hilfe angewiesen sind“, betont er.

Die Helfer wirken deeskalierend

Bislang hätten die DRK-Helfer, die in der Regel ehrenamtlich bei Festen oder Veranstaltungen wie etwa dem Fastnachtsumzug in Baden-Oos oder dem New Pop Festival im Einsatz seien, keine schlechten Erfahrungen gemacht. Das liege zum einen daran, dass die Kräfte gezielt geschult seien, um bei Konflikten deeskalierend zu wirken. Zum anderen trügen die Veranstalter mit Security-Teams erheblich dazu bei, die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.

Weitere Infos unter www.drk-buehl-achern.de , www.drk-baden-baden.de und feuerwehr-baden-baden.de