Zwischen 500 und 1.000 Blutprodukte verlassen täglich das Lager des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie in Baden-Baden.

Weltblutspendertag

Einzelne Blutbestandteile lassen sich besser lagern

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Was geschieht mit meinem Blut, sobald die Blutspende abgeschlossen ist? Dieser Frage sind die BNN in Baden-Baden nachgegangen: Hier ist das Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie zuhause und hier lagert der Blutspendedienst Baden-Württemberg / Hessen auch alle Blutspenden, die in und um Baden-Baden gespendet werden.

Beim Betreten der Lagerfläche kann einem sprichwörtlich das Blut in den Adern gefrieren: Blutphobiker haben bei einem Besuch des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie wohl keine Freude. Hier lagert der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen alle Blutspenden, die in und um Baden-Baden gesammelt werden. Pro Jahr sind das etwa 115 000 Stück.

Aus den Blutspenden werden unterschiedliche Produkte hergestellt

Michael Müller-Steinhardt ist seit Mai ärztlicher Leiter des Instituts und weiß genau, welchen Weg das Blut nimmt, sobald dem Spender die Nadel wieder aus der Vene entfernt wurde. „Alle Blutspenden werden erst einmal in Oos gesammelt und dann in unsere Schwesterinstitute nach Ulm und Frankfurt am Main gebracht“, erklärt der habilitierte Medizinier. „Dort werden die einzelnen Blutprodukte hergestellt und anschließend in unser Depot nach Lichtental gebracht und dort gelagert. Das alles geschieht in der Regel innerhalb eines Tages.“

Bei der Verteilung gelte das Regionalitätsprinzip: Die DRK-Blutspendedienste versorgen also immer die jeweiligen Gebiete, aus denen sie stammen. Gerade in ländlichen Regionen gebe es eine große Spendenbereitschaft. „Die Menschen dort nehmen das Blutspenden als soziale Aufgabe sehr ernst.“

Risiko für Ansteckung durch Bluttransfusionen ist heute gering

Jede Blutprobe wird nach der Entnahme auf Infektionskrankheiten getestet, unter anderem auf HIV und Hepatitis. „Die Sensitivität der Testverfahren hat sich in den vergangenen 30 Jahren enorm gesteigert. Das Risiko, sich durch eine Bluttransfusion mit HIV anzustecken, liegt mittlerweile bei 1:4 Millionen, für eine Ansteckung mit Hepatitis C sogar bei 1:11 Millionen“, erklärt Müller-Steinhardt. Der letzte bekannte Fall einer HIV-Ansteckung durch Spenderblut war seinen Informationen nach im Jahr 2007 gewesen. Bei regelmäßigen Blutspendern sei ein auffälliger Befund sogar noch unwahrscheinlich, da sie öfter untersucht würden.

Charlotte Schäfer scannt im Lager des Blutspende-Institut in Baden-Baden die einzelnen Blutspenden für das Verwaltungssystem ein.

Einzelne Blutbestandteile zur gezielten Therapie

Doch warum spaltet man das Blut nach der Spende in seine einzelnen Bestandteile auf ? „Bis vor einigen Jahrzehnten hat man hauptsächlich Vollblut verabreicht“, erklärt Müller-Steinhardt, „Aber im klinischen Alltag hat sich gezeigt, dass es besser ist, die einzelnen Komponenten gezielt einzusetzen – je nachdem, welche Erkrankung oder Verletzung der Patient hat.“ Gerade bei Herz- oder Lungenproblemen sei zusätzliches Blutvolumen eine unnötige Belastung. Außerdem lassen sich die einzelnen Bestandteile bei unterschiedlichen Bedingungen getrennt besser lagern.

Ich würde mir mehr Menschen mit einer lebenslangen Blutspenderkarriere wünschen.

Charlotte Schäfer arbeitet seit 1976 beim Blutspendedienst und hat noch eine Zeit erlebt, in der die Blutspenden in Flaschen gelagert wurden statt in Plastikbeuteln. Sie selbst hat mehr als 20 mal Blut gespendet, bevor ihre feinen Venen nicht mehr mitmachen wollten. Damit ist sie eine Blutspenderin, wie Müller-Steinhardt sie sich wünscht. „Natürlich ist irgendwann immer das erste Mal, aber ich würde mir mehr Menschen mit einer lebenslangen Blutspenderkarriere wünschen. Es ist wichtig, regelmäßig spenden zu gehen, denn gerade an Feiertagen oder in den Ferien wird das Blut schon mal knapp.“

Die Versorgung mit ausreichend Blut sei aber zu keinem Zeitpunkt ernstlich gefährdet, dafür seien die Blutspendedienste zu gut vernetzt. Müller-Steinhardt plädiert aber trotzdem für mehr Spendenbereitschaft „Es ist egal, wie oft man im Jahr Blut spenden geht – Hauptsache, man geht regelmäßig.“

Die nächsten DRK-Blutspendetermine finden am Montag, 17. Juni, von 14 bis 19 Uhr im Pflegeheim Weststadt in der Balger Straße 9 und am Dienstag, 18. Juni, von 15 bis 19 Uhr im Lichtentaler Löwensaal in der Hauptstraße 89 statt. Blutspendern wird geraten, sich für den Termin Zeit zu nehmen und am Tag der Blutspende ausreichend zu essen und zu trinken. Jeder Spender wird vor der Blutentnahme ärztlich untersucht. Grundsätzlich nicht zur Blutspende zugelassen gelassen sind Minderjährige, Personen mit einem Körpergewicht unter 50 Kilogramm und Männer, die in den vergangenen zwölf Monaten sexuellen Kontakt mit anderen Männern hatten.

Hintergrund

Bei einer Vollblutspende werden dem Spender 500 Milliliter Blut abgenommen. Aus diesem können verschiedene Blutprodukte hergestellt werden, unter anderem das Erythrozyten-Konzentrat, ein Produkt aus den roten Blutkörperchen. Es wird umgangssprachlich auch als Blutkonserve bezeichnet und ist in der Regel 42 Tage haltbar. Weitere Produkte sind das Frischplasma sowie das aus den Blutplättchen gewonnene Thrombozyten-Konzentrat. Dieses hält sich lediglich fünf Tage, gefrorenes Frischplasma bis zu zwei Jahre. Die Herstellung von Blutprodukten fällt in Deutschland unter das Arzneimittelgesetz und wird engmaschig kontrolliert.

In Baden-Baden werden jährlich 115 000 Vollblutspenden abgegeben. Pro Tag verlassen etwa 500 bis 1 000 Blutprodukte, der Preis variiert je nach Produkt zwischen 60 und 350 Euro. Im europäischen Vergleich sind die Preise für Blut in Deutschland am niedrigsten: Im Gegensatz zu anderen Ländern hat die Bundesrepublik einen vergleichsweise liberalen Blutmarkt, der nicht durch ein staatliches Monopol geregelt ist. Neben staatlich-kommunalen Blutspendediensten wie zum Beispiel dem Städtischen Klinikum in Karlsruhe und den als gemeinnützige GmbH betriebenen DRK-Blutspendediensten gibt es auch private Blutspendedienste, die gewinnorientiert arbeiten.

Der Weltblutspendertag findet jährlich am 14. Juni statt. Er fällt auf den Geburtstag des österreichisch-US-amerikanischen Arztes Karl Landsteiner, der als Erster das AB0-System der Blutgruppen beschrieb. Statistisch gesehen sind die Blutgruppen A und 0 am verbreitetsten. Blut mit dem Rhesusfaktor negativ wird häufiger verwendet, da sich Blut der Blutgruppe 0 Rhesus negativ in einem Notfall universell einsetzen lässt.