Bergauf und bergab: Auch Baden-Badens topografische Tücken bereiten dem E-Scooter wenig Probleme. Die Bergab-Fahrt nötigt dem ein oder anderen Fahrer allerdings eine extra Portion Mut ab.
Bergauf und bergab: Auch Baden-Badens topografische Tücken bereiten dem E-Scooter wenig Probleme. Die Bergab-Fahrt nötigt dem ein oder anderen Fahrer allerdings eine extra Portion Mut ab. | Foto: pr

Auf Probefahrt

Erste E-Scooter werden in Baden-Baden kritisch beäugt

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Hebelchen drücken und schon geht’s los – und das ganz ohne Lärm und Feinstaub: Der Hype um die E-Scooter hat auch deutsche Städte erreicht. Ob der Trend-Roller auch für Baden-Baden taugt, hat Redaktionsmitglied Alina Meier bei einer Probefahrt durch die Straßen der Kurstadt getestet.

Die ersten Meter auf dem elektrischen Gefährt erinnern an die erste Übungsstunde in der Fahrstunde: Es herrscht leichte Überforderung. Der „Booster GT“ ist das neueste Modell der Firma Etwow. Daniela Dunarintu führt den Baden-Badener Shop und erklärt im Schnelldurchlauf die zwei unterschiedlichen Bremsen, das Display mit verschiedenen Anzeigen und natürlich den Hebel zum Gasgeben.

Der rechte Fuß steht fest auf dem Trittbrett, der linke schubst an und hängt dann noch etwas unschlüssig über der Straße. Die Verunsicherung hält noch eine Weile an und zu Beginn wirkt die Testpilotin wohl eher wie ein Känguru auf Rädern. Denn wenn noch der Mumm fehlt, durchgehend Gas zu geben, gibt es bei jedem zaghaften Drücken einen kurzen Geschwindigkeitsschub, danach wird der Roller wieder langsamer.

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Neugierige und irritierte Blicke

Das muss lustig aussehen, zumindest den Reaktionen der Passanten nach zu urteilen. Apropos Reaktionen: An die muss sich der Nutzer eines solchen Gefährts gewöhnen. Es ist spürbar, dass die Baden-Badener dieses Bild noch nicht kennen, die Blicke sind neugierig, belustigt, irritiert und auch mahnend. Insbesondere wenn der Gehweg als Übungsstrecke genutzt wird. Ja, der Roller-Testerin ist natürlich bewusst, dass dort eigentlich nicht gefahren werden darf. Allerdings fühlt man sich, gerade als Anfängerin, nicht unbedingt wohl auf dem Radweg oder auf der Straße zwischen den Autos.

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Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde

Mit der Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde kann die Rollerfahrerin zwar so manchen Radler abhängen. Dennoch kommt sie sich im Straßenverkehr ungeschützt und fehl am Platz vor. Es zieht sie viel eher auf den Gehweg. Dort aber ist sie, zumindest bei voller Fahrt, zu schnell, um den Fußgängern sicher ausweichen können. Mit der Zeit traut sich die Testpilotin den Schalter längere Zeit am Stück zu betätigen, die Fahrt wird gleichmäßiger und ruhiger. Dank der Federung sind Unebenheiten um einiges angenehmer zu überfahren, als von den Kinderrollern in Erinnerung geblieben ist.

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Bremsen mit dem linken Daumen

Schnell wird die Fahranfängerin noch mutiger und traut sich, den Schalter bis zum Anschlag zu drücken. Die Beschleunigung ist nicht von schlechten Eltern. Der linke Fuße sucht aus Gewohnheit immer wieder vergeblich die Bremse über dem Hinterrad, die man von den Kindervarianten der Roller kennt. Stattdessen muss die Testerin sich kontinuierlich erinnern, dass die magnetische Bremse mit dem linken Daumen bedient werden muss.

Die Fahrerin findet Gefallen an dieser angenehmen Art der Fortbewegung. Dank des höhenverstellbaren Lenkers ist die Fahrposition recht bequem. Die Testpilotin wird immer mutiger, beschleunigt mal ein bisschen mehr und wagt sich an Kurven oder sogar vorsichtige Wendemanöver. Zeit für die nächste Schwierigkeitsstufe. Denn Baden-Baden besteht ja bekanntlich nicht nur aus den flachen Wegen Allee, also schnell eine steilere Straße gesucht.

Tipp: Nicht ablenken lassen

Der Roller aber überzeugt auch an der Steigung. Bei Vollgas schafft er mit kurzer Verzögerung auch bergauf noch zehn bis 15 Kilometer pro Stunde. Die darauffolgende Bergab-Fahrt hingegen wird dann zum Test für die Testerin, es verlangt ihren ganzen Mut, nicht die ganze Zeit zu bremsen. Dann sieht sie auch noch einen Bekannten im Auto entgegenkommen und reflexartig löst sich die linke Hand zu einem Winken vom Lenker. Keine gute Idee. Ein kurzes, wildes Rudern, der Roller macht einen kräftigen Schlenker.

Die Empfehlung der „Beinahe-Bruch-Pilotin“: Am Anfang sollte man sich ausschließlich auf sich und den Roller konzentrieren. Den Blick maximal für einen winzigen Moment von der Geschwindigkeitsanzeige auf dem kleinen Display ablenken lassen. Die Fahrt neigt sich dem Ende zu, obwohl der E-Scooter mit seiner Reichweite von etwa 40 Kilometern noch länger durchgehalten hätte.

Mit einem kurzen Klick lässt der Roller sich entweder in die Parkposition klappen oder ganz flachlegen. So kann er im Kofferraum oder auch in Bus und Bahn transportiert werden. Die Testpilotin muss abschließend zugeben, dass sie vor allem vom Fahrgefühl positiv überrascht ist. Allerdings sollten insbesondere Anfänger bedenken, dass es sich bei dem elektrischen Flitzer nicht um ein Spiel-, sondern ein Fahrzeug handelt und dessen Umgang einiger Übung bedarf.

Stichwort: Zukunftsmusik
Die Firma E-twow ist bisher der einzige Anbieter für E-Scooter in Baden-Baden, allerdings nur für den Kauf solcher Roller und noch nicht im Verleih. Ein Sharing-Modell ist noch nicht in Sicht. Auch bei der Stadt Baden-Baden sei über derlei Pläne noch nichts bekannt, teilte die Pressestelle mit. Allerdings sieht man die E-Roller durchaus als zukunftstaugliche Fortbewegungsmittel für die nachhaltige Mobilität in Städten. Jochen Rehm, Zweirad-Händler aus Baden-Baden, ist skeptisch. Er nimmt die elektrischen Roller bewusst nicht in sein Angebot auf, hält er sie doch für deutlich weniger sicher als E-Bikes oder normale Fahrräder. Er sieht in den Rollern erst einmal keine ernst zu nehmende Konkurrenz für Fahrräder. Die mangelnde Einhaltung der Verkehrsregeln sieht die Polizei als kritisch, wenn es um die E-Scooter geht. Es habe in der Vergangenheit bereits Verstöße von E-Roller-Fahrern gegeben, die verbotenerweise – und keineswegs im Schritttempo – durch die Fußgängerzonen in der Innenstadt gekurvt waren, erklärt Rainer Wörner von der Verkehrspolizei.