Notizbuch, Laptop und die Bibel: Das sind Daniel Pechers wichtige Werkzeuge in seiner Arbeit als freiberuflicher Mechatroniker und Ingenieur. Er will nicht nur Wissen in die Unternehmen bringen, sondern auch Werte unterstützen. | Foto: Keller

Digitaler Kopf Daniel Pecher

„Es ist die beste aller Zeiten“

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Eine lichte Schneedecke, Puderzucker gleich, ziert den gepflegten Rasen hinter Daniel Pechers Haus. Im Sommer dürfte es hier im Ooswinkel in Baden-Baden üppig grün sein. „Es ist ein kleines Paradies, gerade für Kinder“, sagt der gebürtige Baden-Badener. Er ist hier aufgewachsen, fühlt sich wohl in der knapp 100 Jahre alten baugenossenschaftlichen Siedlung, wo er heute mit seiner Frau und zwei Kindern lebt. Schon seine Großeltern hatten hier ein Haus. Der studierte Mechatroniker hält viel von dem Gedanken, der hinter der Gründung der Siedlung im Ooswinkel durch Baden-Badener Unternehmer, unter anderem August Batschari, steckte: Wohnraum zu schaffen, der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, nicht alles dem Gewinn unterzuordnen.

Ein Unternehmen braucht Werte

Mit seinem Ingenieurbüro für Ideen, xp17, berät Pecher seit drei Jahren Unternehmen, meistens mittelständische Betriebe, bei denen er die Gelegenheit hat, direkt mit der Unternehmensführung zu reden. „Die Eigentümer eines Mittelständlers denken üblicherweise längerfristig, setzen auf konservative Werte“, so Pecher. Und als Berater setzt er darauf, diese Werte im besten Fall noch zu stärken.
„Mit Unternehmen, die keine Werte besitzen oder diese nicht im Handeln zum Ausdruck kommen, arbeite ich nur ungern zusammen“, bekräftigt er. So will Pecher, der auch Mitglied im Karlsruher Cyberforum ist, neue Ideen in Betriebe bringen, Impulse für Firmen, zu sich selbst zu finden, zwischen technischem und sozialem Umfeld.

Als Schüler sah sich Daniel Pecher als künftiger Erfinder. „Daniel Düsentrieb“ nannten ihn seine Mitschüler. „Ich war immer am Basteln, hatte ständig neue Ideen.“ Nach dem Abitur studierte er zunächst Elektrotechnik an der Karlsruher Universität, mit überraschend viel Theorie: „Im fünften Semester hatte ich immer noch keinen Transistor in der Hand gehalten.“ Er wechselte die Hochschule, zuerst Wiesbaden, und ging danach an die damaligen Fachhochschule Karlsruhe und begann das Studium der Mechatronik.
„Das war dann genau mein Ding“, erinnert sich Pecher. In dieser Zeit fängt er als Berater für die Industrie im SAP-Umfeld an, mit Siemens als erstem Kunden, später arbeitet er gut 18 Monate als „Hiwi“ an der FH, hilft mit beim Aufbau des Internet-Hochschulradios. Im Jahr 2000 kommt Pecher dann zum ersten Mal in Kontakt mit dem Marketing. „Ein Bereich, in dem man einen Ingenieur eher selten sieht.“

„Jobs war sich seiner Identität bewusst“

Pecher hat die Erfahrung gemacht, dass es für Unternehmen noch viel Raum gibt, über das eigene Werte- und Unternehmensbild zu reflektieren. „Was ist die Identität der Firma oder eines Produkts?“ Er sieht als bestes Beispiel den Weltkonzern Apple: Es sei nicht nur ein wegweisendes Produkt verkauft worden, sondern auch ein Lebensgefühl. Dafür bewundert Pecher Apple-Gründer Steve Jobs: „Jobs war sich seiner Identität genau bewusst.“ Entsprechend konnte er sein Unternehmen leiten.
Identität hat auch Pecher gefunden: Der einst überzeugte Atheist ist seit 2009 praktizierender Christ. Der Glaube ist Anker für ihn, genauso wie es Familie und Beruf sind. Die Bibel, sagt er, ist eines seiner wichtigsten Werkzeuge im Job, neben Notizblock und Laptop. Das Exemplar, das gerade vor ihm auf dem Tisch liegt, ist voller Aufzeichnungen und Haftnotizen. „Mein gesamtes Wertefundament beruht auf der Bibel.“

„Wir leben in der besten aller Zeiten“

In seiner Beratungstätigkeit ist der Glaube nicht erstes Thema, aber die Werte und die Berufung von Unternehmen, Firmenführung und Mitarbeitern können für Pecher durchaus wichtig sein. „Eine Frage, die in Dialogen mit Unternehmern regelmäßig auftaucht, ist die, ob sie mit ihrer Tätigkeit die Welt ein Stück weit bereichern.“ Negativbeispiele wie der VW-Skandal erschütterten unternehmerische Glaubhaftigkeit nachhaltig. „Und sie rühren an den Wurzeln eines Unternehmens wie Volkswagen“, so Pecher.
Als Dozent an der Hochschule in Baden-Baden möchte er das Bewusstsein dafür schaffen, ein Mindset dafür, wie auch unternehmerisches Denken dazu beitragen kann, das Leben von Menschen positiv zu beeinflussen. „Es ist die beste aller Zeiten, in der wir gerade leben. Aber sie bringt Veränderungen mit sich, und denen müssen wir uns stellen.“ Und Ideen wie von Unternehmer August Batschari können dazu beitragen.