Klassisch-französischer Chic trifft auf Moderne: Ein bereits fertiggestelltes Musterzimmer zeigt das Design für die 78 Zimmer und Suiten in den historischen Gebäudeteilen des Europäischen Hofs. | Foto: Collet

Hotel wird neu gestaltet

Europäischer Hof huldigt der Stilikone Coco Chanel

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Der Lärm von Hämmern, Bohrern und Sägen erschüttert das Gebäude. Von den Mauern stehen nur noch nackte Backstein-Versatzstücke. Metallpfeiler stützen die historischen Holzdecken, provisorische Treppen führen von Etage zu Etage. Die Durchbrüche lassen schon die neu geschaffenen Fluchten im Gebäude erahnen. Der altehrwürdige Europäische Hof ist kaum wiederzuerkennen, der umfassende Umbau und die Neugestaltung haben das Traditions-Hotel an der Kaiserallee voll im Griff.

Exklusiver Blick ins Musterzimmer

Doch mitten in diesem Bau-Chaos öffnet sich plötzlich und ganz unerwartet eine kleine Oase. Architekt Peter Kruse schließt eine unscheinbare graue Stahltür auf und – kaum zu glauben – dahinter tut sich ein bereits komplett eingerichtetes Hotelzimmer auf. Wirklich komplett: Dieses Musterzimmer, in das die Badischen Neuesten Nachrichten exklusiv einen Blick werfen dürfen, ist so ausgestattet, dass dort sofort ein Hotelgast übernachten könnte. Französisches Fischgräten-Parkett aus Echtholz, das komplette Mobiliar (das Boxspring-Bett ist schon bezogen), Lampen, Tische, Deko-Artikel – alles ist vorhanden. Obwohl im gesamten Haus noch keine Strom- und Wasserleitungen installiert sind, funktioniert die Beleuchtung und die Klimaanlage arbeitet. Das Wasser aus den Hähnen und der Dusche im Bad fließt aus einem eigens installierten Tank. Alles ist bereit – selbst die Minibar ist bestens gefüllt.

Das Team hat die verschiedenen Stile miteinander verflochten und ein anspruchsvolles Ensemble aus Farbe und Form geschaffen.

Martin Buchli, Eigentümer und Investor

Konzept von Berliner Interieur-Designer

„Bei Hotelprojekten ist es üblich, ein Musterzimmer fertigzustellen“, erläutert Kruse. „Damit lassen sich viele Dinge ausprobieren und gegebenenfalls weiter verbessern.“ Ein sechsköpfiges Team um die Berliner Interieur-Designer Tassilo und Christina Bost haben das Konzept für die 78 Zimmer und Suiten in den historischen Gebäudeteilen und für alle öffentlichen Räume entworfen. Sie wollen das Potenzial eines früher feudalen Hotels wieder freigeben und in die Zukunft transformieren. Das Ganze lehnt sich an die Grand-Hotellerie um die Wende zum 20. Jahrhundert bis in die frühen 20er Jahre und den Charme der Stilikone Coco Chanel an. Die Inneneinrichtung ist Tassilo Bost zufolge als komplettes Eigen-Design für den Euro entworfen – vom Möbel bis zur dekorativen Beleuchtung.

Neues im historischen Bestand: Der betonierte Schacht für den Fahrstuhl ist bereits zu erkennen.

Der Grundfarbton in den Zimmern ist Greige, eine Mischung aus kühlem Grau und warmem Beige. Wände und Decken sind mit Stuck-Elementen versehen; Lampen, Tische, Dekoration und Zierleisten in einem Metall-Bronzeton gehalten. Das Bad ist in Schwarz-weiß-Tönen gestaltet, die Dusche ziert ein italienisches Glas-Mosaik. „Das Team hat die verschiedenen Stile miteinander verflochten und ein anspruchsvolles Ensemble aus Farbe und Form geschaffen“, lobt Bauherr Martin Buchli das Design-Konzept.
Außerhalb des Musterzimmers kommt der Hotel-Umbau weiter voran. Im Luisenflügel sind Keller, Erdgeschoss und erstes Stockwerk inzwischen fertig, nachdem die Abdichtung der Baugrube die Arbeiten verzögert hatte.

 

Wiedereröffnung ist für 2020 geplant

„Das Gröbste ist wohl überstanden“, betont Architekt Kruse und verweist darauf, dass in einem nach und nach erweiterten Altbau immer mit Überraschungen zu rechnen sei. Jetzt biete sich zum ersten Mal die Chance, die Gebäudestruktur grundlegend zu bereinigen. In den nächsten Monaten gehe es vor allem darum, das gesamte Objekt mit den verschiedenen Gebäudeteilen auf ein gemeinsames Level zu bringen, um dann den Ausbau der technischen Infrastruktur voranzutreiben. Bis zum Jahresende sollen auf dem Luisenflügel zwei weitere Etagen und das Rooftop entstehen. Das Richtfest für den Neubau ist am 30. Januar geplant, die Wiedereröffnung des neu gestalteten Fünf-Sterne-Hotels an der Oos ist für 2020 angepeilt.