International geachteter Hotel-Manager: Frank Marrenbach pendelt zwischen den Welten. Er ist Chef der Oetker Collection mit ihren neun Luxushotels, darunter das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden.
International geachteter Hotel-Manager: Frank Marrenbach pendelt zwischen den Welten. Er ist Chef der Oetker Collection mit ihren neun Luxushotels, darunter das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden. | Foto: Fabry

Baden-Baden

Frank Marrenbach – ein Philosoph an der Spitze des Brenners Park-Hotels

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Dezente Musik im Salon; ein Teppichboden zum Einsinken; Kellner, die zuvorkommend fragen, ob man eine Scheibe Zitrone zum stillen Wasser mag oder einen anderen Wunsch hat. Die „Gala“ liegt aus und die „New York Times“. Viele Prominente, die in solchen Hochglanzblättern und Zeitungen zu sehen sind, waren schon hier: im legendären Brenners Park-Hotel & Spa.

Frank Marrenbach, seit 2000 Chef des Luxushotels, kennt sie. Er könnte nun munter plaudern, welchen Prominenten er schon seine kräftige Hand gereicht hat. Doch einer wie er prahlt nicht. In dem fast zweieinhalbstündigen Gespräch mit den BNN wird er auch nicht erwähnen, dass er „Hotelier des Jahres“ war, „Gastronom des Jahres“ oder Vize der elitären „The Leading Hotels of the Word“-Vereinigung.

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Nein, der 52-Jährige spricht erst mal darüber, was in dem grünen Energie-Getränk steckt, das er seinem Gast kredenzen ließ. Und er freut sich herrlich, dass dieser die Ingredienzen nicht erkannt hat: neun Teile Apfel, ein Teil Sellerie. Dann schweift Marrenbachs Blick in Richtung Lichtentaler Allee. Er schwärmt, wie sich die Bäume dort im Laufe des Jahres wandeln. In einem Land mit nur zwei Jahreszeiten zu leben, wäre schwierig für Marrenbach. Er liebt Nordic Walking oder die Fahrt mit dem Mountainbike im Schwarzwald oder am nahen Rhein.

Marrenbach schätzt das Kleinstädtische und zugleich Kosmopolitische an Baden-Baden

Er schätzt das Kleinstädtische und zugleich Kosmopolitische an Baden-Baden. Dabei kommt der Mann seit Jahrzehnten viel herum auf den Kontinenten: Luxushotels in London und Paris waren seine Arbeitgeber, in New York studierte er. Die neun Hotels der Oetker Collection, auf deren Management sich Marrenbach ab Januar von Baden-Baden aus konzentriert, reichen bis nach Brasilien und in die Karibik.

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Marrenbach trägt ein kleines, dezentes Lederarmbändchen mit einer goldenen Plakette am Handgelenk. Sie zeigt die Umrisse von St. Barths in der Karibik, wo es ein Oetker-Hotel-Resort gibt. Vor zwei Jahren hat Hurrikan „Irma“ es zerstört. Zehn Tage lang war Funkstille, kein Kontakt zu den Mitarbeitern. Demnächst wird das Luxushotel wieder eröffnet. Für Marrenbach dient das Lederbändchen als Glücksbringer: So eine Katastrophe für die Menschen vor Ort soll sich nicht wiederholen.

Hotellerie ist 24/7

Der Mann ist Hoteldirektor aus Passion. „Hotellerie ist 24/7. Aber das stresst mich nicht.“ Tiefe Falten, wie sie andere mit Anfang 50 haben, sind bei Marrenbach Fehlanzeige. Er spricht viel im Imperfekt, nicht im Perfekt, wie die meisten Deutschen. Dazu wird nicht wild gestikuliert des Gestikulierens willen. Distinguiert ist der London-Liebhaber, akkurat, perfektionistisch.

Der zweifache Familienvater Frank Marrenbach ist ein Fan der Klima-Aktivistin Greta Thunberg: „Sie beeindruckt mich zutiefst. Man sollte auch nicht den Anspruch an eine 16-Jährige haben, zu differenzieren.“
Der zweifache Familienvater Frank Marrenbach ist ein Fan der Klima-Aktivistin Greta Thunberg: „Sie beeindruckt mich zutiefst. Man sollte auch nicht den Anspruch an eine 16-Jährige haben, zu differenzieren.“ | Foto: Fabry

Wenn Menschen Haltung zeigen, findet er das gut. So wie eine Mitarbeiterin mit einer dezenten Kritik an dem Hoteldirektor. Sie ließ ihm ein Papier einrahmen. Auf diesem stand: „Wenn du schnell sein willst, gehe alleine. Wenn du weit gehen willst, gehe gemeinsam.“ Seine Frau Silke sei ebenfalls ein wichtiges Korrektiv. Sie engagiert sich bei der „Tafel“ für bedürftige Menschen, nennt Marrenbach nur ein Beispiel.

„Luxus, die Lust auf das Besondere, dieses Bedürfnis haben wir alle“

Auch so ein Mensch mit Haltung ist für den zweifachen Familienvater Marrenbach die Klima-Aktivistin Greta Thunberg. „Sie beeindruckt mich zutiefst. Man sollte auch nicht den Anspruch an eine 16-Jährige haben, zu differenzieren.“ Die Jugend gebe wichtige Impulse.

Soll heißen: Ressourcen so gut es geht zu schonen, mit Mitarbeitern anständig umgehen, diesen eine Ausbildung bieten, damit sie sich womöglich selbst einmal selbstständig machen können in der Hotellerie. Die Oetker-Hotels haben teils eigene Butler und Köche für die Gäste. So etwas abzuschaffen, wäre für Marrenbach zu radikal. „Luxus, die Lust auf das Besondere, die Freude, sich selbst zu belohnen – dieses Bedürfnis haben wir alle.“

Besonders gut machen wolle er es, wenn sich jemand einen Hotelaufenthalt im Brenners angespart hat – um einmal Luxus zu erleben. Oder bei einmaligen Ereignissen, wie der Hochzeitsfeier oder einem Jubiläum im Hotel.

Nur nicht abheben, jeden schätzen, das sei ihm wichtig. „Man muss Menschen mögen, hat mein Papa mal gesagt.“ Deshalb hält Marrenbach auch viel von einer klassischen Lehre in der Hotellerie, weil man so alles mitbekomme und Menschen wertschätze. „Während wir hier oben essen, arbeitet zugleich ein Spüler“, unterstreicht er.

Das Geerdet-Sein wurde ihm schon als Kind vorgelebt

Das Geerdet-Sein wurde Marrenbach schon als Kind vorgelebt: der Vater Drucker, die Mutter Hausfrau. Fleißig gespart haben die Eltern, um Frank Marrenbach und dessen jüngerem Bruder Reisen anzubieten.

„Eure Zukunft ist Europa“, sagten sie ihren Kindern in einer Zeit, als es noch Grenzkontrollen gab und zig verschiedene Währungen. Der junge Frank Marrenbach hat das aufgesaugt – aber auch gekickt, wie die anderen Jungs im Fußballverein, mit denen er ins berüchtigte Lorret de Mar gefahren ist. „Klar, das war schon interessant“, erinnert er sich mit einem Lächeln.

Marrenbach, der kluge Kopf. Schon als junger Mensch hat er mit den Lehrern philosophiert. „Am Ende ist alles größer als man selbst“, ist eine Marrenbach’sche Maxime. Oder: „Ich kann nicht alles sagen, was ich denke. Aber ich werde nie etwas sagen, was ich nicht denke.“

Der Mann wählt seine Worte mit Bedacht. Superlative sind ihm fremd, was auffällt in Trump’schen Zeiten. „Wegen jeder Nichtigkeit wird einem ja ein Superlativ an den Kopf geworden.“ Da passt es auch, dass Marrenbach nicht auf die Könige, Präsidenten und Konzernchefs dieser Welt, die bereits im Brenners nächtigten, plakativ hinweist.