Zuflucht finden Opfer häuslicher Gewalt im Frauen- und Kinderschutzhaus Baden-Baden und Landkreis Rastatt seit mittlerweile 25 Jahren.
Zuflucht finden Opfer häuslicher Gewalt im Frauen- und Kinderschutzhaus Baden-Baden und Landkreis Rastatt seit mittlerweile 25 Jahren. | Foto: Steffen

Seit 25 Jahren

Frauen- und Kinderschutzhaus ist ein Zufluchtsort in Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt

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25-jähriges Bestehen feiert das Frauen- und Kinderschutzhaus Baden-Baden und Landkreis Rastatt an diesem Freitag. Dabei hatten die Verantwortlichen erst einmal Bedenken, so eine Veranstaltung auszurichten. „Wir haben lange überlegt, ob es ein Grund zum Feiern ist, dass man die Einrichtung braucht“, erklärt Brigitte Schäuble, Vorsitzende des Trägervereins des Frauenhauses.

Der Verein hat sich letztendlich für die Festveranstaltung entschieden. „Man muss auf das Positive schauen“, betont Schäuble. Gut 2000 Frauen habe die Einrichtung in den vergangenen Jahren geholfen, das allein sei ein Grund zum Feiern.

Widerstände zu Beginn

Der Weg zum Frauenhaus war laut Schäuble allerdings nicht einfach. Bereits 1985 wurde der Verein „Frauen helfen Frauen“ mit dem Ziel gegründet, ein Frauenhaus aufzubauen. Bis es das Frauenhaus 1994 aber endlich gab, mussten hilfesuchenden Frauen mit Notlösungen wie etwa einer Unterbringung im Frauenhaus Karlsruhe zurechtkommen. Aus der Politik hat es laut Schäuble Widerstände von Männern gegeben, die der Meinung waren, Gewalt gegen Frauen gebe es hier nicht und ein Frauenhaus sei daher unnötig.

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Frauen- und Kinderschutzhaus ist ausgelastet

Dass es sehr wohl nötig ist, zeigen die Auslastungszahlen. 2018 kamen insgesamt 63 Frauen und 81 Kinder in der Einrichtung mit 20 Plätzen unter. 50 Opfer von häuslicher Gewalt mussten Schäuble zufolge aus Platzgründen sogar abgewiesen werden. „Sie wurden an andere Häuser vermittelt“, erläutert sie. Manchmal werden hilfesuchende Frauen aber ohnehin an Einrichtungen in anderen Städten oder sogar Bundesländern vermittelt.

Die Frauen sollen zur Ruhe kommen.

Nämlich dann, wenn die Gefahr für die Frauen in ihrer Heimatstadt zu groß ist. „Es gibt immer wieder Männer, die ihren Frauen nachstellen“, berichtet Schäuble. Aus diesem Grund ist die Adresse des Frauenhauses geheim. „Die Frauen sollen zur Ruhe kommen“, sagt Schäuble. Das Haus selbst sei dabei kein Hotel, es habe eher den Charme einer Jugendherberge.

Vorsitzende des Trägervereins ist Brigitte Schäuble.
Vorsitzende des Trägervereins ist Brigitte Schäuble. | Foto: Müller

Wie lange die Frauen dort bleiben, ist unterschiedlich. Manche blieben nur über das Wochenende, andere bis zu einem Jahr. Aufgrund der Wohnungsnot sei es schwierig, eine eigene Bleibe für die Bewohnerinnen zu finden.

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Für Nachsorge fehlt das Geld

Zudem fehle dem Haus, das sich über Tagessätze der Sozialämter, Mitgliedsbeiträgen des Vereins und Spenden finanziert, das Geld für eine professionelle Nachsorge. Aktuell helfen Ehrenamtliche den Frauen, nach ihrem Aufenthalt alleine zurechtzukommen. Immer wieder gebe es auch Frauen, die zurück zu ihren gewalttätigen Männern gingen. „Sie wissen dann immerhin, wo sie Hilfe finden und dass sie sich nicht alles gefallen lassen müssen“, sagt Schäuble.

Die Frauen kommen teilweise aus akuten Gewaltsituation und haben keine Unterlagen dabei.

Während ihrem Aufenthalt werden die Frauen von sieben Sozialarbeiterinnen und einer Psychologin betreut. Erzieherinnen kümmern sich um die Kinder der Frauen. Meist sind die Frauen von ihren Männern finanziell abhängig und ohne Arbeit. In diesem Fall übernimmt das Sozialamt die Kosten für den Aufenthalt. Die Beantragung sei dafür aber schwer. „Die Frauen kommen teilweise aus akuten Gewaltsituation und haben keine Unterlagen dabei“, erklärt Schäuble. Die Sozialarbeiterinnen seien daher viel mit Papierkram beschäftigt.

Gewalt in jeder Gesellschaftsschicht

Im Notfall übernehme der Verein die Kosten. Frauen mit Einkommen, die selbst für die Unterbringung aufkommen müssten, kommen hingegen selten ins Frauenhaus. „Die haben ganz andere Netzwerke und gehen eher zu Freunden oder ihrer Familie“, meint Schäuble. Häusliche Gewalt komme jedoch in jeder Gesellschaftsschicht vor.

Die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Frauenhauses mit Ausstellung beginnt am Freitag, 11. Oktober, um 16 Uhr im Landratsamt Rastatt.