Blick in den Hauptbadesaal des Friedrichsbades in Baden-Baden. Die Kuppel ist 17,5 Meter hoch. | Foto: Carasana

BNN-Serie Friedrichsbad 2

Als das Friedrichsbad in Baden-Baden das modernste Kurbad Europas war

Anzeige

Das Friedrichsbad in Baden-Baden war im 19. Jahrhundert das modernste Kurbad Europas. 1869 wurde nach Plänen von Karl Dernfeld der Grundstein gelegt. Die Kurstadt reagierte damit auf das drohende Glücksspielverbot. Mit Wellness statt Zocken wollte sie für die Gäste attraktiv bleiben. Die BNN-Serie beschreibt die spannende Baugeschichte. Dies ist Folge 2.

Hier geht es zu Folge 1

Bereits 1861 machte sich Medizinalrat Carl Frech Gedanken, wie man dem Badeleben in Baden-Baden Impulse geben könnte. In einer Denkschrift stellte er ein Konzept für ein „russisches Dampfbad“ vor, dem er einen Idealplan für eine solche Anlage beifügte. Diese Einrichtung sollte das bereits in Folge 1 erwähnte Dampfbad von Heinrich Hübsch auf dem heutigen Marktplatz, das aus Frechs Sicht völlig unzureichend war, ablösen. Anstelle des Badehauses mit kleinen Kabinetten und Dampfbadkästen für einzelne Besucher fordert Frech ein großes Gesellschaftsbad und macht dafür neben medizinischen Gründen vor allem das Argument der Geselligkeit geltend. In den engen Kabinetten des Baden-Badener Dampfbades fühlen sich die Besucher nach Auffassung des Arztes „unbehaglich“.

Gemeinsames Baden macht mehr Spaß

Er verweist auf das Vorbild anderer Kurorte: „Warum baden denn in unserem namensverwandten Baden bei Wien Männer, Frauen und Kinder dutzendweise in großen gemeinschaftlichen Bassins zusammen, und werden diese gemeinschaftlichen Bäder, selbst von höheren Ständen, den ihnen zu Gebot stehenden Einzelbädern vorgezogen“, schreibt er. „Warum badet man gemeinschaftlich in Wildbad, Leuk, Gastein, Warmbrunn, Teplitz, Ofen, Plombières, Bourbonne les Bains usw. … Einfach darum, weil es mehr Unterhaltung gewährt.“ Deshalb fordert Frech ein großes öffentliches Gesellschaftsbad für alle Klassen, das „Rang und Würde Badens als erstem Kurort Europas entsprechen“ soll. Der beigefügte Idealgrundriss unterscheidet sich von dem des später ausgeführten Friedrichsbades grundsätzlich, wenngleich das Raumprogramm sehr ähnlich ist.

Diesen Idealplan für ein Dampfbad in Baden-Baden präsentierte der Arzt Karl Frech 1861. Zur Ausführung kam er allerdings nicht. | Foto: Ulrich Coenen

Frech erläuterte den Verantwortlichen in Karlsruhe und Baden-Baden seine Pläne am 7. Oktober 1861 in einem mündlichen Vortrag. Gegen das von ihm geforderte Gesellschaftsbad wandte sich die Großherzogliche Badanstalten-Kommission, die unter anderem die „Gefährdung der Schamhaftigkeit“ als Gegenargument anführte. Weil die Vielzahl der Ideen die badische Regierung verwirrte, berief sie am 16. Juli 1862 eine neue Kommission, um die bisher vorgetragenen Argumente zu werten. Dieser gehörte auch Frech an. Die Experten empfahlen, das Dampfbad von Heinrich Hübsch abzureißen und einen großen Neubau mit Gesellschaftsbädern nach den Vorstellungen von Frech zu errichten.

Baudirektor Fischer übernimmt

Diese Überlegungen waren Auslöser für Planungen in der Großherzoglichen Baudirektion in Karlsruhe. Friedrich Theodor Fischer, der 1864 als Nachfolger des gestorbenen Heinrich Hübsch die Leitung der Behörde übernahm, besprach am 24. November 1864 mit einer Expertenrunde, der auch die Ärzte Frech und Füsslin angehörten, sein Konzept für das Dampfbad.

Eine Aktennotiz über die Sitzung blieb im Generallandesarchiv (GLA) Karlsruhe erhalten. Der Neubau des Kurbades in Baden-Baden wurde von der Regierung zur Chefsache erklärt. Fischer sollte bauen. Nach einer Frankreichreise im Jahr 1865, in deren Verlauf er neben neuen Hospitälern und Gefängnissen auch Bäder besichtigte, wurde die Planung überarbeitet.

Plötzlicher Tod verhindert weitere Planung

Die neuen Vorlagen datieren vom 19. Dezember 1865, 16. Mai 1867 und 20. August 1867. Der letzte Entwurf gelangte nach Fischers überraschendem Tod an die Bezirksbauinspektion Baden-Baden. Über dessen Verbleib ist nichts bekannt. Das neue Dampfbad wäre nach Urteil von Fischers Biografen Falko Lehmann in seiner Dissertation der Höhepunkt im Lebenswerk Fischers geworden. Der blieb dem Architekten, der immer im Schatten Weinbrenners und Hübschs stand, verwehrt.

Der Architekt Karl Dernfeld mit seiner Familie | Foto: Stadtarchiv Baden-Baden

Der zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannte Karl Dernfeld erhielt 1868 den Planungsauftrag für das Friedrichsbad. Nach Fischers plötzlichem Tod war der Baden-Badener Bezirksbauinspektor für die Regierung sicherlich eine Verlegenheitslösung. Im Großherzogtum stand kein Architekt zur Verfügung, dem die Leitung der Baudirektion zugetraut wurde, sodass nach den renommierten Behördenchefs Weinbrenner, Hübsch und Fischer nun ein Kollegium gemeinsam die Verantwortung übernahm. Diesem gehörten Karl Joseph Berckmüller, Heinrich Lang und Heinrich Leonhard an.

Junger Provinzarchitekt erhält wichtigen Auftrag

Den wichtigen Auftrag für den Neubau des Bades in Baden-Baden erhielt auf diese Weise ein junger Bezirksbauinspektor, der sich durch seine Zusammenarbeit mit Friedrich Theodor Fischer bei den vorberietenden Arbeiten für den Bau des Friedrichsbades qualifiziert hatte.

Hier geht es zu Folge 1

Hier geht es zu Folge 3