Deplatziert: KSC-Aufkleber auf einem Vorfahrtsschild zwischen Baden-Baden und dem Stadtteil Ebersteinburg.
Deplatziert: KSC-Aufkleber auf einem Vorfahrtsschild zwischen Baden-Baden und dem Stadtteil Ebersteinburg. | Foto: Kamleitner

Verursacher kaum auszumachen

Baden-Baden: Für das Entfernen von KSC-Aufklebern kommt der Steuerzahler auf

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Baden-Baden ist blau-weiß. Damit ist nicht etwa Blumenschmuck in privaten oder öffentlichen Grünanlagen gemeint. Überall im Stadtgebiet verteilt deuten vielmehr Aufkleber und von Sprühern auf unterschiedlichste Flächen hinterlassene Aufschriften auf den Fußballverein Karlsruher SC hin, der derzeit in der Zweiten Bundesliga ums Überleben kämpft.

Das Logo des KSC, im Volksmund die Blau-weißen, ist in der Bäderstadt, die auf eine Auszeichnung als Weltkulturerbe hofft, allerdings an Stellen präsent, an denen solche Werbebotschaften eigentlich nicht vorgesehen sind. Diejenigen, die die blau-weißen Spuren hinterlassen, scheint das nicht im Geringsten zu interessieren. Festzumachen sind sie kaum.

KSC-Sticker auf Vorfahrtsschild

An manchen Stellen im Stadtbild tauchen die KSC-Schriftzüge gehäuft auf. Zum Beispiel oben an der Wolfschlucht. Auf einem Vorfahrtsschild klebt ein KSC-Aufkleber auf dessen gelb leuchtender Mitte. Nicht weit davon entfernt sind Verteilerschränke blau-weiß angemalt und mit der Aufschrift KSC versehen, ebenso Verkehrsschilder.

Unsterblicher KSC: Aufkleber auf einen Abfallbehälter in der Fußgängerzone in Baden-Baden.
Unsterblicher KSC: Aufkleber auf einen Abfallbehälter in der Fußgängerzone in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Auch in der Fußgängerzone der kleinsten Weltstadt Deutschlands finden sich Hinweise auf den Verein aus der Fächerstadt: „Unsterblicher KSC. Du bist alles und bleibst für immer“, heißt es etwa auf einem blau-weißen Aufkleber, der an einem Abfallbehälter klebt.

Eine hohe Vergänglichkeit ist den Verunstaltungen nicht beschieden. Die KSC-Schriftzüge halten sich zumeist hartnäckig – was ganz im Sinne derer sein dürfte, die sie hinterlassen haben. Ein Kavaliersdelikt sind Farbsprühereien und Aufkleber an Stellen, an die sie nicht hingehören, nicht – auch nicht in der Farbkombi blau-weiß.

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Stadtverwaltung: Das ist Sachbeschädigung

„Das ist Sachbeschädigung“, antwortet  auf Anfrage die  städtische Pressestelle. Interessant: An Bushaltestellen wurden diesbezüglich (noch) keine Auffälligkeiten registriert, heißt es aus dem Rathaus.
Farbschmierereien und eine gewisse Flut von Aufklebern gibt es generell immer wieder.

Keine offizielle KSC-Werbung: Ein Verteilerschrank mit blau-weißer Aufschrift.
Keine offizielle KSC-Werbung: Ein Verteilerschrank mit blau-weißer Aufschrift. | Foto: Bernd Kamleitner

Extrem war es zum Beispiel im Vorfeld der Ausweisung des Nationalparks Schwarzwald, der im Januar 2014 an den Start ging. Auch Baden-Baden steuerte für das Schutzgebiet Waldfläche bei.

Ihre Abneigung gegenüber dem Prestigeprojekt der damaligen grün-roten baden-württembergischen Landesregierung brachten Gegner mit Aufklebern zum Ausdruck, die nicht nur in Baden-Baden massenhaft an unterschiedlichsten Stellen hafteten – auch an Autos.

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KSC-Spuren sind nicht zu übersehen

Trotz der nicht zu übersehenden KSC-Spuren im Stadtgebiet sehen die Kommunalverantwortlichen darin keine dramatische Zunahme. Eine flächendeckende Erscheinung sei das nicht. Ein Ärgernis sind sie trotzdem, denn die Beseitigung gibt es nicht zum Nulltarif. „Letztendlich zahlt’s der Steuerzahler“, betont der städtische Pressesprecher Roland Seiter.

Auf Verkehrszeichen sollten Aufkleber möglichst bald wieder verschwinden. Für die Kontrollen und Beseitigung ist der Baubetriebshof der Bäderstadt zuständig. Manchmal ist ein Entfernen nicht möglich, ohne die empfindliche Folie der Verkehrsschilder zu beschädigen. „Diese Schilder sind dann nicht mehr zu gebrauchen.“ Mit anderen Worten: Sie müssen ersetzt werden.

Glimpflich geht es meist dann aus, wenn die Aufkleber frisch aufgebracht wurden. Haften die Sticker aber schon länger und stehen die Schilder dazu unter starker Sonneneinstrahlung, brennt sich der unerwünschte Zusatz regelrecht fest.

Doppelter KSC - auf der Rückseite einer Hinweistafel.
Doppelter KSC – auf der Rückseite einer Hinweistafel. | Foto: Bernd Kamleitner

Graffiti werden immer wieder auf Kabelverteilerschränken oder Transformatorenhäuschen der Stadtwerke registriert. Werden solche Fälle bekannt, wird Anzeige gegen unbekannt erstattet. „Leider kommt da selten was raus“, weiß Seiter.

Also bleibt die Stadt beziehungsweise der Steuerzahler auf den Kosten für das Reinigen oder Überstreichen sitzen. In welcher Größenordnung hierfür jährlich Ausgaben anfallen, ist nicht bekannt.

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Spezialreiniger bringt nicht immer den gewünschten Erfolg

Immerhin kann beim Entfernen von Graffiti inzwischen auf einen Graffiti-Reiniger zurückgegriffen werden, ein Mittel, das die Farbe lösen soll – was aber dem Vernehmen nach nicht immer zur vollsten Zufriedenheit funktioniert.

Rund 1.100 Kabelverteilerschränke stehen im Stadtgebiet

Verteilerschränke und andere Stationen, die von Sprayern verunstaltet werden, gibt es im Stadtgebiet reichlich. Allein die Stadtwerke unterhalten rund 1.100 Kabelverteilerschränke und 250 Netzstationen, berichtet Martin Weßbecher vom kommunalen Energieversorger. Nicht nur die Stadtwerke sind betroffen. Im Stadtkreis gibt es etwa 140 Privatstationen, die, wie der Name leicht ahnen lässt, im Eigentum von Kunden sind.