Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner referierte in Ottersweier | Foto: Merkel

Tagung in Ottersweier

Fußball-Schiedsrichter Lutz Wagner gibt Tipps: „Leg‘ dich nie mit der Gruppe an“

Anzeige

Der Mann hat Spaß bei dem, was er macht. Und er versteht es, diesen Spaß an sein Publikum zu vermitteln. Bereits zum dritten Mal war Lutz Wagner als Referent zu Gast bei den Schiedsrichtern des Fußballbezirks Baden-Baden.

Bei ihrer Halbjahrestagung im Ottersweierer Gemeindehaus St. Johannes erhielten die mittelbadischen Unparteiischen Informationen von einem ausgewiesenen Experten. Wagner, bis 2010 in der Bundesliga unterwegs und dort in 197 Partien gestählter Referee, plauderte aus dem Nähkästchen.

Auch interessant: Schiedsrichter Daniel Schlager vom FC Rastatt 04 spricht über Bundesliga-Erfahrung

Perfekte Vorbereitung

Als grundlegende Voraussetzung für eine gute Spielleitung, bei den Profis wie auch bei den Amateuren, nannte der beim DFB für die Regelauslegung zuständige Hesse eine „perfekte Vorbereitung“ auf die jeweilige Begegnung. Wobei immer auch der „Faktor Mensch“ als unberechenbare Größe zu berücksichtigen sei.

Auch interessant: Gewalt im Fußball – das sagen Schiedsrichter aus Baden

„Im Zweifel nicht pfeifen“

Anhand von Filmausschnitten ging er auf strittige Szenen im nationalen und internationalen Fußballgeschehen ein. „Erahnen, erkennen, bewerten und dann entscheiden, diese Kette muss passen, um zu stimmigen Ergebnissen zu kommen“, sagte er. „Manchmal gibt es aber kein richtig oder falsch“, erklärte Wagners. Sein Tipp an die Kollegen: „Im Zweifel nicht pfeifen.“

Konkrete Verhaltensmaßregeln

Ging es in weiten Teilen des Vortrags um aktuelle Problemstellungen in der Schiedsrichterei wie „Abstützhand, die Unmittelbarkeit eines Handspiels, Körperkontakt im Strafraum oder die Bestrafung bei Regelwidrigkeiten von Trainern“, gab der 56-Jährige den regionalen Schiedsrichtern zudem auch ganz konkrete und im sportlichen Alltag anzuwendende Verhaltensmaßregeln an die Hand.

Mehr zum Thema: Schiedsrichter: „Wir pfeifen aus dem letzten Loch“

„Eines nach dem anderen“, so ein von Wagner propagiertes Prinzip. Im Klartext: „Nie laufen und dabei gleichzeitig gestikulieren und reden, sondern jede dieser Tätigkeiten nacheinander getrennt ausüben.“ Nicht mit der Gruppe anlegen, lautet ein weiterer Grundsatz. „Da hast du als Schiedsrichter schlechte Karten. Greift euch vielmehr einen Spieler heraus und sprecht diesen konkret an“, so die Empfehlung.

Positives Klima

Ein wichtiger Punkt, so Wagner, sei es, ein positives Klima unter den Beteiligten zu schaffen, und zwar bevor es in die Vollen geht. „Beteiligt die Spieler am Geschehen, zieht sie auf eure Seite – das Ganze mit Ruhe und Gelassenheit.“

Auch interessant: Wie der Boykott des SV Mühlacker die Nöte der Schiedsrichter aufzeigt

„Respekt, Respekt und nochmals Respekt“

Schließlich appellierte er an den wertschätzenden Umgang miteinander: „Respekt, Respekt und nochmals Respekt, das ist mit die wichtigste Kampagne im Sport.“ Die Anwesenden honorierten die Ausführungen Wagners mit langanhaltendem Beifall. Bevor sich der Referent verabschiedete, legte er den „Kollegen“ noch einmal sein Motto ans Herz: „Habt Spaß bei dem, was ihr tut.“