Das Race across Italy mit 775 Kilometern und gut 10.000 Höhenmetern hat Tobias Bailer gemeistert. | Foto: pr

Ultraradler Tobias Bailer

Generalprobe hat bestens geklappt

Anzeige

Die Generalprobe für die ganz große Herausforderung im Juni ist geglückt: Ultraradler Tobias Bailer absolvierte ohne Probleme das anspruchsvolle Langdistanzrennen quer durch Italien (Race across Italy) mit 775 Kilometern sowie rund 10 500 Höhenmetern und sieht dem RAAM, dem Race across America, nun mit äußerst positiver Erwartung entgegen.

Körperlich und mental bin ich fit!

„Körperlich und auch mental bin ich fit. Das RAAM kann kommen“, so der 46-jährige Extremsportler, als er im Zuge seiner Trainingsrunde in der Redaktion dieser Zeitung Station machte. Bailer ist freilich Realist. Natürlich seien die neun Tage in den USA samt diverser Unwägbarkeiten wie Klima, Straßenverhältnisse und anderem noch einmal eine andere Hausnummer, sagt er. Doch in Italien war nicht nur er topfit, auch das Zusammenspiel mit und im Begleitteam habe perfekt funktioniert, sodass alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Abschneiden, sprich Zielankunft, beim RAAM gegeben sei.

775 Kilometer in knapp 36 Stunden

Was Bailer besonders freut: Er hatte sich 37 Stunden als Zeitlimit gesetzt und war mit 35:48 Stunden unter dieser Vorgabe geblieben. Damit hat er noch ein Ziel erreicht, die direkte Qualifikation als Einzelfahrer für das RAAM. Das sei für dieses Jahr nicht relevant, aber die Quali gelte bis 2021, und da plant der Wahl-Baden-Badener, das RAAM als Solofahrer zu meistern. Platz sieben war da sozusagen nur noch die Zugabe.

Rundkurs führt durch die Abruzzen

Das Race across Italy startete und endete in Silvi, einer gut 15 000 Einwohner zählenden Gemeinde an der Adria. Von dort führt der Rundkurs quer durch die Abruzzen bis an die Westküste in die Gegend von Minturo in der Region Latium und wieder zurück. „In etwa ist es wie eine Acht“, so Bailer, samt zahlreicher „knackiger Anstiege“ im Gebirge. Wer glaube, lange Auffahrten gebe es nur in den Alpen sei bei diesem Ultra-Rennen eines besseren belehrt worden, berichtet Bailer, der als Solofahrer unterwegs war.

21 Starter kamen nicht ins Ziel

Zum selektiven Kurs, 21 der knapp 80 Starter stiegen aus oder überschritten das Zeitlimit von 48 Stunden, kamen nicht gerade die Temperaturen, die der Laie in Italien um diese Zeit erwartet. Andererseits: Die Abruzzen sind bekanntlich eine Skiregion, in der der Corno Grande in eine stolze Höhe von fast 3 000 Metern aufragt. Kälte und Nässe machten denn auch dem erprobten Extremsportler aus Mittelbaden zu schaffen. „Die größte Pause habe ich vor der ersten Zeitstation gemacht. Dort wechselte ich die Kleidung, weil ich nach starkem Regen extrem durchgefroren war“, so der 46-Jährige. Hätte er das nicht gemacht, hätte er wohl Probleme wegen Auskühlung bekommen.

Nur ein Powernap von fünf Minuten

Ansonsten gab zumindest sportlich nichts, was ein Extremsportler nicht kennt: Nahrungsaufnahme auf dem Fahrrad, fast kein Schlaf. „Bis auf einen Powernap von fünf Minuten“. Mit dem Team, allen voran Ehefrau Stefanie als Chefin und Mentaltrainerin, habe es bestens geklappt. „Ich hatte zwei, drei kleine Tiefs, aber da hat mich Stefanie sofort rausgeholt.“

Navi wollte Radler und Crew mehrfach auf Autobahn lenken

Die üblichen kleinen Unwägbarkeiten seien vernachlässigbar: Zum Beispiel ein Navigationsgerät, das Radfahrer und Begleitfahrzeug hartnäckig zu sich jeder bietenden Gelegenheit auf die Autobahn schicken wollte oder die Tatsache, das dass die Crew im Auto ihren Radler wegen eines Verkehrsstaus in einem Ort doch wahrhaftig mal kurzzeitig verlor. Doch es seien, so betont er, Nebensächlichkeiten. „Ich war sowieso völlig auf das Rad fahren fokussiert.“

Fahrt durch schöne Landschaften

Weil es so gut lief, konnte der Ausdauersportler sogar genießen: Die Landschaft sei wunderschön, berichtet er. Beeindruckend war zum Beispiel der Campo Imperatore, eine Hochebene in den Abruzzen an der Nordseite des Corno Grande. Das Gletscherplateau erstreckt sich auf einer Höhe von 1 500 bis 1 900 Metern und erinnere, so Bailer, ein bisschen an des nepalesische Hochland. Für 2020 plant er bereits wieder die Teilnahme am Race across Italy und will dann idealerweise aufs Podium fahren. Doch damit ist Italien für dieses Jahr denn auch abgehakt.

Fahrer und Team: Der Zweite von rechts ist Tobias Bailer, links daneben Ehefrau Stefanie, Teamchefin und Mentaltrainerin. | Foto: pr

„Jetzt steht nur noch Amerika im Fokus“, sagt Bailer, „ich mache mich allerdings nicht verrückt.“ Eine personelle Änderung habe es im schweizer-deutschen Viererteam gegeben, das sich vom 15. Juni die 5.000 Kilometer und rund 50.000 Höhenmeter umfassende Prüfung in den Staaten unter die Räder nimmt. Der deutsche Mitstreiter aus Bayern und das Team hätten sich inzwischen einvernehmlich getrennt. Dafür rückte der bestens im Training stehende und ebenfalls zur Crew gehörende Fahrradmechaniker Benjamin Müller in die Fahrergruppe auf.

Neuer Fahrer ist 32 Jahre jung

32 Jahre ist er jung, „der drückt unseren Altersschnitt ganz schön nach unten“, schmunzelt Bailer. Müller wird aber dennoch seinen Job als Mechaniker wahrnehmen, „er sitzt ja, wie alle, nicht die ganze Zeit auf dem Rad.“. Zudem gebe es noch ein neues Mitglied im Begleittross. Auch kein Unbekannter – ein pensionierter Lehrer, der schon voriges Jahr in Italien dabei war.

Kraft- und Konditionstraining nun Schwerpunkt

Sein Training in den kommenden Wochen wird der 46-jährige vor allem auf Kraft und Kondition ausrichten. Das heißt, Rad fahren im Schwarzwald und Gewichte pumpen im Studio. „Vielleicht mache ich noch ein oder zwei Nachtfahrten“, sagt Bailer, aber dann könne es wirklich los gehen.