Eine Muschelkette war das OB-Geschenk aus Tahiti | Foto: Meier

Ältestes Stück von 1892

Geschenke aus aller Welt landen im Stadtarchiv Baden-Baden

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Ob bei Nato- oder G-20-Gipfel, beim Medienpreis oder Staatsbesuchen – Baden-Baden durfte schon einige internationale Abordnungen und Persönlichkeiten beherbergen. Meist überreichen die Besucher bei einer solchen Gelegenheit ein typisches Mitbringsel aus ihrer Heimat. Doch was passiert eigentlich mit den Präsenten, die die Vertreter der Stadt erhalten?

„Bei den Gastgeschenken handelt es sich in der Regel um kleine Präsente, kulinarische Grüße, Literatur oder Bilder“, verrät der städtische Pressesprecher Roland Seiter. Die kulinarischen Geschenke würden oft direkt an die Mitarbeiter weitergegeben. Dadurch hätten schon interessante Köstlichkeiten ihren Weg ins Rathaus gefunden, kürzlich etwa getrocknete Jackfrucht, die asiatische Gäste mitgebracht hatten.

Geschenke von Diplomaten gehen ans Stadtarchiv

„Geschenke von politischen Besuchern oder Diplomaten gehen an das Stadtarchiv“, erklärt Seiter. Urkunden und Schriftstücke kämen überwiegend in den dortigen Bestand, bestätigt Stadtarchivarin Dagmar Rumpf, alles andere wandere in die Sammlung des Stadtmuseums. Museumsleiterin Heike Kronenwett hat für die BNN einige der interessantesten Mitbringsel ausgepackt: Alle diese Stücke befinden sich in einem eigenen Bestand unter der Bezeichnung „OB-Geschenke“. Das rühre daher, dass früher alle sammelwerten Gegenstände als Geschenk dem Oberbürgermeister der Stadt vermacht wurden und erst über diesen dann an das Museum weitergegeben wurden, erläutert Kronenwett. Das seien damals oft kunstgeschichtlich und historisch wertvolle Sachen gewesen. Heute handele es sich meist um weniger teure Dinge, die aber auf besondere Ereignisse aufmerksam machten, betont Kronenwett.

Das älteste Stück ist von 1892

Stolz präsentiert sie eines der ältesten OB-Geschenke aus der 1892 begründeten Sammlung: einen vergoldeten Zierschlüssel aus dem amerikanischen Atlantic City. „In den 1920er Jahren startete Baden-Baden eine Werbeoffensive in den USA, um dort Touristen zu werben. Im Zuge dessen besuchten der damalige Bürgermeister Fieser und kurze Zeit später auch Baden-Badens Kurdirektor von Hochwächter die amerikanische Casino-Stadt. Letzterer erhielt dabei im Jahr 1927 den symbolischen Schlüssel zu Atlantic City.“

Heike Kronenwett zeigt ein OB-Geschenk aus der Sammlung des Stadtmuseums | Foto: Meier

Auch Städtepartnerschaften würden immer wieder durch gegenseitige Geschenke bekräftigt, berichtet Kronenwett. Und bei fünf Partnerschaften – mit Karlsbad, Menton, Moncalieri, Jalta und Sotschi – sammelt sich so einiges an. Im Jahr 1986 kam beispielsweise ein Stadtschlüssel aus dem südfranzösischen Menton in die Sammlung. Wann und wem er überreicht wurde, sei allerdings nicht ganz klar, merkt die Museumsleiterin an. Zu vielen Dingen müsse man sich Informationen in mühevoller Arbeit zusammensuchen.

Eine Muschelkette aus Tahiti

Die Menge des Bestand sei nur schwer zu erfassen, unter anderem aufgrund unterschiedlicher Materialgruppen und -Größen. Man müsse immer abwägen, was tatsächlich für eine Überlieferung wichtig sei, denn „Souvenirs aus Massenware bewahren wir eigentlich nicht auf“. Doch manchmal illustrierten auch die vermeintlich weniger wertvollen Mitbringsel Sachverhalte, die für die Stadtgeschichte stünden, betont Kronenwett. 2008 etwa erhielt der damalige OB Wolfgang Gerstner eine Muschelkette von einer Abordnung aus Tahiti beziehungsweise Bora-Bora. „Diese Kette ist bestimmt kein wertvolles Einzelstück“, meint sie. Inzwischen aber sei der berühmte Baden-Badener Tony Marshall Ehrenbürger von Bora-Bora, was der Kette plötzlich eine andere Bedeutung verleihe.

Franzosen schenken Pokale, Russen schenken Gemälde

Daneben befinden sich auch etwas merkwürdig anmutende Stücke im Bestand der „OB-Geschenke“. So hatte Baden-Baden eine Patenschaft für ein U-Boot namens „U Hai“ übernommen. Das Boot sank im Zweiten Weltkrieg und wurde später gehoben. Im Jahr 1966 ging es dann bei einem Sturm in der Nordsee erneut unter. Zur Erinnerung an die Patenschaft erhielt die Bäderstadt eine Gedenktafel mit dem Namensschild der „U Hai“. Solche besonderen Geschenke würden als Erinnerung an wichtige Geschehnisse und den damaligen Zeitgeist in die Sammlung aufgenommen, erklärt Kronenwett weiter.

Lustigerweise habe jede Nation ihre Vorlieben, was die Gastgeschenke betreffe, stellt sie schmunzelnd fest. Die Franzosen brächten gerne Pokale mit und von russischen Abordnungen seien vor allem Gemälde in den Bestand gewandert. „Ihre Sammlung“ wachse stetig weiter, bestätigt die Leiterin des Stadtmuseums. Auch wenn sich Sitten und Gebräuche durch Internet und Digitalisierung in Zukunft veränderten, ist sie sich ganz sicher: „Geschenkt wird immer!“