Blüten im Winter: Gerd Boschert und Simone Reinfried pflegen die Pflanzen wie etwa die blühenden Wandelröschen.
Blüten im Winter: Gerd Boschert und Simone Reinfried pflegen die Pflanzen wie etwa die blühenden Wandelröschen. | Foto: Rudolphi

Gewächshäuser in Baden-Baden

Palmen überwintern in mediterraner Oase

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Wer sehnt sich mitten in Kälte, Eis und Schnee nicht nach etwas mediterranem Feeling? Klaus Schattling, Gerd Boschert und Simone Reinfried dürfen das jeden Tag genießen – auch mitten im Winter. Die Mitarbeiter des Fachgebiets Park und Garten betreuen auf dem Gelände des Betriebshofs die beiden großen Gewächshäuser, in denen kälteempfindliche Pflanzen überwintern und es in eine Mittelmeer-Oase verwandeln.

Von rund vier Meter hohen Palmen, Bananenstauden, Zitrusfrüchten bis hin zu Palmfarnen, Wandelröschen und Strelitzien findet sich dort alles, was die Wärme liebt und draußen die Frostperiode nicht überstehen würde. „Die beiden Häuser sind so etwas wie früher Orangerien bei den Schlössern“, erklärt Fachgebietsleiter Markus Brunsing.

Winterdomizil für Exoten

Seit einigen Jahrzehnten ziehen die Gärtner keine Pflanzen mehr für die Beete und Schalen im Stadtgebiet. Seither dienen die beiden Gewächshäuser als Winter-Domizil für die Exoten. Jedoch nicht für alle: Einige Palmen überstehen die kalten Monate draußen. Sie wachsen am Florentinerberg unterhalb des Neuen Schlosses und gedeihen prächtig, weil die dortigen unterirdischen Thermalquellen wie eine gigantische Fußbodenheizung wirken, die vielen Pflanzen aus südlichen Regionen das Überleben sichert.

Vor einem Frosteinbruch müssen wir rechtzeitig agieren.

Für die übrigen Exoten, die im Sommerhalbjahr an vielen Plätzen Mittelmeer-Stimmung verbreiten, heißt es dann im Spätherbst: ab ins Gewächshaus. „Wir verfolgen ganz genau den Wetterbericht. Vor einem Frosteinbruch müssen wir rechtzeitig agieren“, erläutert Boschert. Das ist eine große logistische Herausforderung, der Rücktransport benötigt mehrere Tage.

Stattliche Exemplare: Die größten Palmen, die im Gewächshaus des Fachgebiets Park und Garten überwintern, sind über vier Meter hoch.
Stattliche Exemplare: Die größten Palmen, die im Gewächshaus des Fachgebiets Park und Garten überwintern, sind über vier Meter hoch. | Foto: Rudolphi

Vielfätige Gewächshäuser

Allein 45 große Palmen in riesigen Kübeln, die jeweils einige Zentner wiegen, und 25 kleinere Exemplare warten darauf, ins Warme zu dürfen. Hinzu kommen jede Menge Oleander, Wandelröschen, Zitrusfrüchte und etwa 20 Bananenstauden. Apropos Banane: Vor einigen Jahren gab es an einer Banane, die vor dem Kurhaus stand, sogar reife, gelbe Früchte. „Die haben gar nicht schlecht geschmeckt“, erinnert Boschert sich.

Nicht zu warm, heller Standort und wenig gießen.

Im Gewächshaus haben die Palmen und Konsorten weitgehend ihre Ruhe. Bei sieben bis acht Grad und viel Licht überstehen sie den Winter in der Regel ganz gut. Ein- bis zweimal die Woche erhalten sie Wasser – und zwar aus einer Zisterne auf dem Betriebsgelände, die das anfallende Regenwasser sammelt.
Neben der Pflege haben die Gärtner immer auch einen Blick auf den Schädlingsbefall ihrer botanischen Lieblinge. „Nicht zu warm, heller Standort und wenig gießen“, hat Expertin Simone Reinfried als Tipp für alle Hobby-Gärtner parat, die beabsichtigen, ihre kälteempfindlichen Pflanzen im eigenen Zuhause zu überwintern.

Winterquartier: Die Fische aus dem Brunnen in der Gönneranlage überstehen die Kälte in Bottichen im Gewächshaus.
Winterquartier: Die Fische aus dem Brunnen in der Gönneranlage überstehen die Kälte in Bottichen im Gewächshaus. | Foto: Rudolphi

Im Frühling zurück in die Stadt

Je nach Temperatur kommen die Exoten dann gegen Mitte/Ende April wieder an ihre Standorte wie etwa den Leopolds-, Augustaplatz oder die Fieserbrücke zurück und lassen zumindest optisch und gefühlsmäßig die Stadt an der Oos näher ans Mittelmeer rücken. Vor dem Transport ins Freie legen die Gärtner noch einmal Hand an und schneiden die Pflanzen entweder zurück oder entfernen zumindest deren welke und abgestorbene Triebe.

Düfte erfreuen Einheimische

Übrigens: Markus Brunsing ist immer auf der Suche nach neuen exotischen Pflanzen. Zum Bestand gehört inzwischen nicht nur ein Japanischer Palmfarn. Auf Madeira hat der Fachgebietsleiter Frangipani entdeckt und bei einer Gärtnerei in der Pfalz mehrere kleine Exemplare bestellt. Nachdem die Gärtner sie im Gewächshaus aufgepäppelt haben, werden diese Tropenpflanzen mit ihren markanten duftenden Blüten künftig Einheimische und Gäste erfreuen.