Yvonne Junger vor dem Rathaus in Baden-Baden.
Die Gleichstellung zwischen Mann und Frau ist für die Gleichstellungsbeauftragte Yvonne Junger immer noch nicht erreicht. | Foto: Müller

Yvonne Junger im BNN-Gespräch

Baden-Badener Gleichstellungsbeauftragte: „Es gibt noch viel zu tun“

„Wir haben schon viel geschafft“, erklärt die Baden-Badener Gleichstellungsbeauftragte Yvonne Junger, „aber die Gleichstellung ist immer noch nicht erreicht.“ Seit Oktober 2016 arbeitet sie in dem Amt, dass manche Bürger für überflüssig halten. Doch dem widerspricht Junger: „Bei gleicher Arbeit bekommen Frauen 21 Prozent weniger Lohn und Mütter verbringen doppelt so viel Zeit mit ihren Kindern als Väter.“ Bei solchen Zahlen gebe es noch viel zu tun.

Es gibt kaum Männer in sozialen Berufen wie Erzieher und Altenpfleger

Allerdings nicht nur für die Frauen, schließlich sei sie keine Frauenbeauftragte, sondern Gleichstellungsbeauftragte. „Es gibt kaum Männer in sozialen Berufen wie Erzieher und Altenpfleger“, bilanziert Junger. Auch würden die Elternmonate von den Männern meist nur zwei, von den Frauen dagegen zwölf Monate genommen.

Yvonne Junger soll derartige Ungleichheiten ändern und die Chancengleichheit von Frauen und Männern fördern. Ihr Arbeitsbereich umfasst sowohl die Stadtverwaltung als auch die Bürger der Bäderstadt.

In der Baden-Badener Stadtverwaltung gibt es verschiedene Teilzeitmodelle

Die Baden-Badener Stadtverwaltung ist Junger zufolge bereits relativ fortschrittlich, es gebe beispielsweise zahlreiche Teilzeitmodelle, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Trotzdem gebe es auch dort bei einem Gesamtfrauenanteil von 55 Prozent nur 34 Prozent Frauen in Führungspositionen. Im Juni will Junger im Gemeinderat Projekte vorstellen, um die Gleichstellung in der Stadtverwaltung voranzutreiben.

Junger organisiert Veranstaltungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Außerhalb der Stadtverwaltung ist Jungers Aufgabe laut Gesetz „die gesellschaftliche Position der Frauen zu fördern.“ So hat sie sich mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen auf den Schwerpunkt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ geeinigt.

Um in diesem Feld Fortschritte zu machen, bietet Junger verschiedene Veranstaltungen an. Beispielsweise gibt es Seminare zum Thema „Frauen in die Kommunalpolitik“, Filmmatineen über Rollenklischees mit anschließender Diskussion und das Projekt „Wiedereinstiegsberatung“ mit der Agentur für Arbeit.

Wenn eine Frau zu Hause bleiben möchte, dann soll sie das tun können

Durch ihre Aktionen möchte Junger erreichen, dass jede Frau die Wahl hat, dass zu tun, was sie möchte. „Wenn eine Frau zu Hause bleiben möchte, dann soll sie das tun können“, erklärt sie. Aktuell sei es leider so, dass arbeitende Mütter als Rabenmütter bezeichnet würden, während Hausfrauen sich den Vorwurf anhören müssten, sie hätten die Emanzipation der Frauen verschlafen.

Es gibt bereits viele tolle Beratungsangebote

Darum sei Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Teil ihres Jobs. Für Fachberatungen vermittelt Junger die Frauen auch gerne an andere weiter. „Es gibt bereits viele tolle Beratungsangebote, man muss sie nur sichtbar machen“, berichtet sie.

Da gebe es zum Beispiel die Fachstelle „Frühe Hilfen“, die Eltern unterstützt oder auch die Kontaktstelle „Frau und Beruf“ in Karlsruhe, die Frauen bei der Arbeitssuche hilft. Einmal stand eine Frau in Tränen aufgelöst vor ihrer Tür und bat um Rat. Da helfe sie natürlich gerne weiter: „Manchmal reicht schon ein offenes Ohr und die Frauen finden ihren Weg selbst.“

Durch Teilzeitarbeit bekommen Frauen oft nur geringe Renten

Das große Ganze lässt die Gleichstellungsbeauftragte dabei aber nicht aus den Augen, auch wenn sie zugibt, dass sie nicht alles ändern kann. „Manches muss die Politik machen“, meint sie und erwähnt die sehr geringe Rente, die Frauen oft durch Teilzeitarbeit und die Auszeit während der Kindererziehung erhalten. Zudem könne eine Gleichstellungsbeauftragte nicht alle Probleme in ein bis zwei Jahren lösen.

Ich freue mich über jede Frau, deren Lebensweg ich positiv beeinflussen konnte

„Vor hundert Jahren wurde des Frauenwahlrecht eingeführt, aber erst seit 1977 dürfen Frauen auch ohne die Erlaubnis des Mannes arbeiten“, so Junger. Daran sehe man, „wie weit wir heute schon sind, aber auch, wie lange all das gedauert hat.“

Wie weit sie selbst die Gleichstellung in Baden-Baden vorantreibe, könne man nur schwer messen. Allerdings betont sie: „Ich freue mich über jede Frau, deren Lebensweg ich positiv beeinflussen konnte.“