So sollte es jeden Tag aussehen: Baden-Baden als Einkaufsstadt mit zufriedenen Touristen und vielen Kunden. Strategien sind gefragt. Eine von der Stadt und dem Handel in Auftrag gegebene Umfrage war der erste Schritt. | Foto: Christiane Krause-Dimmock

Tourismus und Handel

Good-Good Life in Baden-Baden

Eigentlich waren es zwei getrennte Tagesordnungspunkte: Das neue (vom Aufsichtsrat der Baden-Baden Tourismus bereits beschlossene) Tourismuskonzept und das Ergebnis der Einzelhandels- und Touristenbefragung. Die Diskussion im Hauptausschuss des Baden-Badener Gemeinderates zeigte aber schnell, dass es große Schnittmengen gibt. Vor weiteren Beschlüssen – und finanziellen Festlegungen – sollen beide Punkte in der am 9. und 10. März anberaumten Klausurtagung des Gemeinderates beraten werden. Diese steht unter der Überschrift „Stadtentwicklung bis 2030“. Dabei geht es dann um Good-Good Life in Baden-Baden

Good-Good Life als Markenzeichen

Bei beiden Themen geht der Tourismus angesichts der jüngsten Rekordzahlen sozusagen aus der Poleposition ins Rennen, wobei BBT-Geschäftsführerin Nora Waggershauser darauf hinweist, dass Stillstand eben Rückschritt sei. Mithin müsse die „Marke“ Baden-Baden nicht nur bestehende, sondern auch neue Zielgruppen erschließen. Will heißen: den Zeitgeist der Belle Époque mit dem heutigen Lifestyle verknüpfen. Waggershauser: „Wir wollen zeigen, dass das gute Leben in Baden-Baden wohnt, weil sich hier die ganze Welt zu Hause fühlt und die Kultur in allen ihren Facetten aufs Beste lebt.“ Eben: „The good-good life“.
Daraus leitet die Tourismuschefin aber auch Leitlinien ab: Stadt- und Straßenbild müssten dieses gute Leben ausstrahlen, der Verkehr müsse reduziert werden, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tagestouristen und Übernachtungsgästen müsse sichergestellt werden und das hohe Niveau der touristischen Einrichtungen müsse erhalten, besser noch sogar ausgebaut werden.

Ja wo sind sie denn, die Kunden? Eines hat die GMA-Umfrage gezeigt: Baden-Baden hat eine bessere Ausgangsposition als viele andere Städte. | Foto: Bernd Kappler

„Stadt braucht Markenqualität“

Markenqualität brauche die Stadt auch als Einkaufsstadt, so der Geschäftsführer der GMA, Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung, Stefan Holl. Baden-Baden habe Pfunde, die andere nicht ins Feld führen könnten. In der Umfrage liege Baden-Baden bei der Bewertung von Innenstadt, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Einzelhandelsangebot und Gastronomieangebot unter 121 Städten in Deutschland über dem Durchschnitt. Allein das Parken liege unter dem Mittelmaß. Auffallend beim Image: Die Einheimischen würden dieses schlechter einstufen als die befragten Gäste.

Erlebnis- und Premiumshopping

Seine Empfehlung: Baden-Baden müsse sich mit Erlebnis- und Premiumshopping in der Innenstadt positionieren. Dazu müssten in einem nächsten Schritt Handlungsfelder definiert werden, dann könne es an die Umsetzung gehen: Finanzierung, Arbeitsprogramm, Organisatorische Struktur.
Genau darüber soll der Gemeinderat in seiner Klausursitzung Anfang März diskutieren.

Ergebnisse

Die Befragungsergebnisse haben nach Angaben der GMA Stärken und Schwächen aufgezeigt:

Die Stärken

  • attraktives Stadtbild und Parkanlagen
  • hohe Aufenthaltsqualität und Aufenthaltsdauer
  • hoher Anteil an wiederkehrenden Gästen
  • Kaufkraftzufluss durch internationale Gäste aus dem gehobenen Segment

Die Schwächen

  • (wahrgenommene) Parkplatzsituation
  • geringe Kopplung zwischen Shopping Cité und Innenstadt
  • geringer Anteil an Shoppingtouristen

Die Chancen

  • gute Voraussetzungen für Etablierung des „Erlebnisshoppings“ in Baden-Baden
  • lange Aufenthaltsdauer Innenstadt: Hohes Potenzial, um aus Besuchern Kunden zu machen
  • überdurchschnittliche Ausgabebeträge von Shoppingtouristen
  • Potenzial von Geschäftsreisenden als private Wiederholungsbesucher
  • sehr positive Außenwahrnehmung von Baden-Baden

Die Risiken

  • wachsende Konkurrenz der Innenstadt Baden-Baden zu anderen Einkaufsstandorten (unter anderem FOC, Onlinehandel, Oberzentren)
  • tendenziell kritische Eigenwahrnehmung

Fazit der GMA

  • gute Voraussetzungen für Erlebnisshopping
  • deutlich steigerungsfähig für Shoppingtourismus BNN

Kommentar
Wenn baden gut ist, dann folgt doch daraus zwingend, dass Baden-Baden gut-gut sein muss. Und damit’s auch jeder verstehen kann, sagen wir neudeutsch: good-good. So einfach ist das bei den Austüftlern von Werbeslogans.
Im Hauptausschuss hat die neue Überschrift über der „Marke Baden-Baden“ nicht gerade Jubelstürme ausgelöst, aber vielleicht kommt das ja noch beim zweiten Nachdenken. Denn: Die Marschrichtung von BBT-Chefin Nora Waggershauser hat jedenfalls eine gewisse Logik: Wer international mitspielen und auf sich aufmerksam machen will, kommt an der Weltsprache ganz einfach nicht vorbei. Immerhin 40 Prozent der Touristen kommen aus dem Ausland an die Oos.
Da ist die BBT einen Schritt weiter als der Handel, dem auch die Gäste aus dem In- und Ausland gut tun sollen. GMA-Geschäftsführer Stefan Holl würde sich am liebsten mit Ähnlichem dranhängen. Denn auch beim Handel gilt: Wir müssen abseits vom Mainstream Nischen finden. Wegen großer Handelsketten setzt kein Käufer einen Fuß nach Baden-Baden, zumal die Parkplätze die Achillesferse sind.
Stadt, der Handel selbst, aber vor allem auch die Vermieter müssen an einem Strang ziehen. Dann kann es good-good werden.