Hoch über Baden-Baden schweben die Zeppelin-Fluggäste.
Hoch über Baden-Baden schweben die Zeppelin-Fluggäste. | Foto: Kamleitner

„Riesenzigarre“ als Blickfang

Am Himmel über Baden-Baden: auf Rundflug mit dem Zeppelin

Anzeige

Der größte Himmelsstürmer beim SWR3 New Pop Festival in Baden-Baden hat auch die größte Bühne: Am Himmel über der Kurstadt und in der Region zieht in diesen Tagen ein Zeppelin die Blicke auf sich. Noch bis Sonntag hebt das Luftschiff der Deutschen Zeppelin Reederei täglich mehrfach vom Segelflugplatz Baden-Oos ab und kreist etwa 40 Minuten über der Stadt.

Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens lässt das New Pop Festival Gäste und Besucher in die Luft gehen – am Eröffnungstag beispielsweise Bürgermeister Roland Kaiser, die Modedesignerin Miyaba Kawai, das Model Angelina Kirsch und den Schauspieler Hans-Joachim Heist (bekannt als Gernot Hassknecht). Auch „Normalsterbliche“ können einen Flug ergattern: Am Stand des Festivalsponsors ZF Friedrichshafen gegenüber des Theaters gibt es bei einer Verlosungsaktion Karten zu gewinnen.

Auch interessant: Die schönsten Zeppelin-Bilder der BNN-Leser

In der kleinen Kabine ist es sehr bequem

Die Kabine mit Platz für 14 Passagiere ist klein, aber die Reise sehr bequem: Die 75 Meter lange „Zigarre“ mit einer Außenhülle aus Carbon bewegt sich so ruhig durch die Luft als würde man schweben. Man genießt einen Rundumblick, und ein Fenster lässt sich sogar öffnen, um beispielsweise die Vogelperspektive auf markante Gebäude wie das Alte und das Neue Schloss, das Festspielhaus oder die „Kulturmeile“ vom Burda Museum bis zum Theater ohne Lichtreflexe zu fotografieren.

Die Flugweise ist auch der Forschung dienlich, berichtet Kapitän Oliver Jäger, der gemeinsam mit Fritz Günther die New-Pop-Flüge steuert: „Zum Beispiel waren wir mal über Finnland im Auftrag des Forschungszentrums Jülich mit Wissenschaftlern unterwegs, die Luftproben gesammelt haben“, erzählt der Berufspilot, der Fluglehrer für Hubschrauber war und vor 17 Jahren auf den Zeppelin umgestiegen ist. „Für so etwas eignet sich der Zeppelin sehr gut: Er fliegt vibrationsarm und die Motoren sind oben und hinter der Gondel, daher hatten die Forscher Zugriff auf einen absolut sauberen Luftstrom.“

300 Meter über Baden-Baden

Zudem ist das Luftschiff flexibel in Sachen Geschwindigkeit: Die Höchstgrenze liegt bei 125 km/h (Jäger: „Das ist dann aber nicht so angenehm“), es kann aber auch in der Luft stehen bleiben wie ein Hubschrauber. Die maximale Höhe liegt bei 3 000 Metern, über Baden-Baden schwebt man auf etwa 300 Metern. Das erlaubt eine grandiose Aussicht, bei der aber auch Details erkennbar sind (etwa einzelne Schwimmer im Hardbergbad). Noch dichter dran am Geschehen war Jäger bei einem persönlichen Highlight aus seiner Berufsbiografie: „Über Paris durften einmal auf nur 80 Metern Höhe fliegen.“

Fliegen statt Fahren

A propos fliegen: Heißt es beim Zeppelin nicht eigentlich „fahren“? Früher schon, doch das seit 2001 für Passagiere zugelassene Modell Zeppelin NT (das Kürzel steht für Neue Technologie) startet mit einer statischen Schwere von 350 Kilogramm und ist somit schwerer als Luft. Daher „fliegt“ er, während Heißluftballone, die leichter sind als Luft, fahren. Früher galt dies auch für Zeppeline, und man könnte auch heutige Modelle so bauen. Die schwerere Variante, angetrieben von drei Motoren, lässt sich aber leichter steuern.

Weltweit gibt es fünf Exemplare des Zeppelin NT: zwei in Friedrichshafen, drei in den USA. Warum gibt es so wenige? „Wollen Sie einen kaufen?“, fragt Jäger zurück. „Dann können Sie sich einen bauen lassen. Das kostet allerdings knapp 18 Millionen.“ Gut, Frage beantwortet. Mitfliegen reicht ja schon.