Die Handballer des TV Sandweier wurden in der Saison 1979/80 Meister der drittklassigen Oberliga Südbaden. | Foto: Hornung

Vor 40 Jahren

Handballer des TV Sandweier schreiben außergewöhnliche Erfolgsgeschichte

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Es ist eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, die vor genau 40 Jahren von den Handballern des TV Sandweier geschrieben wurde. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass es so etwas nicht mehr geben wird.

An einem Sonntag Mitte März 1980, Handball hatte nach dem Gewinn des WM-Titels 1978 gerade Hochkonjunktur, sicherte sich der Verein aus dem Baden-Badener Stadtteil durch einen 13:11-Sieg gegen den SR Yburg Steinbach die Meisterschaft in der damals drittklassigen Oberliga Südbaden. Der Aufstieg des TVS in einem Zug aus den Niederungen der Kreisklasse A über die Bezirksklasse, Landesliga und Verbandsliga bis in die Oberliga fand seinen Höhepunkt im Titelgewinn in der höchsten Klasse des Südbadischen Handball-Verbands (SHV).

Wir waren eine verschworene Einheit

Kurt Hochstuhl, ehemaliger TVS-Spieler 

„Wir waren eine verschworene Einheit. Das war die Grundlage von allem“, sagt Kurt Hochstuhl. Der 66-Jährige, von 2004 bis 2019 SHV-Präsident, war in seiner sportlichen Glanzzeit einer der besten Kreisläufer in Südbaden. Hochstuhl steht beispielhaft für das Wesen der damaligen Mannschaft. Bis auf den aus Pforzheim stammenden Spielmacher Harald Grimm gingen alle Spieler aus der eigenen Jugend hervor.

Heimspiele in Rastatt

Mehr noch: Die meisten Akteure waren echte Sandweierer, die unter Trainer Edgar Merkel gemeinsam den Weg von ganz unten nach oben mitgemacht haben. Und dies unter erschwerten äußeren Bedingungen. Mangels eigener Halle mussten Spiel- und Trainingsbetrieb außerhalb der Baden-Badener Stadtgrenzen abgewickelt werden. So war die Rastatter Carl-Diem-Halle, mittlerweile in „Sporthalle der August-Renner-Realschule“ umbenannt, die Heimspielstätte.  „Wenn wir im Einsatz waren, war es die reinste Autokarawane, die von Sandweier nach Rastatt gezogen ist“, erinnert sich der frühere Torjäger Rolf Bornhäußer.

Training in auswärtigen Hallen

Auch zum Training musste gereist werden. In der heimischen kleinen Schulturnhalle war höchstens Kraft- und Zirkeltraining möglich. Zur Schulung der handballerischen Fähigkeiten ging es abwechselnd in die Sportschule Steinbach, nach Bühl oder bis nach Durmersheim. Wo eben gerade Platz war.

Durchmarsch von der Kreisliga A in die Oberliga

Trotz dieser widrigen Umstände blieb der Erfolg nicht aus. Nach dem Durchmarsch von der Kreisliga A in die Oberliga wurde der TVS 1977/78 im südbadischen Oberhaus zunächst Fünfter, ein Jahr später Dritter und schließlich unter Coach Karl Wackershauser, ehemaliger Rintheimer Bundesligaspieler, in der Saison 1979/80 mit 41:3-Punkten Meister. Als nach dem Sieg gegen Lokalrivale Steinbach vor ausverkauftem Haus der Titelgewinn feststand, brachen alle Dämme. Die „Linde“, das Stammlokal der TVS-Handballer, wurde zur Festmeile umfunktioniert.

Aufstieg in die Regionalliga verpasst

Mit der Oberliga-Meisterschaft war für die Sandweierer „Amateure“, die sich gegen die durchweg besser betuchte Konkurrenz durchgesetzt hatten, der vorläufige sportliche Höhepunkt erreicht. In den Aufstiegsspielen zur zweitklassigen Regionalliga gab es gegen Schwabing, Heiningen und Malsch/Heidelberg nichts zu holen. Auf den nächsten Titel in der höchsten SHV-Liga musste der TV Sandweier dann bis 2011 warten.

Bezug zum Verein

Auch wenn die aktiven Zeiten längst vorbei sind, haben viele der damaligen Meisterspieler den Bezug zum Verein nicht verloren – und wenn es nur darum geht, den Nachfolgern, die mittlerweile unter dem Namen TVS 1907 Baden-Baden in der Baden-Württemberg-Oberliga um Punkte kämpfen, bei den Heimspielen in der Sandweierer Rheintalhalle die Daumen zu drücken.