Handarbeit: Karl-Heinz Schmidt muss die Lichter von Hand löschen.
Handarbeit: Karl-Heinz Schmidt muss die Lichter von Hand löschen. | Foto: Julian Meier

Teure Reparaturen

Historische Straßenlaterne in Baden-Baden erhellt bald wieder die Nacht

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Die Reparaturen an einem der fünf Kandelaber vor dem Kurhaus sind beendet. Mithilfe eines speziellen Schweißverfahrens wurde die Außenhülle des historischen Gasleuchters instand gesetzt. Der noch fehlende sechste Kandelaber wird derzeit noch rekonstruiert, die Kosten hierfür bewegen sich im sechsstelligen Bereich.

Wenn die Sonne allmählich an Strahlkraft verliert und das Abendrot der Dunkelheit der Nacht weicht, weiß Karl-Heinz Schmidt ganz genau, was er zu tun hat. Seit 13 Jahren arbeitet Schmidt schon als Kurhaus-Wart und zündet die Kandelaber vor dem Gebäude von Hand an. Dann sorgt das warme orangefarbene Licht der Gasleuchter wieder dafür, dass der Kurpark und das Kurhaus perfekt in Szene gesetzt werden. Mit Anbruch des Tageslichts löscht die Nachtschicht die Lichter am anderen Morgen wieder.

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Kandelaber sind echtes Touristenhighlight

„Die Kandelaber sind denkmalgeschützt“, erklärt Schmidt. Das wird Touristen spätestens dann klar, wenn sie eine der Infotafeln vor der Trinkhalle genauer betrachten. Sie zeigt eine Fotografie vom Kurhaus aus dem Jahr 1910 – damals erstrahlten noch sechs der gut erhaltenen Leuchter durch das Dunkel der Nacht.

Die Kandelaber sind denkmalgeschützt.

Karl-Heinz Schmidt, Kurhaus-Wart

Ein echter Hingucker: Das warme Licht der Gasleuchter verleiht dem Kurhaus in lauen Sommernächten noch mehr Charme.
Ein echter Hingucker: Das warme Licht der Gasleuchter verleiht dem Kurhaus in lauen Sommernächten noch mehr Charme. | Foto: Bernd Kamleitner

Derzeit stehen nur noch fünf der historischen Kandelaber vor dem Kurhaus. Einer davon wurde im März demontiert, um einen Riss in der Außenhülle instandzusetzen. Silke Michel, Verkaufsleiterin und Pressesprecherin des Kurhauses, erzählt von den Reparaturarbeiten, die durch eine Fachfirma begleitet wurden.

Reparaturen sind arbeitsintensiver als erwartet

Diese seien jedoch arbeitsintensiver ausgefallen als erwartet, da der Riss im Gusseisen des Gas-Leuchters in einem speziellen Verfahren geschweißt werden musste. Um keine Spannungsrisse und größere Schäden an der historischen Beleuchtung zu riskieren, wurde der Kandelaber unter Wärme geschweißt und über mehrere Tage abgekühlt.

Die Reparaturarbeiten verliefen problemlos und sind mittlerweile erfolgreich beendet – der fünfte Leuchter steht wieder. Laut den Stadtwerken wird der Kandelaber zeitnah wieder an das Gasnetz angeschlossen. Die Kosten der Instandsetzung betragen 10.000 Euro, heißt es in einer Pressemitteilung des Kurhauses.

Sechster Kandelaber bei Abbauarbeiten des Weihnachtsmarktes 2018 stark beschädigt

Michel beschreibt die über die Jahre gut erhaltenen Kandelaber als „echtes Touristenhighlight“. Sie bedauert sehr, dass der fehlende Gasleuchter bei Abbauarbeiten des Weihnachtsmarkts 2018 beschädigt wurde. „Der sechste Kandelaber wird derzeit rekonstruiert“, erklärt die Pressesprecherin. Es habe sich als äußerst schwierig herausgestellt, ein Unternehmen für die Rekonstruktion des kaputtgegangenen Gasleuchters zu finden.

Gasleuchter wird rekonstruiert

Michel berichtet von nur zwei Unternehmen in Europa, die für die Beauftragung in Frage gekommen seien. Die Kosten für die Rekonstruktion bewegten sich im sechsstelligen Bereich, so Michel. Das ist kein Wunder – die Verzierungen und feinen Details, die sich um den Leuchter herumschlängeln, müssen originalgetreu nachgestellt werden. „Kunsthandwerklich wird viel gemacht“, verdeutlicht Michel. Der Leuchter wird im Laufe des zweiten Halbjahres wieder im Kurgarten aufgebaut. Bald also erhellen alle sechs Kandelaber wieder die Nacht.