Das Hotel Roomers wurde nach Plänen des Baden-Badener Büros khp Architekten vollendet. Jetzt zeichnete der Bund Deutscher Architekten das Gebäude aus. | Foto: Ulrich Coenen

Hotel Roomers in Baden-Baden

Klassischer Bautyp wird neu interpretiert

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Hotelbau in Kurstädten hat eine lange Tradition. Dies gilt vor allem für Baden-Baden. Als Nachfolger der sehr viel bescheideneren Herbergen entwickelte sich das Hotel zu einer wichtigsten Bauaufgabe des 19. Jahrhunderts, also der Epoche, in der Baden-Baden seine größte Blütezeit erlebte. Der Bautyp ist eng mit den wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen der Zeit verbunden, insbesondere mit dem Ausbau der Eisenbahn und dem immer wichtiger werdenden Tourismus.

England als Vorbild

Als erste Industrienation war England im frühen 19. Jahrhundert beim Hotelbau führend. In Deutschland war er zunächst von den Kurstädten abhängig. Dabei kam Baden-Baden, bis zum Verbot des Glücksspiels 1872 der wichtigste deutsche Kurort, eine entscheidende Rolle zu. Der Badische Hof, der 1807 bis 1809 nach Plänen von Friedrich Weinbrenner durch den Umbau des Kapuzinerklosters entstand, gilt als das erste Palasthotel Deutschlands, Dutzende weitere folgten.

Zäsur nach dem 1. Weltkrieg

Nach dem 1. Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts gab es die politischen und gesellschaftlichen Eliten, die das Kurwesen getragen hatten, nicht mehr. Die große Zeit der Kurstädte war vorbei und es wurden nur noch wenige bedeutende Neubauten errichtet. Das galt und gilt auch für den Hotelbau.

Ein intimer Innenhof erstreckt sich zwischen dem Hotel und den beiden rückwärtig anschließenden Bauten, die ein gelungenes Ensemble ergeben. | Foto: Ulrich Coenen

Das 2012 bis 2016 auf dem ehemaligen Opelgelände an der Ecke Lange Straße/Beethovenstraße nach Plänen von khp Architekten (Urban Knapp und Marcus Haedecke) erbaute Hotel Roomers setzt an der Zufahrt zur Innenstadt in unmittelbarer Nahbarschaft des Festspielhauses einen neuen und hoffnungsvollen Akzent. Es wurde jetzt mit der Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architekten (BDA), dem wichtigsten Architekturpreis in Baden-Württemberg, prämiert. Die fünfgeschossige Eckbebauung beeindruckt mit ihren plastisch durchgestalteten Fassaden. Die in den oberen vier Geschossen weiße Putzfassade steht im Kontrast zu den schwarzen Fenstergewänden und dem ebenfalls schwarzen Untergeschoss. Die Gebäudehülle ist aufregend und ganz anders als die der symmetrischen Palasthotels des Historismus.

Jedes Stockwerk ist anders

Jedes Stockwerk des Roomers ist anders. Vor das hohe voll verglaste Erdgeschoss mit seinen spannenden Innen-Außen-Beziehungen treten als eine moderne Form der Kolonnade schlanke Rundpfeiler. Der Haupteingang wird von einem mit großer Geste auskragenden Vordach markiert. Darüber erwachsen vier Geschosse mit rechteckigen Fenstern, die auf jeder Ebene unterschiedlich angeordnet sind. Die Architekten spielen mit dem Konzept der klassischen Lochfassade und ihren streng axial angeordneten Fenstern. Rechteckige raumhohe Fensteröffnungen, Schiebeläden und Wandflächen in den unterschiedlichsten Formaten wechseln in für den Betrachter überraschender Weise.  Der markante Eingangsbereich an der Ecke Beethovenstraße springt, ein Motiv der historisierenden Hotels der großen Zeit Baden-Badens aufgreifend, in Form eines Risalits vor, das fünfte Geschoss des rechts anschließenden Seitentraktes entlang der Langen Straße als Penthouse zurück. Die Plastizität des Baukörpers wird durch einen mächtigen über drei Geschosse reichenden Erker an der Seitenfassade gegen die Beethovenstraße betont.

Gelungenes Ensemble

Das Hotel ist Teil eines Ensembles. Seine Rückseite grenzt an einen intimen Innenhof, dessen nordwestlichen Abschluss ein Wohnhaus und ein Ärztehaus derselben Architekten mit ähnlicher, aber deutlich schlichterer Fassadengestaltung bilden. Die puristische Außenarchitektr des Hotels mit seinen 130 Zimmern und Suiten steht im krassen Gegensatz zum Innenraum, den der italienische Designer Piero Lissoni gestaltet hat. In das großzügige Erdgeschoss mit Foyer und Restaurant gelangt der Gast durch die beiden gewaltigen 3,80 Meter hohen hölzernen Flügel eines alten spanischen Kirchenportals. Die Ausstattung des Hotels ist zum Teil, einem aktuellen Trend entsprechend, mehr als abwechslungsreich und widersprüchlich.

Das BDA-Preisgericht urteilt trotz dieser inhomogenen Haltung treffend: „Im Ganzen bietet die Architektur eine gelungene Transformation der historischen Hotelarchitektur Baden- Badens in die Gegenwart.“