Die römischen Badruinen unter dem Friedrichsbad in Baden-Baden wurden im 19. Jahrhundert freigelegt. | Foto: Ulrich Coenen

BNN-Serie Friedrichsbad 6

Ideen für das Friedrichsbad in Baden-Baden kamen aus der römischen Antike

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Das Friedrichsbad in Baden-Baden war im 19. Jahrhundert das modernste Kurbad Europas. 1869 wurde nach Plänen von Karl Dernfeld der Grundstein gelegt. Die Kurstadt reagierte damit auf das drohende Glücksspielverbot. Mit Wellness statt Zocken wollte sie für die Gäste attraktiv bleiben. Die BNN-Serie beschreibt die spannende Baugeschichte. Dies ist Folge 6.

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Die Vorbilder für das Friedrichsbad sind vielfältig. Der Architekt Karl Dernfeld führte in Baden-Baden mit großem Geschick verschiedene Strömungen der Zeit zusammen, aber er erhielt auch Anregungen von historischen Gebäuden. Die archäologische Erforschung der antiken Thermen rückte im 19. Jahrhundert immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses.

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Prachtvolle Bücher

Dernfeld konnte deshalb nicht nur auf die persönliche Anschauung der Ruinen der riesigen Kaiserthermen in Rom, sondern auch auf Fachliteratur zurückgreifen. Bereits 1807 erschien Engelbert Wichelhausens Buch über die antiken Bäder, 1828 folgte der Prachtband von G. A. Blouet.

Die römischen Badruinen in Badenweiler | Foto: Ulrich Coenen

Natürlich waren Dernfeld ebenfalls die Ausgrabungsberichte August von Bayers über die römischen Bäder in Baden-Baden bekannt. Auch Weinbrenners Rekonstruktion der Thermen in Badenweiler war Dernfeld sicherlich geläufig. Für das Friedrichsbad sollten aber nicht die beiden wenige Jahrzehnte zuvor entdeckten antiken Bäder im Großherzogtum Baden vorbildlich werden, Dernfeld orientierte sich an den Caracallathermen und den Diokletiansthermen in Rom, die beiden bedeutendsten Beispiele für den Typus der antiken Kaiserthermen. Dernfeld kannte sie von Studienreisen nach Italien.

Viele Einflüsse geschickt zusammengeführt

Der Bezirksbauinspektor führte im Friedrichsbad die unterschiedlichen Entwicklungen zusammen. Die repräsentativen Fassaden der Bäder in Vichy, Oeynhausen und Spa gaben ihm ebenso Anregungen wie die Gesellschaftsbäder in Wildbad, Budapest und Baden bei Wien.

Der Sauerhof in Baden bei Wien und vor allem das Raitzenbad im türkisch beeinflussten Budapest erlaubten ebenso wie das Graf-Eberhards-Bad (heute Palais Thermal) in Wildbad das gemeinschaftliche Baden, das in nachmittelalterlicher Zeit in Westeuropa aus der Mode gekommen war. Dort hockte man in engen Einzelkabinen.

Im Gegensatz zu den bis zum 16. Jahrhundert typischen sehr einfachen Gesellschaftsbädern, die mehr oder weniger reine Zweckbauten waren, hatten die genannten Badehäuser in Frankreich, Belgien und Budapest einen hohen künstlerischen Anspruch. Der Grundriss war aber zum Teil wenig geordnet.

Die Baderäume wurden einfach aneinandergereiht. Das entsprach nicht Dernfelds Ideal. Dieses fand er in den antiken Kaiserthermen, deren axialsymmetrische Gestalt er für den Grundriss des Friedrichsbades übernahm.

Wichtig für Dernfeld waren auch die Impulse aus Großbritannien, wo sich mit dem von David Urquhart und Richard Barter aus orientalischen Vorbildern entwickelten Türkischen Bad ein neues Therapieangebot herausbildete. Dernfelds Verdienst ist es, diese unterschiedlichen Strömungen aufgegriffen und zu einer Einheit zusammengeführt zu haben.

Einzigartig in Europa

Auf diese Weise entstand in Baden-Baden ein Badehaus, das in seinem künstlerischen Anspruch und seinem therapeutischen Angebot einzigartig war und seinerseits wieder zum Vorbild vieler späterer Kur- und Stadtbäder in Europa wurde. Der Hofrat und Großherzogliche Badearzt Arnold Obkircher charakterisiert diesen Anspruch in seinem Buch 1897: „Das Friedrichsbad sollte eine Badeanstalt werden, die Alles in sich vereinigte, was die wissenschaftliche Bäderbehandlung unserer Zeit verlangt, und zwar in der denkbar vollkommensten Weise.“

Das Friedrichsbad entstand 1869 bis 1877 nach dem Abriss eines Altstadtquartiers auf dem historischen Baugrund des Florentinerberges, auf dem bereits die Römer ihre Thermen errichtet hatten. Mit den Aushub- und Fundamentierungsarbeiten wurde 1869 begonnen, mit den eigentlichen Bauarbeiten erst 1871.
Die Pläne Dernfelds sind verschollen. Zwar ist das Gebäude in seiner Struktur weitgehend erhalten, die originale Ausstattung und die Ausmalung sind aber größtenteils verloren.

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