Im Einzugsbereich der IG Metall-Verwaltungsstelle Gaggenau (Archivbild) sind seit Montag, 23. März, bereits rund 17.000 Beschäftigte aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause. Tendenz: Steigend. | Foto: Dorscheid

Viele Beschäftigte sind daheim

IG Metall Gaggenau bewertet Kurzarbeit aufgrund von Corona als Win-win-Situation

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Seit Montag sind in den Betrieben im Zuständigkeitsbereich der IGM-Verwaltungsstelle Gaggenau rund 17.000 Beschäftigte aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause. Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl weiter erhöhen wird, da es in weiteren Betrieben in den nächsten Tagen ebenfalls um Kurzarbeit oder Schließung der Betriebstätigkeit gehen wird.

Von  unserem Mitarbeiter Joachim Kocher

„Unsere Region kennt lange Zeiten stetigen Wachstums, aber auch Krisen. Was wir aktuell erleben, ist mit vorangegangenen Krisen nicht vergleichbar“. Das sagte die Erste Bevollmächtigte der Industrie-Gewerkschaft-Metall (IGM), Verwaltungsstelle Gaggenau, Claudia Peter bei einem Pressegespräch im IG-Metall-Haus.

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Seit Montag, 23. März, sind in den Betrieben im Zuständigkeitsbereich der IGM-Verwaltungsstelle Gaggenau rund 17.000 Beschäftigte aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause. Peter zufolge ist davon auszugehen, dass sich die Zahl weiter erhöhen wird, da es in weiteren Betrieben in den nächsten Tagen ebenfalls um Kurzarbeit oder Schließung der Betriebstätigkeit gehen wird.

Teilweise werden, wie beispielsweise in den Mercedes-Benz-Werken in Gaggenau und Rastatt, in dieser und der nächsten Woche Urlaube und Zeitkonten abgebaut, während die Automobilzulieferer und die Kontraktlogistiker weitgehend in Kurzarbeit gehen beziehungsweise ebenfalls Stunden abbauen.

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In all den betroffenen Betrieben gibt es lediglich einen Notdienst um Anlagen zu schützen oder einen Mindestservice für Personalthemen aufrecht zu erhalten, erläuterte die Erste Bevollmächtigte weiter.

Nur wenige Firmen arbeiten noch

Wie Peter betonte, gibt es im Einzugsbereich der IGM-Verwaltungsstelle Gaggenau nur wenige Firmen, die aktuell noch arbeiten, so unter anderem die Maquet-Getinge Group in Rastatt, die Medizintechnik produziert. Wo noch gearbeitet werde, stehe der Schutz der Beschäftigten im Vordergrund.

Reinigungszyklen, Reinigungsintensität, geschützte Versorgung durch den Kantinenbetrieb und Abstände zwischen den Beschäftigten seien dabei wichtige Themen. Zudem arbeiteten weiterhin Krisenstäbe daran, wie die Menschen geschützt werden können und wie mit möglichen Lieferproblemen umgegangen werden kann.

„Kurzarbeit wichtiges Instrument“

Spätestens seit Beginn der vergangenen Woche laufe alles auf Hochtouren. „Was unsere Vertrauensleute und Betriebsräte in den letzten Tagen leisteten, war toll. Herzlichen Dank dafür“, sagte Peter, die auch auf das Thema Kurzarbeit einging. Diese sei ein wichtiges Instrument zur Absicherung für die Beschäftigung. Für Beschäftigte und Betriebe könne von einer Win-win-Situation gesprochen werden.

Aufzahlung für Mitarbeiter

Die Beschäftigten seien trotz Einkommenseinbußen finanziell abgesichert. Die Betriebe erhalten für den Teil der nicht gearbeiteten Zeit von der Agentur für Arbeit Kurzarbeitsgeld (60 beziehungsweise 67 Prozent) für die Beschäftigten und sind damit von einem Teil der Entgeltkosten entlastet, so Peter.

Die tariflichen Regelungen sehen eine gestaffelte Aufzahlung auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes vor. Sie variieren je nach Ausfall von Arbeit. Es seien mindestens 80,5 Prozent des Nettoeinkommens abgesichert.

Beschäftigte verunsichert

Die Erste Bevollmächtigte sprach insgesamt von einer Verunsicherung vieler Beschäftigten, weshalb täglich viele Anrufe und Mails, die IG-Metall erreichen. Sie betonte: „Es ist wichtig, dass die Mitglieder wissen, dass sie sich an uns wenden können, dass keine Frage zu viel gestellt oder zu dumm ist.“