Das Angebot stimmt: Baden-Badens Attraktionen wie etwa eine Kutschfahrt in der Lichtentaler Allee führen dazu, dass die Zahl der Übernachtungen kontinuierlich steigt. | Foto: Kappler

Der positive Trend hält an

Baden-Baden boomt bei Übernachtungen weiter

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Der positive Trend bei den Übernachtung in Baden-Baden hält weiter an. Nachdem die Zahlen im gesamten vergangenen Jahr erstmals die Millionen-Grenze geknackt hatten, ist Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH (BBT), bei der Präsentation der Halbjahresbilanz 2017 zuversichtlich, dieses Ergebnis wieder erreichen oder noch toppen zu können. „Wir sind auf dem Weg zur zweiten Million“, meinte die BBT-Chefin scherzhaft.

Trotz höherer Bettenzahl steigt die Auslastung in Baden-Baden

Die Daten von Januar bis Juni belegen die anhaltende Aufwärtsentwicklung. Trotz einer höheren Bettenzahl mit der Neueröffnung des Hotels Roomers und dem Abschluss der Renovierung im Badischen Hof ist die Auslastung Waggershauser zufolge um zwei Prozent gestiegen. Hochgerechnet entspricht dieser Wert einer Auslastung von etwa 67 Prozent bei den verfügbaren Zimmern. „Das ist ganz ordentlich“, betonte Waggershauser.

Der Anteil der deutschen Gäste wächst

Bei den absoluten Zahlen kommt die BBT im ersten Halbjahr auf 462 120 Übernachtungen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von 4,8 Prozent. Zum Vergleich: Von Januar bis Juni 2016 lag der Zuwachs bei 1,1 Prozent. Gäste aus Deutschland und dem Ausland haben mit 4,9  und 4,7 Prozent fast den gleichen Anteil an dieser Steigerung.

Zahlen entwickeln  sich trotz schwieriger Weltlage positiv

Die BBT-Chefin freut sich, dass die Zahlen sich trotz der politisch teilweise schwierigen politischen Weltlage positiv entwickelt haben. Als einen wichtigen Grund für das starke erste Halbjahr nennt Waggershauser das Treffen der G-20-Finanzminister, das den Hotels schon im März volle Zimmer beschert habe. Die relativ späten Termine von Ostern und Pfingsten hätten zudem die Reiselust beflügelt.

Russland ist der stärkste Auslandmarkt

Im Ausland ist Russland mit einem Plus von 9,4 Prozent der stärkste Markt. Waggershauser zufolge ist die Entwicklung nach dem starken Einbruch vor einigen Jahren auf einem guten Weg: „Wir haben die Talsohle durchschritten“, ist sie zuversichtlich. Frankreich (plus 17,2 Prozent) und die USA (plus 20,7) Prozent zählen ebenso zu den Gewinnern wie Indien mit einem Plus von 28,5 Prozent. Waggershauser räumte jedoch ein, dass der Subkontinent noch ein sehr kleiner Markt sei.

Gäste aus dem arabischen Raum werden weniger

Große Einbrüche gab es bei den Besuchern aus den Arabischen Golfstaaten (minus 29 Prozent) und bei China/Hongkong (minus 11,2 Prozent). Waggershauser macht vor allem den niedrigen Ölkurs und die Flüchtlingsströme für den Rückgang der Gäste aus der arabischen Region verantwortlich. China hingegen sei ein sehr sensibler Reisemarkt, der stark von weltpolitischen Ereignissen bestimmt sei. Der gesamte asiatische Markt zeige ein Minus von zehn Prozent.

Das Rebland verzeichnet eine positive Entwicklung

Bei den Ankünften mit einem Plus von 5,5 und den Übernachtungen mit einem Plus von 4,5 Prozent liegt Baden-Baden nach Auskunft der BBT-Geschäftsführerin deutlich vor der gesamten Schwarzwald-Region und auch vor Baden-Württemberg. Neben der Kernstadt setzt sich die posierte Entwicklung auch im Rebland fort: Es kommt mit 23 605 Übernachtungen auf ein Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016.

Die Aufenthaltsdauer nimmt ab

Trotz der positiven Zahlen gibt es einen Wermutstropfen: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer nimmt ab und liegt jetzt bei rund 2,5 Tagen. Die BBT möchte darauf reagieren, indem sie ihre Marketingstrategie künftig mit einem „Höchstmaß an Flexibilität“ gestalten und Baden-Badens Niveau pro Markt und Zielgruppe weiter herausarbeiten möchte.

 

Kommentar zum Thema: Baden-Baden boomt, das ist keine Frage. Die Zahlen belegen, dass die Bäderstadt bei den Übernachtungszahlen seit Jahren einen Zuwachs erfährt. Die Destination im Oostal ist beliebt – vor allem bei den Gästen aus Deutschland. In der Statistik liegen sie mit großem Abstand vor den Besuchern aus dem Ausland. Und noch eine gute Nachricht: Der positive Trend aus dem Inland hält an. Das heißt, diese wachsende Nachfrage trägt dazu bei, die Schwankungen auf den internationalen Reisemärkten, die teilweise stark auf die jeweilige weltpolitische Lage reagieren, auszugleichen. Beispiele dafür sind die derzeit großen Einbußen bei Besuchern aus den Arabischen Golfstaaten und aus China/Hongkong.
Die Strategie der Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH, nur das hochpreisige Reisesegment zu bewerben, geht offenbar auf. Dass die Stadt trotz der höheren Bettenzahl die Auslastung gesteigert hat, spricht für sich. Das heißt, ein Ziel, wo die „Reichen und Schönen“ Urlaub machen, lockt automatisch auch weitere Besucher an. Allerdings müssen die Tourismus-Strategen wachsam sein. Trotz aller Beliebtheit geht die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zurück. Unterm Strich lässt sich das nur mit mehr Gästen kompensieren.
Wie wirtschaftlich bedeutend der Tourismus ist, macht der Faktor der Tourismusintensität deutlich, der die Übernachtungs- mit Einwohnerzahlen ins Verhältnis bringt: In Baden-Baden liegt dieser Faktor bei einer überragenden 18, in ganz Baden-Württemberg bei fünf. Das kann sich mehr als sehen lassen.