Das Friedrichsbad in Baden-Baden hat viele Vorbilder. Der Architekt Karl Dernfeld fügte dort zahlreiche Entwicklungen zusammen und schuf ein völlig neuartiges Kurbad. | Foto: Ulrich Coenen

BNN-Serie Friedrichsbad 3

Im Friedrichsbad gibt es Eleganz und Vollkommenheit wie nirgendwo in Europa

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Das Friedrichsbad in Baden-Baden war im 19. Jahrhundert das modernste Kurbad Europas. 1869 wurde nach Plänen von Karl Dernfeld der Grundstein gelegt. Die Kurstadt reagierte damit auf das drohende Glücksspielverbot. Mit Wellness statt Zocken wollte sie für die Gäste attraktiv bleiben. Die BNN-Serie beschreibt die spannende Baugeschichte. Dies ist Folge 3.

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Der junge Architekt Karl Dernfeld bereitete sich seit 1868 intensiv auf die Entwurfsarbeiten für das Friedrichsbad vor. Gemeinsam mit dem Arzt Carl Frech besichtigte er im Auftrag der Regierung bedeutende Badehäuser. Die Planunterlagen für das Friedrichsbad sind verschollen, die einzige Quelle, die Auskunft über die Reise Dernfelds und Frechs gibt, ist deshalb ein Aufsatz in den „Aerztlichen Mitteilungen aus Baden“, der im Jahr der Eröffnung 1877 erschienen ist. Der anonyme Autor berichtet, Dernfeld und Frech hätten „die besuchtesten Badeorte Deutschlands und Frankreichs, sowie hauptsächlich auch unter den Badeanstalten größerer Städte solche in Wien, Ofen-Pesth (Budapest) und Berlin eingehend besichtigt.“ Johann Loeser wiederholt diese Angaben in seiner berühmten Stadtgeschichte von 1891 lediglich.

Auf Besichtigungstour in Europa

In der modernen Fachliteratur werden diese Ausführungen ohne Angaben von Quellen präzisiert oder ausgeschmückt. So ist von den „bedeutendsten Kurstädten Deutschlands, Frankreichs und Österreich-Ungarns“ und den „bekanntesten Heil- und Stadtbadeanstalten Europas“ die Rede. Der Aachener Stadtbaumeister Joseph Stübben besuchte 1880 als Vorbereitung für einen unrealisierten Entwurf für das Quirinusbad in Aachen zwölf Badeorte in Deutschland, der Schweiz und Frankreich.

Im Gegensatz zu Dernfelds Reise ist die Stübbens hervorragend dokumentiert, weil der Stadtbaumeister nach seiner Rückkehr ein Büchlein über seine Eindrücke verfasste. Man darf davon ausgehen, dass die Bäder im französischsprachigen Raum, die Stübben in besonderer Weise beeindruckten, auch von Dernfeld besucht wurden. Zu nennen sind die Anlagen in Spa, Aix-les-Bains und Plombières.

Etwas völlig Neues

Das Friedrichsbad stellt gleich in mehrfacher Hinsicht in der Kurbad-Architektur ein Novum dar. Die Besonderheiten beschränken sich weder auf die mit der aufwendigen Fassadengestaltung und Innenarchitektur verbundenen Herrschaftsansprüche, noch auf die wohldurchdachte axialsymmetrische Grundrissgestalt. Im Friedrichsbad kulminiert vielmehr eine Entwicklung, die verschiedene Faktoren zusammenführt.

Erst die Summe dieser Merkmale ergibt das Friedrichsbad in seiner Neuartigkeit.
Die „Aerztlichen Mitteilungen aus Baden“ würdigen diese Einrichtung anlässlich ihrer Fertigstellung im Jahr 1877 folgendermaßen: „Mit der Eröffnung des Friedrichsbades in Baden enthält unsere Bäderstadt eine Musteranstalt, wie sie in keinem anderen Badeorte und selbst in keiner anderen Großstadt Europas in gleicher Eleganz und Vollkommenheit gefunden wird.“

Ohne Glückssielverbot kein Kurbad

Ohne das Verbot des Glücksspiels wäre das Kurbad in Baden-Baden nicht denkbar. Die Casinos bestimmten bis 1872 das gesellschaftliche Leben in den großen deutsche Kurorten. In Baden-Baden, Wiesbaden und Homburg stand Unterhaltung im Vordergrund, der Bau aufwendiger Kurhäuser hatte deshalb Vorrang vor Bädern, die für die Wirtschaftskraft der Städte keine Rolle spielten.

Kleine Kurorte bei Wellness führend

In den kleineren deutschen Kurorten und in den französischen Kurstädten, in denen es seit 1837 keine Spielbanken mehr gab, war die Situation eine andere. Die Therapie war von großer Bedeutung, um für die Gäste attraktiv zu bleiben. Dort und vor allem auch im Habsburgerreich sind die Vorbilder für das Friedrichsbad zu suchen. Das Glücksspielverbot in Frankreich im Jahr 1837 führte schließlich dazu, dass sich die großen Kurstädte dort bereits wesentlich früher als in Deutschland auf die therapeutischen Einrichtungen konzentrierten.

Das Graf-Eberhards-Bad in Wildbad (heute Palais Thermal) wurde 1847 vollendet und ist drei Jahrzehnte älter als das Friedrichsbad. | Foto: Naturpark Schwarzwald Mitte / Nord

In Vichy bauten Hugues Roze-Beauvais und François Agnety bereits 1817 bis 1824 ein aufwendiges, völlig symmetrisches Badehaus, das im Gegensatz zum etwa gleichzeitig ausgeführten Dampfbad und Armenbad in Baden-Baden auch repräsentativen Ansprüchen genügte. Vichy besaß damit das größte Thermalbad des frühen 19. Jahrhunderts in Westeuropa. Vergleichbare Einrichtungen gab es in Deutschland vor dem Bau des Graf-Eberhards-Bades in Wildbad, das erst 1840–47 erbaut wurde, nicht.

Die Franzosen machten es vor

In Frankreich entstanden hingegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe prächtiger Badehäuser, die neben Einzelbädern zum Teil auch über Gemeinschaftsbäder verfügten. Erhaltene Beispiele sind die Anlagen in Plombières und Luchon.

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