Die müssen raus: Försterin Sabine Heberlein-Wörner zeigt auch Tannen mit rot verfärbten Nadeln. Ihnen hat der Borkenkäfer zugesetzt.
Die müssen raus: Försterin Sabine Heberlein-Wörner zeigt auf Tannen mit rot verfärbten Nadeln. Ihnen hat der Borkenkäfer zugesetzt. | Foto: Bernd Kamleitner

Borkenkäfer bedroht Tannen

Im Stadtwald Baden-Baden: Rote Nadeln sind ein Alarmzeichen

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Försterin Sabine Heberlein-Wörner kann das schöne Wetter mit viel Sonne nicht wirklich genießen: In ihrem Revier sind wegen der Trockenheit immer mehr Weißtannen von Borkenkäfern befallen. Fast täglich entdeckt sie neue Problemfälle. Vor allem in tiefen Lagen und an Hängen, die viel Sonnenstrahlen abbekommen, weist der Stadtwald Tannen mit rötlich verfärbten Nadeln aus. In diesem Bäumen hat sich der Borkenkäfer eingenistet, vor allem der krummzähnige Tannenborkenkäfer. Um eine Massenvermehrung zu verhindern und um Schaden von gesunden Tannen abzuwenden, werden kranke Bäume rasch entfernt. Spaziergänger und Radfahrer müssen in Kauf nehmen, dass Waldwege zeitweise gesperrt sind.

Käfer und Larven unterbrechen den Saftstrom des Baumes

Borkenkäfer? Da denkt man zunächst an die Fichte, die in trockenen Jahren als sehr anfällig für die kleinen Schädlinge gilt. Durch den Fraß der Käfer und Larven in der Rinde wird der Saftstrom des Baumes unterbrochen, Nährstoffe können nicht mehr transportiert werden – das Todesurteil für die mächtigen Genossen.

Tanne nur an bestimmten Standorten betroffen

Trifft das jetzt auch die Tanne, der man im Schwarzwald trotz des Klimawandels eine Zukunft bescheinigt? Eigentlich, klärt Thomas Hauck, Chef des Fachgebiets Forst und Natur der Stadtverwaltung auf, verträgt die Tanne Trockenheit und liebt Wärme – ganz anders als die Fichte.

Aber im Stadtwald gibt es Standorte, die von den Forstexperten „als mäßig trocken“ bezeichnet werden. Hier ist die Wasserversorgung der Bäume schlechter, weil auf dem Granitgestein nur eine recht geringe Erdschicht liegt – wie etwa am Cäcilienberg oberhalb von Lichtental. Dort sind Bäume gefährdet, die nach der Trockenheit schwächeln. Auf den meisten anderen Standorten im rund 7 500 Hektar großen Stadtwald könne die Tanne dagegen dem Klimawandel durchaus trotzen, so die Forstleute.

Naturverjüngung funktioniert sehr gut

Auf Flächen, die schon Kahlstellen zeigen, weil kranke Tannen entfernt wurden, setzten sie auf die Kräfte der Natur. „Das funktioniert hier sehr gut“, erläutert Hauck. Gemeint ist die Naturverjüngung. Die Hoffnung: Vielleicht gewöhnt sich der Baumnachwuchs mit der Zeit an die Standortbedingungen und wird resistenter als die Mutter. Wenn nicht, folgt die natürliche Lösung: Dann werden die Tannen nicht mehr so alt.

Tannen können über 500 Jahre alt werden

Im Wirtschaftswald erreichen Tannen ein Alter von bis zu 150 Jahren, tatsächlich können sie 500 Jahre und noch älter werden. Im Kampf gegen den Borkenkäfer wird im Baden-Badener Stadtwald übrigens komplett auf die chemische Keule, sprich Insektizide, verzichtet, betont Hauck.

Holzpreise  sind im Keller

Befallene Bäume müssen rasch entfernt werden. Aus ihnen wird – je nach Zustand – Bauholz, andere werden zu Paletten für die Verpackungsindustrie oder zu Hackschnitzel verarbeitet – für die Energiegewinnung. Weil derzeit große Mengen an Käferholz auf dem Markt sind, sind die Preise in den Keller gefallen. Noch ein Problem!

Försterin wünscht Bäumen nasses und kühles Jahr

Försterin Heberlein-Wörner hofft, dass möglichst viele ihrer Tannen überleben. „Das hängt vom Wetter ab“, sagt sie. Die Bäume bräuchten ein nasses und kühles Jahr.

 

Krumme Zähne? Der krummzähnige Tannenborkenkäfer hat keine krummen Zähne. Vielmehr heißt das Tierchen so, weil es auf seinen Flügelklappen zahnähnliche Gebilde hat, die krumm sind. Insgesamt kommen an der Weißtanne vier Borkenkäferarten und ein Rüsselkäfer vor.