Das Krankenhaus Bühl soll neue Angebote erhalten: eine Kurzzeitchirurgie und Sportmedizin. | Foto: Bernhard Margull

Neue Bühler Klinikstrukturen

Impulse durch Kurzzeitchirurgie

Die Zusammenlegung der Klinikstandorte Bühl und Baden-Baden zu einem einheitlichen Krankenhaus zum 1. Januar 2017 ist jetzt amtlich: Am Mittwoch ist über das Regierungspräsidium Karlsruhe der Genehmigungsbescheid des baden-württembergischen Sozialministeriums eingegangen. Es war just auch der Tag, an dem der Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden das Konzept der Geschäftsleitung zur Weiterentwicklung des Krankenhauses Baden-Baden/Bühl gebilligt hat. Am Freitag stellte Geschäftsführer Jürgen Jung die Pläne vor.

7,2 Millionen Euro an Investitionen

Für ihre Umsetzung gibt das Klinikum etwa 7,2 Millionen Euro aus. Davon entfallen zwei Millionen Euro auf Bühl. Sie dienen vier Vorhaben. Ganz wesentlich ist der Aufbau eines Zentrums für Kurzzeitchirurgie mit ambulanten und kurzzeitstationären operativen Angeboten. Laut Jung werden die vorhandenen drei OP-Säle überwiegend neurochirurgisch genutzt; außerdem gebe es Hüftoperationen, vor allem aber kleinere Eingriffe, die in aller Regel planbar seien. Diese in Bühl zu bündeln, solle auch Balg entlasten, wo es oft lange Wartezeiten gebe. Für den Aufbau der Kurzzeitchirurgie müsse der OP-Funktionsbereich umgebaut werden. Ein weiterer Saal komme hinzu, Aufwachräume und Abläufe würden neu gestaltet. Die Planungen seien schon sehr weit, es könne nun an den Bauantrag gehen, um im vierten Quartal 2017 starten zu können. „Das wird das Haus elementar neu beleben“, hofft Jung.

Sportmedizin in Bühl

Spätestens zum 1. Juni bereits soll in Bühl ein sportmedizinisches Zentrum die Arbeit aufnehmen. Die leitenden Ärzte Marc Bientzle und Paul Hefner bauen einen Anlaufpunkt für die Diagnose auf, auch kleinere Operationen seien möglich. Ausdrücklich betonte Jung, dass man keine Konkurrenz zu niedergelassenen Haus- oder Fachärzten wolle, sondern vielmehr die Zusammenarbeit mit ihnen verbessern wolle. Auch solle eine bessere Verbindung zu sporttreibenden Vereinen erreicht werden. Zwei weitere Vorhaben in Bühl sind die Zusammenführung der Intensivüberwachungseinheit und der Notaufnahme zu einer bettenführenden Zentralen Notaufnahme und der Ausbau der Altersmedizin. Dort soll in einem ersten Schritt die Bettenzahl auf 28 erhöht werden, es sei aber auch ein weiteres Ansteigen auf 40 Betten denkbar.

Mutter-Kind-Zentrum in Baden

In Baden-Baden, wo zum 1. Juli dieses Jahres Professor Emmanuel Chorianopoulos vom Uni-Klinikum Heidelberg die Stelle des kardiologischen Chefarztes antritt, wird ein neuer Linksherzkathetermessplatz inklusive Elektrophysiologie aufgebaut, vier zusätzliche Intensivbetten sind ebenso geplant wie der Ausbau des urologischen Angebots, die Ergänzung der Kinderklinik um ein neuropädiatrisches Angebot und der Ausbau der onkologischen Viszeralchirurgie und des Darmzentrums sowie eine Adipositaschirurgie. Eine Folge der Schließung der Bühler Geburtshilfe ist die Schaffung eines Mutter-Kind-Zentrums in Baden-Baden. Es soll im Laufe der nächsten zwölf Monate auf der vierten Etage entstehen und „alles rund um die Geburt“ bündeln, so Jung.

Verantwortung für zwei Standorte

Ein einheitliches Krankenhaus Baden-Baden/Bühl bedeutet auch einheitliche ärztliche Leitungsstrukturen. „Jeder Chefarzt hat Verantwortung für zwei Standorte und muss das auch leben“, sagte Jung. In den vergangenen Jahren habe man in Bühl Lehrgeld bezahlt, als vor Ort kein Chefarzt gewesen war und das auf Unverständnis bei den Patienten gestoßen war. Deshalb müsse die ärztliche Leitung eines Bereichs immer auch Präsenz an beiden Standorten zeigen, wie es der Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin, Thomas Iber, in den vergangenen drei Jahren für Baden-Baden und Bühl schon gemacht habe. Das Konzept werde auch von den Chefärzten und leitenden Ärzten mitgetragen. Das Pflegepersonal werde dagegen eher standortgebunden arbeiten, mit Ausnahme einiger spezialisierter Bereiche, so Jung.

Basisfallwert reicht nicht aus

Margret Mergen, die Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums Mittelbaden, und ihr Stellvertreter Jürgen Bäuerle machten deutlich, dass mit den geplanten Neuerungen das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sei – schon deswegen, weil die von der Gesundheitspolitik gesetzten Rahmenbedingungen Jahr für Jahr neue Anstrengungen erforderten. Sicher gehe es der Politik um Kostensteuerung und – senkung, Krankenhäuser aber hätten darunter zu leiden. Der Basisfallwert etwa, der den Abrechnungen zugrunde liegt, bilde in Baden-Württemberg die wirklichen Kosten nicht ab; nach den aktuellen Tarifverhandlungen dürfte die Lücke noch einmal größer werden. Das Ziel müsse es sein, dass das Klinikum sich selbst trägt, weshalb Veränderungen immer wieder nötig seien. Dabei sprach Mergen der Klinikleitung volles Vertrauen aus: „Wir sind auf einem guten Weg“. Das sah auch Jürgen Bäuerle so. Die bei der Diskussion um die Schließung der Bühler Geburtshilfe gemachten Ankündigungen zur Weiterentwicklung in Bühl würden umgesetzt: „Wir haben Wort gehalten“. Darüber freute sich auch Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr: „Das ist ein guter Tag für unser Krankenhaus“. Er sei seinen Kollegen im Aufsichtsrat und der Geschäftsleitung dafür sehr dankbar. Es gehe voran in Bühl, die planbaren Operationen würden das Haus beleben.

„Potenzial besser ausschöpfen“

Jürgen Jung sieht das Krankenhaus Baden-Baden/Bühl nach der Zusammenlegung in einer Größenordnung (570 Betten, 125 Millionen Euro Jahresumsatz), die der Bundespolitik genehm sein sollte. Da schon bisher 20 Prozent der rund 21 000 stationär im Balg behandelten Patienten aus Bühl und Umgebung stammten, sei die Zusammenlegung konsequent. Er verspreche sich durch Standardisierung von Abläufen einige 100 000 Euro an Einsparungen, aber es gehe auch darum, das vorhandene Patientenpotenzial besser auszuschöpfen. Das gelte vor allem für den südlichen Landkreis Rastatt. Mit einigen Veränderungen, etwa einer einheitlichen Telefonnummer bei der Zuweisung, wolle man „deutlich verlässlicher“ werden und dadurch neue Patienten gewinnen.

Klinikkennzahlen 2016
Bühl:
• 164 Betten
• 210 Vollkräfte
• 5 932 stationäre Patienten
• 6,18 Tage Verweildauer
• 240 Geburten (bis August)
• 23 Millionen Euro Umsatz
Baden-Baden:
• 406 Betten
• 854 Vollkräfte
• 21273 stationäre Patienten
• 5,23 Tage Verweildauer
• 1 239 Geburten
• Umsatz 100 Millionen Euro