Los geht die Reise: Das Theater Baden-Baden hat für „Fit fürs Abi in fünf Tagen“ zehn Gedichte der Reiselyrik hinter QR-Codes an Bushaltestellen versteckt. Der Start- und Infopunkt befindet sich direkt vor dem Theater.
Los geht die Reise: Das Theater Baden-Baden hat für „Fit fürs Abi in fünf Tagen“ zehn Gedichte der Reiselyrik hinter QR-Codes an Bushaltestellen versteckt. Der Start- und Infopunkt befindet sich direkt vor dem Theater. | Foto: Alina Meier

Fit fürs Abi in fünf Tagen

In Baden-Baden begeben sich Abiturienten auf eine lyrische Reise per QR-Code

Anzeige

Wer in den vergangenen Tagen in Baden-Baden auf den Bus gewartet hat, hat sie vielleicht schon entdeckt und sich gewundert. An zehn Bushaltestellen in der Innenstadt prangen plötzlich große QR-Codes. Wer sie mit dem Smartphone scannt, begibt sich auf eine „Lyrische Reise“. Sie ist Bestandteil des Festivals „Fit fürs Abi in fünf Tagen“ des Baden-Badener Theaters.

Bereits zum elften Mal bietet das Theater diese besondere Art der Prüfungsvorbereitung, die Jagd nach den QR-Codes wird im zweiten Jahr angeboten. „Es ist das gleiche Prinzip aber umgemünzt auf ein anderes Thema“, erklärt Sebastian Ganz, Assistent der Technischen Leitung, beim begleiteten Eröffnungsrundgang.

Ab dem Abitur 2020 ist das Leitthema der gymnasialen Oberstufe „Reiselyrik vom Sturm und Drang bis zur Gegenwart“. Die Bushaltestellen sollen auch bildhaft für die Reisethematik stehen, obwohl man sie heute nicht mehr unbedingt mit dem Reisen, sondern mit Alltag und Stress verbinde. „Wir wollten etwas Schönes, Kleines in der Stadt verstecken“, verrät Ganz.

Mehr zum Thema: Gehen Schüler nur noch mit Nachhilfe ins Abi?

Zehn Gedichte der Reiselyrik aus verschiedenen Epochen verstecken sich hinter den Codes

Die Reise beginnt an einem großen orangenen Info-Aufsteller direkt am Theater. Er zeigt auch die grobe Verteilung der Codes an den Haltestellen. Wer den Code scannt, wird von der Stimme der Schauspielerin Catharina Kottmeier begrüßt und ins Thema eingeführt.

Die insgesamt zehn Gedichte stammen zum Beispiel von Erich Kästner, Joseph von Eichendorff oder der Baldreit-Stipendiatin Rike Scheffler und wurden von Mitarbeitern des Theaters eingesprochen.

Jüngere Stimmen symbolisieren den Aufbruch und ältere Stimmen eher die Ankunft.

Sebastian Ganz

Dabei ging es nicht nur nach der persönlichen Vorliebe des Sprechers. „Jüngere Stimmen symbolisieren den Aufbruch und ältere Stimmen eher die Ankunft“, erklärt Ganz. Auch Intendantin Nicola May hat es sich nicht nehmen lassen und Ulla Hahns „Reisesegen“ eingesprochen.

Nicht nur die Sprecher wurden nach verschiedenen Kriterien ausgesucht, auch die Haltestellen mussten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Codes mussten gut sichtbar und vom Gehweg aus sicher zu scannen sein, erklärt Ganz. Denn man achtet ja durchaus auch mal weniger auf seine Umwelt, wenn man in die Lyrik eintaucht.

Auch interessant: Nach Lehrer-Kritik: Bürgermeister im Landkreis Karlsruhe machen sich für Gemeinschaftsschulen stark

Gut sichtbar und vom Gehweg aus sicher zu erkennen müssen die QR-Codes an den Bushaltestellen angebracht sein.
Gut sichtbar und vom Gehweg aus sicher zu erkennen müssen die QR-Codes der „Lyrischen Reise“ an den Bushaltestellen angebracht sein. | Foto: Alina Meier

„Es ist einfach eine schöne Art der Präsentation“, sagt Ganz. Das Theater erreiche auf diese Weise auch Menschen, die nicht ins Theater gingen.

Positives Feedback auch von Nicht-Abiturienten

Die in der Stadt verteilten QR-Codes sprechen nicht nur Abiturienten an. Schon als sie die Codes an den Haltestellen anbrachte, hätten sich jüngere Schüler dafür interessiert, erzählt Nina Hirschberger, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Theater Baden-Baden macht.

Auch interessant: Gymnasiallehrer üben herbe Kritik an Gemeinschaftsschulen: „Das ist eine komplette Sackgasse“

Schon im vergangenen Jahr habe er auch von Nicht-Schülern ein sehr gutes Feedback bekommen, sagt Sebastian Ganz. Da seien etwa zwei ältere Damen im Park auf ihn zugekommen und hätten bedauert, dass die Codes nicht länger verfügbar seien, denn sie hätten ja noch gar nicht alle Gedichte angehört.

Wer noch in den Genuss kommen will, muss sich beeilen, denn die Codes hängen nur noch bis zum Ende der Festival-Woche am 14. Februar. Also, los geht die Reise!