Die Schaulustigen standen dicht gedrängt: Am 21. August 1910 wurde das Luftschiff LZ 11 Viktoria Luise auf dem Flugplatz Oos bestaunt. Für die Zeppeline war auf dem Gelände eine gewaltige Luftschiffhalle gebaut worden.
Die Schaulustigen standen dicht gedrängt: Am 21. August 1910 wurde das Luftschiff LZ 11 Viktoria Luise auf dem Flugplatz Oos bestaunt. Für die Zeppeline war auf dem Gelände eine gewaltige Luftschiffhalle gebaut worden. | Foto: Archiv

Auswirkungen der Corona-Krise

In Baden-Baden startete vor 110 Jahren der erste Zeppelin für einen Passagier-Flug

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Es gab einen Grund zum Feiern, doch die Corona-Krise hat auch dem Aero-Club Baden-Baden und der Fliegergruppe Gaggenau einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am 20. und 21. Juni wollten die beiden Vereine das 110-jährige Bestehen des Flugplatzes Oos feiern.

Die Anlage ist nach Angaben der Klubs die zweitälteste in Deutschland. Das Fest stand allerdings auch unter dem Vorzeichen einer ungewissen Zukunftsperspektive: Weil die Stadt Baden-Baden weitere Gewerbeflächen ausweisen möchte, steht möglicherweise die Umwandlung des Flugplatzes in ein Gewerbegebiet an – wenn der Gemeinderat dem Wunsch der Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) folgt.

Das Flugplatzfest haben die Vereine wegen der Corona-Krise bereits abgesagt. „Wir holen das Fest im nächsten Jahr nach“, betont Aero-Club Patrik Ullrich.

Ob es nach dieser im Jahr 2021 geplanten Veranstaltung jemals noch ein weiteres Flugplatz-Jubiläumsfest geben wird, steht in den Sternen. Der Vertrag der Vereine mit der Stadt verlängert sich derzeit ohne eine Kündigung jeweils um zwei Jahre.

Luftsportverein und Fliegergruppe stehen vor dem Aus

Bei einem Gespräch mit dem Segelflug- und Luftsportverein Aero-Club Baden-Baden und der Fliegergruppe Gaggenau ist den Vereinen offenbart worden, dass die Stadt den Vertrag Ende 2022 auf das Jahr 2024 kündigen werde. Das könnte das Aus der beiden Vereine bedeuten. Geländealternativen oder Anschlüsse an andere Klubs in der Region sind offenbar nicht möglich, weil diese keine Kapazitäten haben.

Mehr zum Thema: Flugplatz Baden-Oos und Luftsportvereinen droht das Aus

Dem Aeroclub gehören etwa 120 Mitglieder an. Ebenso viele zählt die Fliegergruppe Gaggenau. Luftfahrtgeschichte wurde zuletzt am 24. und 25. Juli des Jahres 2010 in Oos gefeiert und damals an die Eröffnung des Flugplatzes im Jahr 1910 erinnert. Gastgeber waren der Aero-Club Baden-Baden und die Fliegergruppe Gaggenau.

Patrik Ullrich, Vorsitzender des Aeroclub Baden-Baden., sitzt in einem Oldtimer-Motorflugzeug vom Typ D-ELHT (PA 18) des Vereins.
Patrik Ullrich, Vorsitzender des Aeroclub Baden-Baden, sitzt in einem Oldtimer-Motorflugzeug vom Typ D-ELHT (PA 18) des Vereins. | Foto: Bernd Kamleitner

Die Vereine betreiben den Platz in Eigenregie, seit im Jahr 2000 der Verkehrslandeplatz Oos geschlossen und die Motorflieger auf den Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden in Rheinmünster-Söllingen verlagert wurden.

Geschichte des Flugplatzes in Baden-Baden-Oos ist eng mit dem Zeppelin verknüpft

Die Geschichte des Flugplatzes in Oos ist eng verknüpft mit der Geschichte des Zeppelins. Der verkehrte damals ab Baden-Baden im Liniendienst: Anfang des Jahres 1910 wurde dafür eine gewaltige Luftschiffhalle auf dem Gelände westlich des Bahnhofes Baden-Oos errichtet. Auf einer Grundfläche von 160 mal 30 Metern erhob sich das fast 30 Meter hohe Gebäude.

Neben dieser Luftschiffhalle wurden noch ein Werkstattgebäude und ein Lager gebaut, dazu ein von der Bahnstrecke abzweigendes Gleis, auf dem die Waggons mit dem Wasserstoffgas angefahren werden konnten. Die Einweihung fand vom 22. bis 24. Juli 1910 mit einem Fliegermeeting statt, haben Mitglieder der Vereine in historischen Unterlagen recherchiert.

„Der Eindecker des Piloten Behrend erreichte eine Höhe von 30 Metern, während der des Piloten Jeannin mit seinem Aviatik-Zweidecker eine Höhe von 74 Metern erreichte“, ist unter anderem in einer Chronik zu lesen.

200 Mark für einen Passagier-Flug mit dem Zeppelin

Die Menschen zeigten am Geschehen großes Interesse: Auf Tribünen und Stehplätzen drängten sich Tausende, heißt es. Pünktlich zur Iffezheimer Rennwoche traf am 21. August 1910 Uhr das Luftschiff Viktoria Luise von Friedrichshafen kommend in Baden-Oos ein. Zahlreiche Schaulustige begrüßten das 144 Meter lange Luftschiff.

Gegen eine Mark Eintritt konnte die Bevölkerung den Zeppelin in der Halle besichtigen. Am 23. August 1910 begann dann in Oos die Geschichte des deutschen Passagier-Luftverkehrs. Das Luftschiff stieg zur ersten offiziellen Passagierfahrt in Deutschland auf.

An Bord: nur betuchte Passagiere. Zwölf Personen leisteten sich das Vergnügen, stolze 200 Mark kostete damals die Fahrkarte für die knapp zweistündige Rundfahrt über Mittelbaden. Bis zum 14. September fanden täglich Rundfahrten statt, dann geschah ein folgenschweres Unglück. Darüber berichten wir in einer weiteren Folge zur Geschichte des Flugplatzes.