Fast zwei Drittel der städtischen Straßen in Baden-Baden weisen Schäden auf. | Foto: Kraufmann/dpa

Handlungsbedarf

In Baden-Badens Straßennetz sind 110 Kilometer marode

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Das Straßennetz in Baden-Baden hat eine Gesamtlänge von 600 Kilometer. Davon ist weniger als die Hälfte in einem einwandfreien Zustand, wurde auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses bekannt. Auf 110 Kilometern bestehe demnach dringender Handlungsbedarf.

Die städtischen Straßen sind über weite Strecken in marodem oder schlechtem Zustand. Das ist keine neue Nachricht und im Rathaus seit Langem bekannt. Das genaue Ausmaß mit dem detaillierten Schadensbild steht jetzt fest: Ute Stöckner vom Steinbeis-Transferzentrum Infrastruktur-Management im Verkehrswesen präsentierte in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umlegungsausschusses das Ergebnis einer umfassenden Bestandsaufnahme.

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Demnach besteht für 909 Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 110 Kilometern dringender Handlungsbedarf. Weitere 2 137 Abschnitte, die einer Länge von 270 Kilometern entsprechen, sollte die Stadt Stöckner zufolge im Blick behalten. Zum Vergleich: Das komplette Straßennetz der Stadt umfasst rund 600 Kilometer.

Straßenscans mit aufwendiger Messtechnik

Diese Daten gehen aus einer Untersuchung zum Straßenzustands-Kataster hervor, die das Rathaus im vergangenen Jahr im Auftrag gegeben hatte. Ein Spezialfahrzeug der Firma TÜV Rheinland Schniering erfasste von Sommer bis Herbst systematisch das gesamte städtische Straßennetz. Hinzu kamen rund 320 Kilometer Fuß- und Radwege (inklusive Gehwege). Die Untersuchung erstreckte sich weiter auf sämtliche Plätze und Flächen für den sogenannten ruhenden Verkehr sowie die Treppen mit einer Gesamtlänge von 6,5 Kilometern.

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Ein mit spezieller Messtechnik ausgestattetes Fahrzeug ermittelte die Daten. Kameras an der Vorderseite scannten die Straßenoberfläche in einem Raster von 1,5 mal einem Meter. Stroboskoplichter leuchteten die Abschnitte aus, um gleichmäßige Messwerte zu garantieren.

Zudem tasteten Laser-Distanz-Sensoren die Straßen im Längs- und Querprofil auf Unebenheiten und Spurrillen ab. Diese Technik erlaubt es, Risse und kleinste Unebenheiten zu erkennen, die dem bloßen Auge entgehen können.

Prioritätenliste gefordert

Das Steinbeis-Transferzentrum lieferte eine erste Kostenschätzung für die erforderlichen Sanierungen. Demnach sind für die Straßen mit dringendem Handlungsbedarf etwa 42 Millionen Euro fällig. Bei der zweiten Kategorie geht Stöckner von rund 66 Millionen Euro aus. Sie wies darauf hin, dass diese Kosten steigen könnten, wenn die Stadt nicht reagiere und der Straßenzustand sich weiter verschlechtere.

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Zudem sei bei der Kalkulation nicht berücksichtigt, dass möglicherweise im Unterbau noch Überraschungen stecken könnten. Stöckner regte an, die Stadt und der Gemeinderat sollten sich angesichts des Sanierungsstaus auf eine Prioritätenliste verständigen, um den Finanzbedarf im Haushalt berücksichtigen zu können.

„Es geht darum, unser Vermögen zu erhalten“, betonte Bürgermeister Alexander Uhlig. Es gebe jetzt eine systematische Grundlage für die anstehenden Aufgaben. Die Verwaltung müsse nicht mehr wie bisher, nach Einzelkontrollen auf Zuruf reagieren.

Auf Nachfrage von Wolfgang Niedermeyer (FBB) und René Lohs (FDP) sicherte der Dezernent zu, vom Fachgebiet Tiefbau eine Prioritätenliste erstellen zu lassen, über die der Gemeinderat abstimmen werde. Nach Ansicht von Rolf Pilarski (FDP) zeigt das Gutachten, dass die Verwaltung in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben nicht gemacht habe. Für Kurt Hochstuhl (SPD) ist die Bestandserfassung methodisch nachvollziehbar und deshalb ein Mehrwert.