Mit Geisterrennen startet Rennveranstalter Baden Racing beim Frühjahrsmeeting am kommenden Wochenende in die neue Saison. | Foto: Kraft

Saisonstart der anderen Art

In Iffezheim startet die Saison mit Geisterrennen

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Saisonstart mit Geisterrennen: Der badische Rennveranstalter Baden Racing wird am kommenden Wochenende auf der Galopprennbahn in Iffezheim „Leistungsprüfungen im Sinne der gesetzlichen Vorgaben für die Vollblutzucht“ anbieten.

Am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Mai, sind jeweils zwölf Rennen geplant, darunter vier aus sportlicher und züchterischer Sicht besonders wertvolle Gruppe-Prüfungen. „Wir haben grünes Licht. Das Papier mit dem Stempel drauf fehlt zwar noch, aber die mündliche Zusage von Kultusministerin Susanne Eisenmann habe ich bereits“, verriet Baden Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister am Montagmorgen bei einem Pressetermin auf der Iffezheimer Rennbahn.

Zuschauer sind zu den „Geisterrennen“ nicht zugelassen. Es gelten bei dem auf zwei Renntage verkürzten Frühjahrsmeeting strenge Hygiene- und Abstandsregeln.

Große Woche wird wohl in den September verschoben

Die BBAG-Frühjahrs-Auktion, die am 22. Mai hätte stattfinden sollen, fällt aus und soll laut der Baden-Badener Auktionsgesellschaft „je nach Entwicklung der Corona-Situation“ nachgeholt werden. Die Große Woche wird nach Auskunft von Jutta Hofmeister voraussichtlich in den September verschoben, „um den 31. August zu umgehen“, wie sie sagte.

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Nach einer Mitte März verordneten Corona-Zwangspause wird seit 7. Mai in Deutschland wieder galoppiert. Nachdem der Kölner Dachverband „Deutscher Galopp“ am 8. April seine vorläufige Renntags-Planung für den Zeitraum 1. Mai bis 15. Juni vorgestellt hatte, reichte Baden Racing am 27. April beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Kultusministerium des Landes ein Hygiene- und Abstandskonzept für die Leistungsprüfungen ein.

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Leistungsprüfungen gemäß Tierzuchtgesetz

„Der Dachverband hat es entwickelt und die Rennbahnen haben es adaptiert“, berichtet Hofmeister, dass der Galoppsport nur deshalb früher beginnen konnte, „weil wir keine Kontaktsportart betreiben, sondern einen Nischensport mit Leistungsprüfungen gemäß Tierzuchtgesetz.“ In Baden-Württemberg seien Profisport-Veranstaltungen erst seit 15. Mai wieder erlaubt.

Im Gespräch zeigt sich die Geschäftsführerin froh darüber, dass Trainer, Reiter, Stallpersonal und sonstige Aktive jetzt wieder Verdienstmöglichkeiten haben und Zuchtleistungen ermittelt werden können, die von großer Bedeutung für den späteren Zuchtbetrieb sind.

Geisterrennen könnten für Veranstalter defizitär werden

Insofern sei es für den Galoppsport existenziell wichtig, dass Rennen stattfinden – auch wenn Rennpreise und Züchterprämien halbiert wurden, wie sie sagt. Auf der anderen Seite macht Hofmeister kein Hehl daraus, dass die Geisterrenntage für den Veranstalter defizitär werden könnten.

Für den Galoppsport ist es wichtig, das wieder Rennen stattfinden.

Jutta Hofmeister, Baden Racing-Geschäftsführerin 

„2020 haben wir noch gar nichts verdient. Und jetzt fallen die Eintrittsgelder und die Einnahmen aus den Bahnwetten weg. Es gibt so gut wie kein Sponsoring. Unsere Hoffnung ruht jetzt auf einer Steigerung der Umsätze aus den Online-Wetten.

Baden Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister. | Foto: Kraft

Nur so kommen wir vielleicht mit einem blauen Auge davon“, verweist Hofmeister auf drohende Verluste im fünfstelligen Bereich. Zum Hygiene- und Abstandskonzept teilt sie mit, dass die bekannten Regelungen gelten.

Zuschauer, Pferdebesitzer, Züchter und Amateurrennreiter dürfen nicht auf die Bahn, können aber die Rennen und das digitale Unterhaltungsprogramm per Livestream kostenfrei im Internet verfolgen.

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Geschäftsführerin hofft auf Steigerung des Außenwettanteils

Für Zaungäste ist das Meeting wenig attraktiv. Denn die Gemeinde Iffezheim lässt die Freiflächen und den Kapellenberg sperren. Zutritt auf das Betriebsgelände haben nur rund 70 Personen, die für den Rennbetrieb zwingend notwendig sind. Das sind Profi-Rennreiter, Trainer, Pferdeführer, Starterteam, Stempler, Dopingkontrolleure, Techniker, Sanitäter, Tierarzt, Arzt, Kameraleute und alle Offiziellen.

Jede anwesende Person muss permanent einen Mund- und Nasenschutz tragen. Dasselbe gilt auch für die Jockeys während der Rennen. Zum Umkleiden werden die Reiter großflächig verteilt. Siegerehrungen mit Pathos und Hymne wird es ebenso wenig geben wie eine Bewirtung durch Vereine. Das Wettstar-Wettbüro bleibt geschlossen.

Trainer Manfred Weber bei der Morgenarbeit auf der Rennbahn Iffezheim

Trainer warten sehnsüchtig, dass es wieder losgeht

In der Iffezheimer Trainingszentrale gelten dieselben Abstands- und Hygieneregeln. Dort herrscht trotz Corona fast Normalbetrieb. Schließlich müssen die Vollblüter fit gemacht werden für die Leistungsprüfungen.

„Auf die warten hier alle sehnsüchtig“, berichten Trainerin Carmen Bocskai und ihr Ehemann, der vierfache Jockey-Champion Georg Bocskai, die wie alle Iffezheimer Trainer ihre Vierbeiner zumeist in Frankreich satteln. „Wir hoffen, dass die französischen Bahnen ab Juni auch wieder für ausländische Starter geöffnet werden“, so die Eheleute Bocskai.