Nickerchen Pressezentrum G20

Journalisten in Baden-Baden

Infos fliegen per SMS

Anzeige

Geduld gehört dazu, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble zum Abschluss der Gespräche der Finanzminister und Notenbankchefs in Baden-Baden mit kaum greifbaren Ergebnissen. „Wir haben so den Eindruck, dass es beim fast alles überragenden Thema Handelsbeziehungen hier mehr oder weniger hinter den Kulissen um die USA gegen den Rest der Welt geht“, bringt es Martin Schmidt, der für die ARD aus Baden-Baden berichtet, auf den Punkt.

Journalisten fühlen sich abgeschottet

Es sei, als ob die Vertreter hier permanent darauf schauten, welche Statements Angela Merkel und Donald Trump bei ihrem Treffen und im Nachhall diesbezüglich abgeben und sie stünden in engem Kontakt mit der Administration in Washington.  Unisono herrscht unter den befragten Journalisten abgesehen von den Inhalten die Meinung, von den eigentlichen Vorgängen bei diesem G20-Gipfel nahezu abgeschottet zu sein. „Wir sind hier in diesem Kongresszentrum zwar für unsere Arbeit technisch gut angebunden. Aber die Musik spielt eben nicht hier. Will heißen, wir Journalisten haben – vielleicht auch den Sicherheitsgründen geschuldet – kaum eine Chance für enge Kontakte mit den Gipfelteilnehmern, die sich überwiegend im Kurhaus aufhalten“, erklärt der Journalist, der mehrmals am Tage Aufsager und Berichte für ARD aktuell sowie die Tagesthemen beisteuert. Es sei unglaublich, aber selbst in China sei man näher am Ort des Geschehens gewesen.

Enger Kontakt per SMS

Um trotz der räumlichen Entfernung dennoch an die aktuellen Entwicklungen und Trendwenden heranzukommen, unterhält Schmidt einen engen Kontakt „mit Leuten, die dort nahe an den Geschehnissen dran sind“. Das geschieht in regelmäßigen Abständen nahezu geräuschlos per SMS.
Diese Arbeitsweise sei im laufenden Betrieb natürlich schwieriger, als wenn er die mit den Verhandlungen Betrauten und deren Mitarbeiter direkt während der Pausen in den Wandelhallen befragen könne. „Die Berichterstattung lebt eben nicht allein von weitergereichten Fakten. „Wenn Sie mit jemanden, der frisch aus den Verhandlungen kommt, quasi vor der Tür reden, dann besteht die Möglichkeit, etwas von der eigentlichen Stimmung zu erfahren, die dort drinnen wirklich herrscht“, bedauert Martin Schmidt die Reduzierung seines Arbeitsfeldes auf den „Satellit“ Pressezentrum im Kongresshaus.

Handelsfrage bislang Papiertieger

„So wie es ausschaut, wurde bei den Verhandlungen ordentlich gemauert und die Finanzminister ziehen sich zurück und überlassen ihren Chefs das Feld, wenn diese sich zum G20-Gipfel in Hamburg treffen“, beurteilt Wirtschaftsredakteur Henrik Böhme von der Deutschen Welle. Er berichtet seit nahezu 20 Jahren über Gipfeltreffen. „Das hier in Baden-Baden ist auf keinen Fall Business as usual“, betont er, denn zum ersten Mal würden die Handelsfragen ernsthaft durchgespielt. Bislang sei am Ende im Communiqué immer der Papiertiger gestanden, dass die Gipfel-Teilnehmer unisono für einen freien Handel einstünden. „Das ist aber in der Realität schon lange nicht mehr so“, gibt er zu bedenken.

Themen bleiben auf der Strecke

Schade sei, dass andere wichtige Themen wie Finanztransaktionen, Klimaschutz und die Schäuble-Initiative „Compact with Africa“ mehr oder weniger auf der Stecke geblieben seien. Dabei gehe es um wirtschaftliche Unterstützung von Afrika und bessere Bedingungen für Investitionen, um unter anderem die Tendenz zu Wanderungsbewegungen zu mildern. Kritische Fragen wusste Finanzminister Schäuble „in der Sache zwar nicht zu Ende gegangen, aber gut vorangekommen“ zu beantworten. Auch die nicht einfach sprachlich zu verstehende Frage einer chinesischen Journalistin griff der Badener ohne Zögern auf und präsentierte in bestem Englisch einen kleinen Überblick mit Einschätzung zu den Handelsbeziehungen mit China.