Babo-Besitzer Hüseyin Aydogan (Mitte) hält an seinem Projekt fest. Von links Architekt Danny Azakir, Stadtrat Werner Schmoll, Hüseyin Aydogan, Manager Peter Frietsch und Rudi Leonhardt von der Deutsch-französischen Gesellschaft. | Foto: Bernd Kappler

Babo-Hochhaus Baden-Baden

Investor fehlt das Kapital

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Das Hotelprojekt im Babo-Hochhaus im Baden-Badener Stadtteil Oos wird vermutlich noch geraume Zeit auf sich warten lassen. Das hat der Eigentümer und Investor, Hüseyin Aydogan, am Donnerstag unmissverständlich zu verstehen gegeben. Grund sind Finanzierungsprobleme, räumte der türkische Hotelier freimütig ein. Sein Problem: Deutsche Banken würden sich bei der Finanzierung von Hotels im Moment schwer tun, zudem habe eine örtliche Bank den erforderlichen Eigenkapitalanteil von 40 auf 60 Prozent heraufgesetzt. Türkische Banken würden derzeit wiederum keine Hotelprojekte in Deutschland finanzieren. Sein zur Verfügung stehendes Kapital – die Rede ist von 16 Millionen Euro – habe er in den vergangenen Monaten in Hotelprojekte in Bad Herrenalb und in Baiersbronn gesteckt.

Mithin bleibe ihm nichts anderes übrig, als Gewinne seiner Unternehmen in der Türkei nach Deutschland zu transferieren. Das brauche aber Zeit. Im vergangenen Jahr hatte die Bauherrschaft Investitionen in Höhe von 17 Millionen, darunter 3,5 Millionen für den Verkauf, angegeben, jetzt ist von 20 Millionen die Rede. Aufgeben werde er das Projekt nicht, betonte der Inhaber und Geschäftsführer des Nashira Resort Hotel im türkischen Side, ein 500-Betten-Haus der gehobenen Klasse.

Blauäugig gekauft?

Klartext spricht der Geschäftsmann gleichwohl in eine andere Richtung. Die Frage, ob er denn das Babo-Hochhaus nochmals kaufen würde, verneint er strikt. Er sei beim Kauf vom damaligen Verkäufer, einem Baden-Badener Immobilienmakler, falsch informiert worden, klagt Hüseyin Aydogan. Zum Zeitpunkt des Kaufs habe er von der Asbestproblematik der Fassade nichts gewusst und dass keinerlei Bauunterlagen, insbesondere keine Statikpläne, vorliegen, sei ebenfalls nicht bekannt gewesen.

In der Folge der fehlenden Finanzierung scheut sich der Babo-Eigentümer, den Auftrag für die Erarbeitung der Statik zu vergeben, wohl wissend, dass dies für den weiteren Fortgang des Projekts von entscheidender Bedeutung ist. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Bürgermeister Alexander Uhlig die Baugenehmigung für das geplante 170-Zimmer-Hotel überreicht. Eine Baufreigabe konnte aber aufgrund der fehlenden Prüfstatik noch nicht erteilt werden. Aydogans Problem: Sämtliche Bauunterlagen des einst für das französische Militär erbaute Hauptquartier sind verschwunden. Ob das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit seiner Stahlkonstruktion den heutigen Vorschriften entspricht, ist deshalb immer noch ungeklärt. Als das Hauptquartier der französischen Streitkräfte in Deutschland 1955 bezogen worden war, gab es zum Beispiel noch keine Vorschriften für die Erdbebensicherheit.

Mithin bleibt bis zur Vorlage der statischen Berechnungen unklar, ob das Metallskelett nachgerüstet werden muss oder nicht. Bereits im Juli waren die Decken freigelegt worden, damit die Fachleute ihre Berechnungen beginnen können. Rund acht Wochen seien dafür erforderlich. Nach Angaben von Architekt und Projektleiter Danny Azakir stehen Statiker und Prüfstatiker in den Startlöchern. Was fehlt, ist die Unterschrift unter dem Auftrag.

Deutsch-französische Begegnungsstätte?

Die Vorlage für Babo-Manager Peter Frietsch kam ausgerechnet aus der Gemeinderatsfraktion der Freien Bürger (FBB). Im Neues Schloss könnte eine deutsch-französische Begegnungsstätte eingerichtet werden, so deren Vorschlag. Jawohl, sagt Frietsch, aber nicht im Schloss, sondern dort, wo es keinen besseren Platz gibt: Im Babo-Hochhaus, dem ehemaligen Quartier der französischen Streitkräfte in Deutschland, dem Bâtiment Administratif de Baden-Oos.

Der frankophile SPD-Stadtrat Werner Schmoll griff diesen Gedanken sofort auf, erinnerte an einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2013 und bat Oberbürgermeisterin Margret Mergen um eine ernsthafte Prüfung des Vorschlags. Werner Schmoll: „Das ehemalige Gebäude der französischen Militärjustiz auf dem Gelände wäre durchaus in der Lage, Flächen für ein Zentrum für deutsch-französisch Geschichte und Begegnung in Baden-Baden anzubieten.“ Inzwischen weiß Peter Frietsch auch die Deutsch-französische Gesellschaft im Boot. Deren Vizepräsident, Rudi Leonhardt, versicherte spontan die ideelle Unterstützung des 290 Mitglieder starken Vereins. Werner Schmoll sieht das Projekt wie immer es auch Gestalt annehmen sollte, als Aufgabe höherer Institutionen. Bundesrepublik, Frankreich und das Land seien gefragt. Er verweist auf seine schon vor 15 Jahren gestarteten Bemühungen, die bislang immer verdrängt oder abgelehnt worden seien.

Zeichen aus dem Rathaus erwartet

Peter Frietsch und Babo-Besitzer Hüseyin Aydogan freuen sich natürlich über so viel Zuspruch, denn das Projekt ist angesichts fehlender Kreditzusagen auf ein gutes Image angewiesen. In diesem Zusammenhang hadert der Bauherr ein wenig mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Deren Angebot an die kuwaitische Schlossbesitzerin Fawzia al Hassawi den Schlosspark für 15 Millionen Euro zu übernehmen, ist bei Hüseyin Aydoan sauer aufgestoßen. Er fragt sich, warum ihm nicht ähnliche Hilfen angeboten werden. Froh wäre er schon mit einem Zeichen. Das könnte in der aktiven Unterstützung der Idee deutsch-französische Begegnungsstätte bestehen. Werner Schmoll: „Was wir jetzt brauchen, ist ein Tisch, um die Chancen gemeinsam auszuloten.“

Kommentar
Was man in Oos befürchtet hatte, tritt jetzt tatsächlich ein: Auch die neuen Pläne – eigentlich sind sie ja auch schon wieder einige Jahre alt – werden zur Hängepartie. Das Babo-Hochhaus wird also noch weitere Monate, vielleicht auch Jahre, vor sich hindümpeln. Der Eigentümer will gleichwohl an den Hotelplänen festhalten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nicht nachvollziehbar ist indessen sein Zögern bei der Vergabe des Auftrags für den Statiker, denn die ist der Schlüssel zu allem Weiteren. Anders ausgedruckt: Ohne geprüfte Statik ist das Denkmal keinen Pfifferling wert. Da hilft auch nicht ein verärgerter Blick zurück. Hüseyin Aydogan muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den alten Kasten ziemlich blauäugig erworben zu haben. Glaubt man seinen Angaben, genügte ihm das zweiseitige Exposé des Maklers für die Kaufentscheidung.
Insofern steht sein Begehren, von der Stadt stärker unterstützt zu werden, auf tönernen Füßen. Was um Gottes Willen kann der Steuerzahler denn dafür, wenn jemand ein Schnäppchen wähnt, das sich später als faules Ei herausstellt. Wer 3,5 Millionen Euro auf den Tisch blättert, sollte halt selbst genauer hinschauen.
Dass der Babo-Bauherr dabei auf das Neue Schloss zeigt, steht auf einem ganz anderen Blatt, denn dieses städtische Angebot war weder politisch noch taktisch ein kluger Zug.
Ebenfalls blauäugig ist augenscheinlich seine Finanzierung. Dass Banken und Sparkassen bei Hotelfinanzierungen außerordentlich zurückhaltend sind, ist ja nicht gerade die Top-Nachricht. Wenn dem nicht so wäre, wäre das Schlosshotel vermutlich längst in Betrieb.