Feierliche Zeremonie: Gemeinderabbiner Daniel Naftoli Surovtsev (links) und Landesrabbiner Moshe Flomenmann führen die Umrundung des neuen Friedhofs an.
Feierliche Zeremonie: Gemeinderabbiner Daniel Naftoli Surovtsev (links) und Landesrabbiner Moshe Flomenmann führen die Umrundung des neuen Friedhofs an. | Foto: Rudolphi

Mit sieben Umrundungen

Israelitische Kultusgemeinde weiht neuen jüdischen Friedhof in Baden-Baden ein

Anzeige

Sieben Mal umrunden Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Baden-Baden und deren Gäste den neuen Teil des jüdischen Friedhofs in Lichtental. Landesrabbiner Moshe Flomenmann und der hiesige Gemeinderabbiner Daniel Naftoli Surovtsev führen die Prozession an und beten dabei Psalmen. Surovtsev weist darauf hin, dass diese Zeremonie bei der Einweihung eines jüdischen Friedhofs vorgeschrieben ist.

Zum Schluss streuen die Teilnehmer Erde, die der Rabbiner aus Israel mitgebracht hat, auf den geweihten Boden. Surovtsev erläutert, dass das zwar nicht zum jüdischen Brauchtum gehöre, aber eine schöne Geste bei diesem Festakt sei.

Die Ruhezeit ist unbegrenzt

Mit der Feier am Dienstagmorgen erfüllt sich für die IKG ein lange gehegter Wunsch. Die wachsende Jüdische Gemeinde benötigt seit Jahren mehr Platz, um ihre Toten zu bestatten. Der bisherige jüdische Friedhof auf dem Gelände des Lichtentaler Friedhofs in der Eckbergstraße reicht inzwischen nicht mehr aus. Einer der Gründe ist, dass die Ruhezeit nach jüdischen Glauben unbegrenzt ist.

Interkonfessionelles Feld ist geplant

Nach Auskunft von Rabbiner Surovtsev ist der jüdische Friedhof in Lichtental rund 100 Jahre alt. Seit dem Krieg habe die Gemeinde die Fläche bereits zwei Mal erweitert. Auf dem jetzt zugekauften Grundstück sei auch ein interkonfessionelles Feld geplant, um dort nicht-jüdische Ehegatten und Verwandte zu bestatten.

Verzögerungen durch archäologische Arbeiten

Oberbürgermeisterin Margret Mergen berichtete, dass Vertreter der IKG kurz nach ihrem Amtsantritt zu ihr gekommen seien, um mit ihr über eine Erweiterung des Friedhofs zu sprechen. Die Stadt habe sich mit der Jüdischen Gemeinde darauf verständigt, dafür eine Fläche auf dem Friedhof in Baden-Oos anzulegen, weil viele Mitglieder aus Rastatt kommen. Das Grundstück sei bereits an die IKG verkauft gewesen. Bei der Neugestaltung seien jedoch Überreste merowingischer Gräber aufgetaucht.

Eingangstor: Der jüdische Friedhof, der künftig um 2 600 Quadratmeter größer ist, ist über 100 Jahre alt.
Eingangstor: Der jüdische Friedhof, der künftig um 2 600 Quadratmeter größer ist, ist über 100 Jahre alt. | Foto: Rudolphi

Alle Beteiligten hätten sich deshalb darauf verständigt, nach einer anderen Fläche zu suchen, weil die archäologischen Arbeiten das Vorhaben verzögern würden. Im Februar dieses Jahres habe die IKG dann das rund 2 600 Quadratmeter große Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden jüdischen Friedhof gekauft.

Der Friedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer.

Mergen sieht in ihm ein besonderes Zeichen für den interkulturellen Umgang der Menschen miteinander. „Der Friedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch des Mutes und der Zuversicht“, bekräftigt die Oberbürgermeisterin.

Jüdischer Friedhof als Haus des Lebens

Landesrabbiner Flomenmann nimmt diesen Gedanken auf. Ein jüdischer Friedhof habe viele Auflagen zu erfüllen und habe mehrere Bedeutungen. Er sei einerseits ein Haus der Gräber, aber auch ein Haus des Lebens. Die Juden glaubten nicht, dass das Leben mit dem Tod ende. Ein wesentlicher Glaubensinhalt sei die Auferstehung, weshalb die Toten mit den Füßen in Richtung Osten bestattet seien, um ihnen einst den Weg nach Jerusalem zu weisen. Ein jüdischer Friedhof ist Flomenmann zufolge deshalb immer auch eine Reflexion des Lebens.

Mit der heutigen Einweihung schreiben wir Geschichte und Zukunft.

Für den Landesrabbiner steht fest: „Mit der heutigen Einweihung schreiben wir Geschichte und Zukunft.“ Diakon Stefan Lutz-Bachmann von der Katholischen Seelsorgeeinheit Baden-Baden freut sich, dass die Jüdische Gemeinde die religiöse Vielfalt in der Bäderstadt bereichere. Er ruft dazu auf, sich mutig gegen den wachsenden Antisemitismus zur Wehr zu setzen. Thomas Jammerthal, Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Baden-Baden und Rastatt, begrüßt es, dass die IKG sich immer mehr nach außen öffne und die ökumenische Zusammenarbeit suche. Eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen Juden- und Christentum sei: „Unsere Toten ruhen der Auferstehung entgegen.“