Konzentration der medizinischen Angebote: Die Neuausrichtung des Klinikums Mittelbaden trägt zur Konsolidierung des Krankenhaus-Verbunds bei. | Foto: Klinikum

Defizit sinkt um 2,6 Millionen

Das Klinikum Mittelbaden setzt seine Konsolidierung fort

 

Jürgen Jung sieht das Klinikum Mittelbaden auf dem Weg in die richtige Richtung. „Das Konzentrationsprogramm wirkt sich aus“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Klinik-Verbundes bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2016. Demnach fällt das Ergebnis mit einem Defizit von rund 4,8 Millionen um 2,6 Millionen Euro geringer aus als 2015. Jung wertete das als „deutlichen Konsolidierungsschritt“ in einer für das Klinikum wichtigen Phase der Umstrukturierung und Neuausrichtung.

Das Klinikum etabliert ein Eltern-Kind-Zentrum

Dazu zählt Jung vor allem die Entscheidung, die Geburtsklinik Bühl zu schließen und in Baden-Baden ein Eltern-Kind-Zentrum aufzubauen. Ein weiterer wichtiger Einschnitt sei es, bisher fünf eigenständige Kliniken zum Klinikum Rastatt-Forbach und Baden-Baden-Bühl (bei Aufgabe des Klinik-Standorts Annaberg) zusammenzuführen. Auch das aktuelle Geschäftsjahr sei von dem Willen geprägt, die medizinische Versorgung weiter zu spezialisieren, ohne die Wohnortnähe aufzugeben.

Die Zahl der Patienten geht leicht zurück

Die Zahl der Patienten in den Akutkliniken ist von 42 628 (2015) auf 41 733 zurückgegangen. Dazu kommen 3 974 (2015: 4 008) ambulant behandelte Patienten. Die Zahl der Behandlungen ist von 37 446 auf 38 907 gestiegen. Der medizinische Geschäftsführer Norbert Roeder erklärte diese Entwicklung damit, dass Patienten-Verlegungen innerhalb des Klinikums nicht mehr wie früher als Doppelbelegungen zählen.

Die Aufenthaltsdauer liegt im Schnitt bei 5,5 Tagen

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 5,5 Tagen. Jung erwartet, dass dieser Wert in den kommenden Jahren weiter sinken werden. Roeder führt diese Tendenz darauf zurück, dass es immer mehr ambulante Operationen gebe und der medizinische Fortschritt zunehme. Etwas mehr als die Hälfte der Patienten entfallen auf Baden-Baden, ein Drittel auf Rastatt, 14 Prozent auf Bühl und drei Prozent auf Forbach.

Die Pflegeeinrichtungen sind zu 96 Prozent belegt

629 Plätze sind Jung zufolge in den Pflegeeinrichtungen des Klinikums belegt, was einer Auslastung von 96 Prozent entspreche. Der Geschäftsführer kündigte den zwischenzeitlichen Umzug der Bewohner vom Schafberg in das Gebäude Annaberg für Januar/Februar an. Danach beginne der auf etwa eineinhalb Jahre veranschlagte Umbau von Doppel- in Einzelzimmer im Pflegeheim Schafberg. Der Klinikverbund beschäftigte 2016 1 774 Vollkräfte. 50 von den angekündigten 70 Stellen seien mittlerweile abgebaut. Jung bekräftigte, es gebe im Zuge des Strukturwandels keine betriebsbedingten Kündigungen.

Die Gesellschafter bekennen sich zur öffentlichen Trägerschaft

Fast vier Millionen Euro sind 2016 in Investitionen geflossen. „Im Vergleich zu den Vorjahren ist das eher unterdurchschnittlich“, sagte der Geschäftsführer. Er betonte, die Gesellschafter (Stadtkreis Baden-Baden und Landkreis Rastatt) hätten bekräftigt, dass das Klinikum Mittelbaden auch künftig in öffentlicher Trägerschaft bleiben werde.

Weitere Infos gibt es unter www.klinikum-mittelbaden.de.

Kommentar zum Thema: Die Zahlen sprechen für sich: Das Klinikum Mittelbaden ist auf dem Weg, sich wirtschaftlich zu konsolidieren. Im Jahresergebnis 2016 steht zwar noch ein Minus von 4,8 Millionen Euro, aber es ist gelungen, das Defizit um etwa 2,6 Millionen zu drücken. Die seit Jahren praktizierte Strategie, den Klinikverbund neu zu strukturieren, Standorte zusammenzuführen und medizinische Angebote zu bündeln, zeigt offenkundig erste Erfolge. Dabei war es keineswegs einfach, in diese Richtung zu gehen. Vor allem in Bühl regte sich massiver Widerstand, als das Klinikum bekanntgab, die dortige Geburtshilfe zu schließen. Klar, keiner verzichtet gerne auf ein medizinisches Angebot direkt vor der Haustür. Aber die Konzentration und Spezialisierung der medizinischen Leistungen sind wohl unumgänglich, zumal Bund und Krankenkassen einen immer größeren Druck aufbauen, wirtschaftlich, das heißt mit schwarzen Zahlen, zu arbeiten. Aus der Versorgung vor der Haustür wird also Zug um Zuge die Versorgung in Wohnortnähe. Das wollen die Verantwortlichen auf jeden Fall garantieren. Bei einem privaten Träger, der profitorientiert ist, sähe das alles möglicherweise ganz anders aus. Und das Klinikum ist für Private hoch attraktiv, wie Geschäftsführer Jürgen Jung betont. Vor diesem Hintergrund ist es gut, wenn die Gesellschafter sich ausdrücklich zur öffentlichen Trägerschaft des Verbunds bekennen.